Walter Sittler steht in Salmünster auf der Bühne
BAD SODEN-SALMÜNSTER Er ist schon in die unterschiedlichsten Rollen geschlüpft, war Arzt, Kommissar und Meisterdieb.
Am Samstagabend ist der in Stuttgart lebende Schauspieler Walter Sittler (56) als Erich Kästner auf der Bühne der Stadthalle in Salmünster zu sehen. Was ihn bewegt, eine Rolle zu übernehmen und warum er sich selbst nicht allzu wichtig nimmt, erläutert er im Gespräch mit unserer Zeitung.
KN: Sie werden als Erich Kästner auftreten, in dem szenischen Monolog „Als ich ein kleiner Junge war“. Darin erzählt der Schriftsteller Kästner aus seiner Kindheit und Jugendzeit und gewährt sehr persönliche Einblicke in seine Biografie. Was fällt Ihnen als erstes ein, befragt man Sie nach Ihrer eigenen Kinderzeit? Gibt es da Momente, die Ihnen besonders viel bedeuten?
Walter Sittler: Als ich ein kleiner Junge war, sind wir ständig umgezogen, kaum ein Jahr an einem Fleck und schon wieder fort. Das hatte mit dem Beruf meines Vaters zu tun – also die Beständigkeit der Königsbrücker Straße, um die ich Erich Kästner schon ein wenig beneide, hatte ich nicht.
KN: Sie sind mit sieben Geschwistern aufgewachsen, Erich Kästner war Einzelkind. Welche Bedeutung hat Familie für Sie? Haben Sie sich je gewünscht, das einzige Kind zu sein, um so die Liebe der Eltern ganz für sich allein zu haben?
Sittler: Familie ist für mich der Ort, wo ich in Sicherheit bin, auch ein Ort, an dem ich nicht alleine bin, sondern aufgehoben. Ich kann mir nicht vorstellen, Einzelkind zu sein. Die Liebe beider Elternteile auf ein Kind gehäuft, ist fast zu viel für das Kind und nicht alle werden damit so fertig, wie Erich Kästner.
KN: Im Kästner-Stück geht es um die traurigen und schönen Momente im Leben, die oft nah beieinander liegen. Kästner erzählt auf wunderbare Weise so davon, dass man diese Wechselbäder der Gefühle als Kraftspender begreift. Was gibt Ihnen Kraft zum Leben? Und andersherum, was raubt Ihnen Energie?
Sittler: Das Leben ist reich und kraftvoll von alleine, wir müssen es nur nutzen. Ich verliere Energie, wenn ich mich zu wichtig nehme, das ist wahnsinnig anstrengend – ich versuche es zu vermeiden, aber auch mir passiert das hin und wieder.
KN: Als Erich Kästner sprechen Sie einen Monolog, das heißt, außer Ihnen befinden sich nur sechs Musiker auf der Bühne. Was tun Sie, wenn Ihnen der Text plötzlich nicht mehr einfällt? In einem Ensemble ist es doch sicher einfacher, sich gegenseitig Hilfen zu geben oder die Situation zu überspielen?
Sittler: Das sind so Geheimnisse unseres Handwerks, die ich nicht so leicht ausplaudere. Allerdings kenne ich mich in Kästners Text für diesen Abend so gut aus, wie in meinem eigenen Garten und da geht man ja auch nicht verloren.
KN: Sie sind schon in die unterschiedlichsten Rollen geschlüpft. An der Seite von Mariele Millowitsch spielten sie zum Beispiel in der mehrfach ausgezeichneten TV-Serie „Nikola“ die Rolle des Dr. Schmidt, einen von sich selbst sehr überzeugten, arroganten Arzt, der sich mit Krankenschwester Nikola viele amüsante Wortgefechte liefert. Was reizt Sie an einer Figur besonders? Was gibt den Ausschlag, damit Sie sagen: „Diese Rolle will ich spielen.“
Sittler: Bei der Lektüre oder dem Gespräch darüber muss sich eine Welt auftun. Ich kenne sie noch nicht und weiß auch noch nicht, was alles dort vorhanden ist, aber ich muss fühlen, dass da was ist, was ich kennen lernen will. Dann sage ich „Ja“.
KN: Werden Sie Zeit haben, sich vor oder nach ihrem Auftritt noch ein wenig in Bad Soden-Salmünster umzuschauen?
Sittler: Leider wird dafür keine Zeit sein, weil wir am Nachmittag ankommen, die Bühne einrichten, spielen und nach der Vorstellung gleich nach Stuttgart zurückfahren. Am nächsten Tag ist gleich die nächste Aufführung. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und sollte unser Abend den Menschen gefallen, warum nicht wiederkommen?
Von unserer Redakteurin
Sabine Schuchardt
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