Mediator im Schulstreit, Eberhard Luft, über seine Mission
ka
Gelnhausen
Die ersten Ortstermine hat der Mediator im Streit um die geplante Schließung von Grundschulen im Bergwinkel als „sehr positiv“ vermerkt. Aber er weiß auch: Es liegt noch viel harte Arbeit vor ihm.
Eberhardt Luft ist derzeit der am genauesten beobachtete Mann mit einem Schreibtisch in der Kreisverwaltung. Genau das möchte der 66-Jährige. Alles soll gläsern sein: Terminplan, Strategie, Denkbewegungen. Für ihn ist Öffentlichkeit das Prinzip, um bis zum Jahresende einen Vorschlag zu unterbreiten, der den Schulstreit im Kreis befrieden soll – auch im Bewusstsein, das sein Urteil bei der weiteren Ausarbeitung des Schulentwicklungsplanes als Gradmesser dienen könnte.
„Eine schwierige Aufgabe, darüber mache ich mir keine Illusionen“, räumt der einstige Leiter des Hanauer Schulamtes ein, der in Raum A.03.079, im Main-Kinzig-Forum, die ersten Akten anlegt. In einem Schrank stehen Aktenordner – für jeden der sechs betroffenen Schulstandorte einer. Darin dokumentiert er das Material aus der Informationsphase: Evaluationsberichte, E-Mails, Briefe, Stellungnahmen von Eltern und Lehrern, Zahlenmaterial, Schulprogramme, Gesprächsprotokolle, Fragen, die sich plötzlich gestellt haben. Die ersten Eindrücke von den Ortsterminen, mit denen er sich bis zu den Sommerferien ein Bild von der Situation im Bergwinkel machen will, hat er als „sehr positiv“ vermerkt.
Neutralität ist für ihn als Vermittler unabdingbar; ebenso wie „Ehrlichkeit und aufrichtiges Interesse am Gesprächspartner“. Das Wichtigste sind Beruhigung und Ordnung des emotional aufgewühlten Diskurses.
In den Sommerferien beginnt die intensive Arbeit am Material: „Dann sortiere ich das alles in meinem Kopf.“ Die eigentliche Mediation startet danach – dann wird öffentlich, aber nach festen Regeln diskutiert und Konsens gesucht. „Da können nicht 200 Leute diskutieren, sondern die, die als beteiligte Partner benannt sind. Die anderen können zuhören und beobachten.“ Redezeiten werden festgelegt, ebenso der Ablauf der Diskussion. Es gibt Interpretation wird differieren
Zeitkontingente für Redebeiträge und Phasen, in denen Ergebnisse zusammengefasst werden sowie auftauchende Fragen „nachzufassen sind“. All das wird dokumentiert. Der Mediator führt dabei Regie. Bis Mitte September soll diese dritte Phase dauern. Insgesamt hat Luft sechs Mediationstermine angesetzt, alle im Altkreis Schlüchtern. Sollte das nicht reichen, sind Zusatztermine für November und Dezember im Kalender markiert. Wenn die Argumente erschöpfend ausgetauscht sind, zieht sich Luft erneut zurück, um einen Vorschlag auszuarbeiten. „Mein Ziel ist es, bis Ende des Jahres zu einem Ergebnis zu kommen.“
Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, kommt die Interpretation. Die aber kann differieren, je nach Standpunkt. „Das wird das eigentliche Kunststück sein: die unterschiedlichen Interpretationen der Sachlage zusammenzuführen. Auch mit Hilfe von Expertenwissen“, sagt Luft. Seine Aufgabe sei es, ein Ergebnis vorzulegen, das widerspiegele, was in dem Verfahren passiert sei. „Natürlich ist es völlig ausgeschlossen, es allen recht zu machen“, sagt Luft. „Aber am Ende muss ein Ergebnis stehen, dass alle Beteiligten und die Öffentlichkeit nachvollziehen und verstehen können.“
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