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29. September 2012



Nachschlag

Von Carlo Sporkmann

Region
Gut zu wissen, dass es sie noch gibt in unserem Land. Diese Orte, in denen die im Ausland oft verpönte deutsche Bürokratie in Stresssituationen erst einmal der ergebnisorientierten Problemlösung weichen muss.

Als am Montagabend ein Lkw auf der Landesstraße zwischen Sterbfritz und Mottgers auf den Grünstreifen geriet, daraufhin von seiner schweren Fracht über die Fahrbahn geschleudert worden war und schließlich quer zu dieser zum Stehen kam, ratterten nicht sofort die Mühlen der Bürokratie. Es folgte nicht sofort das obligatorische, an den Nerven zerrende Formular-Wettrennen durch Behörden.

In der Zeit, in der die Involvierten auf die Bergung durch einen Spezial-Kran aus  Maintal warteten, besannen sich alle darauf, die „blöde Situation“, wie es Lkw-Führer Klaus Grießenbach treffend kommentierte, so angenehm wie möglich zu gestalten. So harrte Klaus Grießenbach zwei Tage in seinem Führerhaus aus – was bei den gegenwärtigen Temperaturen  nachts kein Spaß ist. Anstatt einer ordentlichen Watschen von der Polizei, weil er das doch nicht hätte machen sollen, gab es am nächsten Morgen warmen Kaffee von besorgten Anwohnern.

Diese waren ohnehin nicht nur fasziniert, dass „ihre“ kleine Straße zwei Tage lang so ein Spektakel erlebte. Sie waren auch überrascht, wie einfach und unbürokratisch die Bergung vonstatten ging: Es fehlte eine Stahl-Standplatte für den Kran – die wurde in Fulda einfach bestellt und war innerhalb einer halben Stunde an der Unfallstelle. Eine längere Mittagspause machten die fleißigen Kranarbeiter auch erst, nachdem die 27 Tonnen schwere Fracht des Unfall-Lkw geborgen war – da schauten sie nicht ständig auf die Uhr, um die auferlegte maximale Arbeitsdauer von sechs Stunden nicht zu überschreiten. Und sowieso: Helme haben nur wenige der Arbeiter getragen, wie Anwohnerin die Wilhelmina Bayer festgestellt hat.

Schön zu wissen, dass im Ernstfall alle das mit der Bürokratie nicht ganz so eng sehen und sich erst einmal auf die Lösung des Problems konzentrieren. Unfallberichte schreiben und Fotos für die Versicherung machen, das kann man auch später noch. Sollten wir uns im Urlaub also wieder einmal vorwerfen lassen müssen, in Deutschland bräuchte jeder für alles erst einmal ein Formular, dann können wir verschmitzt in uns hineinlächeln und ruhigen Gewissens an solche Situationen wie eben jene diese Woche in Sterbfritz denken: In Ausnahmesituationen agieren wir alle erst einmal ergebnisorientiert. Schönes Wochenende!


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