Konkurrenz für das Edeka-Projekt
Von Walter Kreuzer und Steffen Reith
Schlüchtern
Wenn die Stadtverordnetenversammlung am Montag die Bauleitplanung für das Langer-Lins-Areal auf den Weg bringt, wird es in dem Verfahren nicht mehr allein um den Bau eines Lebensmittelmarktes gehen.
Seit Donnerstag liegen offiziell drei Alternativprojekte auf dem Tisch. Formal wird es am Montag im Stadtparlament darum gehen, das im Februar 2010 eingeleitete Bauleitverfahren – damals sollte auf der Fläche noch ein Rewe-Markt gebaut werden – mit Änderungen wieder aufzunehmen. Ein Teil dieser Veränderungen könnten gravierende Auswirkungen auf die bekannten Pläne der Investorengruppe Langer-Jökel haben. In dieser Hinsicht unproblematisch dürfte die Ausdehnung des Geltungsbereichs auf das Lins-Gelände sein. Auf diesem soll entlang der Obertorstraße ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen.
Diskussionsbedarf zwischen den möglichen Investoren und der Stadt zeichnet sich mit Blick auf die gestalterischen Festsetzungen des Bebauungsplanes für den Edeka-Lebensmittelmarkt ab. Im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) weist dessen Vorsitzender Helmut Meister (SPD) am Donnerstag auf eine Empfehlung der Kommission für Stadtentwicklung hin: „Die Stadt soll Einfluss nehmen, dass der Markt kein rechteckiger Kasten wird.“
Sein Fraktionsvorsitzender Matthias Möller spricht sich deutlich für die Edeka-Lösung aus: „Ich halte diese Variante auch nicht unbedingt für den Königsweg. Aber wir haben bei Edeka einheimische Investoren, die viel Zeit und Geld in das Projekt gesteckt haben. Diese jetzt vor den Kopf zu stoßen, wäre nicht in Ordnung und auch nicht gut für die Zukunft.“ CDU-Fraktionschef Jürgen Heil sieht es ähnlich: „Das ist ein Filetstück der Stadt im Zentrum. Da muss sich jeder dran messen lassen, wie die Gestaltung aussieht. Mir ist es zu bunt. Es sollte weniger auffällig sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir von Langer-Jökel abrücken.“
Einigkeit besteht in der Forderung nach einer „Planung aus einem Guss“ sowie der Einbeziehung des Lins-Areals. Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD): „Nur beim Langer-Jökel- Projekt können alle Grundstücke beplant werden.“ Er spielt darauf an, dass sich nur etwa die Hälfte der fraglichen Flächen in städtischem Eigentum befinden. Der Rest gehört zum Kaufhaus Langer.
Vor diesem Hintergrund müssen die jetzt in die Diskussion eingebrachten drei alternativen Projekte gesehen werden. Bei diesen geht es jeweils um die Bebauung nur der städtischen Grundstücke. Architekt Bernd Schott ist gleich in zwei Varianten eingebunden: Vor gut zwei Jahren unterbreitete er für den Bruchköbeler Investor Manfred Tihme der Stadt ein Kaufangebot, um ein Altenwohnheim zu errichten. „Die Verträge waren schon vorbereitet, aber dann kam die Sache mit Rewe“, sagt Schott, der vor zwei Wochen auch im Auftrag von Martin Seegert und der Firma Proconsys aktiv wurde. Deren Vorhaben, im Bereich des Blumen-Cafés ein Hotel zu errichten, ist laut Bürgermeister gescheitert. Nun werde überlegt, auf dem städtischen Gelände am Sandgarten ein Hotel und Eigentumswohnungen zu errichten.
Hinter dem dritten Vorhaben steht der Künzeller Architekt Jochen Hohmann, unter anderem Bauherr des Einkaufszentrums Rhönhof in Eichenzell. Er hat sich beim Bürgermeister schriftlich beworben und ihm mündlich seine Vorstellungen kundgetan: „Ich halte für die Entwicklung der Schlüchterner Innenstadt eine attraktive Wohnbebauung für am besten geeignet.“
Welches Vorhaben zum Zuge kommen wird, soll im Rahmen der Bauleitplanung geklärt werden. „Nach dem Kalten Markt sollen die Interessenten ihre Vorhaben in den Gremien vorstellen. Geklärt werden muss auch, ob sich mehrere Projekte kombinieren lassen“, sagt Fritzsch, der bis zum Frühjahr das Verfahren zum Abschluss bringen möchte. Dass dieses am Montag in Gang gesetzt wird, ist nach dem einstimmigen Votum im HFA zu erwarten.
Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden








