Mini-Helikopter untersucht Schindeln auf Schadstellen
Von Sarah Schleich und Andreas Ungermann
Steinau
Mit einem Mini-Helikopter ist in den vergangenen Tagen das Dach des Steinauer Schlosses auf Schäden kontrolliert worden. Was für manchen Beobachter wie ein Spiel aussehen mag, ist aber eine Kunst für sich, erklärt Pilot Oliver Ebert aus Hosenfeld.
Ein sonores Brummen hallt durch den Schlosshof in Steinau. Mit 1600 Umdrehungen pro Minute schrauben die Rotoren den grell-gelben Mini-Helikopter dicht an Dächer und Dachrinnen heran. „Passt alles?“, fragt Pilot Oliver Ebert seinen Kollegen Björn Siewert über Funk. Der sitzt im schwarzen Übertragungswagen und richtet seinen Blick auf den Monitor. „Ja, die Bilder sind gut. Jetzt ein Stück nach links“, funkt Siewert zurück. Kurz darauf dreht der Helikopter ab.
Nun ist das nächste Dach dran: Die an den Heli montierte Kamera sendet die Bilder direkt auf den Bildschirm im Übertragungswagen. Drei Tage lang ist das HeliCam-Hessen-Team damit beschäftigt, die Schieferschindeln auf Luftbildern festzuhalten, auf denen Schäden am Bau sichtbar werden. „Hier muss man zwar in den Ecken mit dem Wind aufpassen, wenn der dort nämlich ordentlich wirbelt, kommt der Heli ins Schlingern und kann nach oben weggezogen werden. Aber mit ein bisschen Erfahrung ist das kein Problem. Komplizierter ist es, wenn man über viele Köpfe hinweg fliegt“, erklärt Mini-Heli-Pilot Ebert, während seine Mitarbeiter den Schlosshof absperren, sodass während des Flugbetriebes keine Personen in Gefahr sind.
Denn: Das 9-PS-Gerät, das bis zu 260 Stundenkilometer schnell fliegt, kann durchaus gefährlich sein. Besondere Vorsicht ist deshalb geboten, wenn das Heli-Cam-Team Veranstaltungen wie Hochzeiten filmt – auch das gehört zum Angebot der hessenweit einzigartigen Firma mit Sitz in Fulda. „Das ist schon etwas Besonderes, wenn die Braut aus der Kirche kommt und der Hubschrauber sie begleitet“, sagt Ebert, der für seine Arbeit Startgenehmigungen vom Regierungspräsidium braucht.
Die meisten Aufträge sind allerdings weniger knifflig, da selten Menschen im Mittelpunkt der Aufnahmen aus der Vogelsperspektive stehen. Erkundungsflüge etwa über Hochspannungsleitungen sind Routine. Meistens zumindest: „Einmal habe ich eine Taube zerlegt. Da waren nur noch fliegende Federn zu sehen. Ein anderes Mal bin ich in eine Leitung geflogen, und der Heli ist mir dabei abgeschmiert“, berichtet Ebert. Und das wird dann teuer: Die Heli-Sonderanfertigung kostet schon in der Grundausstattung immerhin 1500 Euro. Autopilot, GPS und Stabilisatoren schlagen nochmal kräftig zu Buche und Reparaturen gehen gleich ordentlich ins Geld.
„Das ist schon ärgerlich“, räumt der Pilot ein. Wenn er beim Steuern seinem Helikopter konzentriert hinterher blickt und feinfühlig die Hebel der Konsole bewegt, wird deutlich, dass das Fliegen seine Leidenschaft ist. „Ich hatte die Wahl, arbeiten zu gehen oder mein Hobby zum Beruf zu machen“, schmunzelt Ebert und ergänzt lachend: „Ich habe früher in der Kneipe das Geld mit einem Modellhubschrauber zur Theke geflogen.“ So ist aus anfänglichen Scherzen Ernst geworden – und Ebert hat eine Marktlücke entdeckt.
Das Gerät ist inzwischen größer: Der Mini-Helikopter kann bis zur Windstärke sieben starten, 15 Kilogramm Traglast aufnehmen und gut 25 Minuten in der Luft bleiben. Und er bietet einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem großen Bruder: Während die Betriebsstunde eines echten Helis auf 3000 bis 8000 Euro veranschlagt werde, liefert Ebert die Bilder mit dem kompakten Gerät für 400 Euro pro Einsatzstunde. Genau das weiß auch Schlossverwalter Martin Kohlhaas zu schätzen: „Wenn wir Hebebühnen zur Inspektion anfordern würden, wäre das wesentlich teurer und der Aufwand höher, erläutert Kohlhaas, während Ebert wieder zur Fernsteuerung greift, die eine Reichweite von bis zu fünf Kilometern hat.
www.helicam-hessen.de
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