Kuki erhält hessischen Kinokulturpreis
SCHLÜCHTERN Nur eine Handvoll Eingeweihter wussten, dass am Freitag der Publizist Hanspeter Haeseler in der Alten Oper in Frankfurt stellvertretend für die rund 100 Mitglieder des Kuki-Vereins den Hessischen Kinokulturpreis in Empfang nehmen würde.
Spannung, Schauer, Prickeln, große Emotionen – um das zu erleben, gehen Menschen ins Kino. Und natürlich der Überraschungen wegen: Zum Beispiel wussten die Besucher des Schlüchterner Kulturkinos (Kuki) in der ehemaligen Synagoge bis Freitag nicht, dass sie in einem preisgekrönten Filmtheater sitzen. Publizist Hanspeter Haeseler (55), der Vorsitzende des Kino-Vereins, hat geschwiegen wie ein Grab – wahrscheinlich kam es ihm gerade recht, dass er ein paar Tage Urlaub in Berlin machte. So konnte er sich nicht verplappern. Die Überraschung gelang: Der Kinokulturpreis ist ein Riesenerfolg für das kleine Filmtheater mit insgesamt 115 Sitzplätzen, das seit 1995 vom Kuki-Verein betrieben wird. Bereits zum 19. Mal wurde der Hessische Film- und Kinopreis in Frankfurt verliehen: Haeseler schritt mit Promis wie dem Schauspieler Matthias Brandt, Schriftsteller Paulo Coelho und Hessens Ministerpräsident Roland Koch über den roten Teppich in die Alte Oper. ARD-Moderator Dieter Moor führte durch die Gala, in deren Verlauf die Schauspielerin Monica Bleibtreu mit dem Ehrenpreis des hessischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet wurde.
Junge Leute machen mit
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter identifizieren sich sehr mit dem Kino im Obergeschoss des Kulturhauses Synagoge. Die Vereinsmitglieder, zu denen viele junge Leute zählen, organisieren das Programm, machen Kassendienst, reißen Karten ab, verkaufen Getränke und Knabberzeug oder arbeiten im Vorführraum. Hanspeter Haeseler beschreibt die Faszination Kino im Kulturhaus Synagoge so: „Der Saal beflügelt die spürbare Sehnsucht nach Wärme, das Gemeinschaftserlebnis, das Zusammenrücken, um sich Kino-Geschichten erzählen zu lassen. Dies ist weniger in den kalten, protzigen Multiplexen als in den kleineren Theatern mit Seele zu erleben.“
Aber das Kuki kommt nicht nur emotionalen Bedürfnissen entgegen – es füllt auch die Kino-Lücke zwischen Fulda, Bad Brückenau und Gelnhausen. Und zwar mit einem Programm, das seit Gründung des Kinos den Schwerpunkt auf Filme aus dem so genannten Arthouse-Bereich legt. Also auf Werke von besonderer künstlerischer oder kultureller Prägung, die nicht den Massengeschmack bedienen. Gleichwohl wird auch immer mal wieder ein Blockbuster gezeigt: Etwa die Harry-Potter-Reihe oder der jüngste Batman-Reißer. Mit nur einem Kinosaal bereitet die Gratwanderung zwischen Nischen- und Kommerzfilmen den Kuki-Machern allerdings zunehmend Probleme, denn die Verleihfirmen gewähren oft nur dann Startkopien, wenn diese ausschließlich und über eine gewisse Zeitspanne vorgeführt werden. Deshalb muss ein zweiter Raum her. Auch die Nutzungsbedingungen für das Kulturhaus, das in Privathand ist und bislang von der Stadt Schlüchtern gemietet wurde, werden nach Auskunft von Bürgermeister Falko Fritzsch gerade neu verhandelt. Das Stadtoberhaupt gibt allerdings ein klares Bekenntnis für den Erhalt des Kinos in der Synagoge ab – und auch für dessen Expansion: „Nächste Woche tagt die Stadtentwicklungskommission, da geht es auch um einen zusätzlichen Kino-Standort.“
Von Dorothee Müller
►Lesen Sie auf Seite 2:
„Das Kuki ist wie ein großes Wohnzimmer“
Eine Umfrage unter den Besuchern des Kuki
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