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31. Mai 2011



Kulturkino nimmt wichtige Hürde

Walter Kreuzer

Schlüchtern
Die Schlüchterner Kommunalpolitiker stehen hinter der Einrichtung Kulturhaus Synagoge. 34 der 35 anwesenden Stadtverordneten stimmten Montagabend im Grundsatz für den Kauf des Gebäudes.

Alle Stadtverordneten von SPD, Grünen, FDP und Linkspartei sowie zehn CDU-Vertreter halfen mit ihrem Votum für die Magistratsvorlage dem Kulturkino Kuki über eine weitere Hürde in Richtung Rückkehr an die alte Spielstätte. CDU-Stadtverordneter Rolf Moritz lehnte als einziger den Grundsatzbeschluss ab, seine Fraktionskollegen Hans Konrad Neuroth und Wilfried Urbach waren nicht anwesend.

Mehr als eine halbe Stunde lang diskutierte das Stadtparlament engagiert über das Für und Wider. Vor allem die finanziellen Verpflichtungen in Höhe von zunächst bis zu 600 000 Euro – darunter maximal 300 000 Euro für den Kauf des Gebäudes, der Rest für die dringendsten Sanierungsarbeiten und den Brandschutz – bereiteten Sorge. „Wir stimmen der Vorlage zu, aber mit allergrößtem Unbehagen“, brachte Dr. Peter Büttner die Ansicht der FDP auf den Punkt. Der Kaufpreis sei zu hoch und ohne die Nutzung des Gebäudes durch das Kuki sei der „Kauf zu diesen Konditionen nicht tragbar“.
SPD-Fraktionschef Matthias Möller, wie auch andere Redner, dankten Pfarrer Joachim Truss für die erfolgreiche Mediation. In der Sache betonte Möller: „Das Kulturhaus Synagoge soll unter städtischer Verwaltung als Ort kulturtreibender Menschen, Vereine und Organisationen verschiedenster Ausrichtung dienen.“ Mit allen Mitteln müsse die Stadt „in allen Richtungen wirtschaftlich und kulturell attraktiv“ gehalten werden. Sowohl der Bau- als auch der Haupt- und Finanzausschuss würden in kurzen, regelmäßigen Intervallen eine ständige Kostenkontrolle vornehmen lassen, versprach Möller.

Nowottny: Ja mit allen Konsequenzen

Mit diesen Ausführungen war er nicht weit von Heinz-Jürgen Heil entfernt. Der CDU-Stadtverordnete erinnerte daran, dass es „in letzter Zeit bei allen Vorlagen zu Kostensteigerungen gekommen ist“. Die Stadt dürfe für das Kuki kein zusätzliches Personal einstellen. Hierzu wandte Amöne Nowottny (Grüne) ein: „Die Kuki-Leute haben zum Teil 40 bis 50 Stunden die Woche ehrenamtlich gearbeitet. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Personal nötig ist. Zudem kann das Kuki nur arbeiten, wenn ein zweiter Raum da ist. Auch das kostet Geld. Wir stehen hinter dem Kuki – mit allen Konsequenzen.“

Mit Heiko Kirchner, Vorsitzender der CDU-Fraktion, stellte ein weiterer Redner die Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: „Die Entscheidung über eine Ausgabe in Höhe von rund einer halben Million Euro ist nicht leichtfertig zu treffen. Wir müssen mit allen Mitteln verhindern, dass die Kosten ins Unermessliche steigen.“
Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD) bezeichnete den Beschluss als „große Chance, Kultur in der Kleinstadt wieder – und vielleicht neu – zu definieren.“ Dabei ließ er keinen Zweifel an seiner Einschätzung, dass die Stadt die ehemalige Synagoge erwerben und einer Nutzung zuführen müsse, die „ihrer ehemaligen Bedeutung nahe kommt. Es wäre aber fatal, das Kulturhaus auf einen oder zwei Vereine zu verengen. Es muss vielmehr allen Kulturtreibenden der Stadt zur Verfügung stehen. Wenn das gelingt, können wir zu einer kulturellen Stadtgemeinschaft kommen.“


KOMMENTAR
Nach der Posse um die Magistratswahl war zu befürchten, dass die Schlüchterner Kommunalpolitiker in der nächsten Zeit genau da weitermachen, womit sie vor der Kommunalwahl aufgehört hatten: Mit Streit, Missgunst und Schuldzuweisungen.
Den ersten Schritt zum Erwerb der Synagoge und zur Rettung des Kulturkinos Kuki aber sind die Stadtverordneten gemeinsam gegangen – sieht man mal vom CDU-Abgeordneten Rolf Moritz ab, der mit seinen Alleingängen schon oft seine Fraktionskollegen sehr verärgert hat.

Nun also hat sich die Schlüchterner Politik weitgehend geschlossen dafür entschieden, Geld in die Hand zu nehmen, um eines ihrer Aushängeschilder vor dem Aus zu bewahren. Das hätten auch viele Kulturinteressierte in ganz Deutschland nicht verstanden, hätte man dem Kuki seinen großartigen Spielort genommen.

Man mag ein wenig verwundert darüber sein, dass die Stadtverordneten nun einhellig dies beschlossen haben, was sie schon vor knapp einem Jahr hätten tun können. Doch womöglich hat es wirklich der großartigen Leistung von Mediator Joachim Truss bedurft, bis alle erkannten, wie wichtig das Kuki und die Synagoge für das Schlüchterner Kulturgut sind.

Nun ist auch der Kuki-Trägerverein gefordert. Er muss seine Wirtschaftlichkeit nachweisen und beim Kooperationsvertrag mit der Stadt Zugeständnisse machen. Und gerade Letzteres wird so manchem Kuki-Vertreter auch nicht gerade leicht fallen. Es ist noch ein langer Weg, bis alle Hindernisse bis zum Erwerb der Synagoge ausgeräumt sind. Aber die ersten Schritte sind gemacht.



Leser-Kommentare ( 3 )
  • Christian (143) | 31. May 2011;31.05.2011;1306832903 --> 31 Mai 2011
    Das ist doch Wahnsinn

    Natürlich darf der Steuerzahler wieder mal dafür aufkommen, ich sehe leider immer noch nicht so richtig, wo beim Kuki die "Kultur" sein soll. Es wird primär normales Kino gezeigt, daher das was von der gut betuchten Filmindustrie auf den Markt geworden wird. Warum soll der Steuerzahler dafür aufkommen? Warum soll sich der Besitzer der Synagoge die Taschen voll machen, nur weil er Jahrelang kaum was investiert hat?

  • EinWaehler (8) | 31. May 2011;31.05.2011;1306839915 --> 31 Mai 2011
    Kauf der Synagoge

    Also den Kauf der Synagoge halt ich schon für wichtig, wobei ich Dir Recht gebe was den Kaufpreis betrifft. Der scheint recht hoch zu sein. Ich gebe Dir aber auch Recht, dass beim Kuki nicht mehr viel vom Kulturkino übrig ist. Und wenn die Stadt jetzt noch Personl stellen soll (wie Frau Nowottny in der KN angibt), dann ist das unfassbar. Welcher andere Verein bekommt denn von der Stadt Personal gestellt ?

  • Fuzzy (54) | 31. May 2011;31.05.2011;1306866416 --> 31 Mai 2011
    Einen Verantwortungsvollen gibt es ja noch

    Die Stadtverordneten haben den Kauf eines Fasses beschlossen - eines Fasses ohne Boden. Wetten, dass es am Ende nicht um 600.000 Euro, sondern um eine Million gehen wird. Dazu kommen dann noch Personal- und andere Folgekosten. Nur ein Stadtverordneter hat hier auf Nachhaltigkeit geachtet und dieses Geschäft abgelehnt. Alle Bürger müssen in Zukunft für die Kosten aufkommen oder auf wichtigere Investitionen verzichten. Bei der Kommune steht schon jetzt jeder mit 2000 Euro in der Kreide.