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2. November 2009



Aus für das Kuki in der Synagoge

SCHLÜCHTERN Die Nachricht schlug am Montagabend in der Stadtverordneten- versammlung ein wie eine Bombe: Das Kulturkino Kuki darf seinen Spielbetrieb in der ehemaligen Synagoge nicht wieder aufnehmen.

Heinrich Heil, Eigentümer des Gebäudes, hatte seinen Entschluss am Vormittag Bürgermeister Falko Fritzsch telefonisch mitgeteilt.
„Für ihn ist eine weitere Nutzung des Gebäudes als Kino ausgeschlossen. Das gilt sowohl für unser Mietverhältnis als auch bei einem Kauf durch die Stadt“, gab Fritzsch den Gesprächsinhalt im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) des Stadtparlamentes bekannt, der unmittelbar vor der Plenarsitzung im kleinen Saal der Stadthalle zusammengetreten war. Eigentlich wollte das Gremium über eine Vorlage beraten, die der Magistrat vorlegen wollte. Dazu kam es unter den veränderten Bedingungen natürlich nicht mehr.
„Wir werden den Mietvertrag sofort kündigen oder klären, ob wir dort eine andere Nutzung weiterlaufen lassen können. Diese Mitteilung kam schnell und unvermittelt“, teilte der Rathauschef den sichtlich konsternierten Ausschussmitgliedern mit.

Haeseler: Ein Armutszeugnis für die Politik

Über Gründe für Heils Entscheidung wollte Fritzsch nicht spekulieren. In einer im Gegensatz zu seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag sehr sachorientierten und zielgerichteten Diskussion kam das Gremium überein, einen interfraktionellen Antrag in die Sitzung der Stadtverordneten einzubringen, der später auch einstimmig beschlossen wurde. Darin heißt es, dass „mit dem Verein Kuki unverzüglich Gespräche geführt werden sollen, die die Fortsetzung des Kinobetriebs und der Verbleib von Kuki in Schlüchtern – an welcher Örtlichkeit auch immer – zum Ziele haben“. Ebenfalls einmütig angenommen wurde ein BiSS-Antrag, der auf der Tagesordnung stand. Darin wird der Magistrat beauftragt, mit Kuki „umgehend eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen, in der die kommunale Verantwortung für das Kulturkino seinen Ausdruck findet“.

So einig sich alle Fraktionen in ihrer Bestürzung und Unterstützung für das Kuki waren, so kontrovers ging es dann aber im Plenum zu. Udo Weiß (Grüne) eröffnete die Diskussion mit dem Vorwurf an Bürgermeister Fritzsch, die Entscheidung des Eigentümers sei „allein auf die nachlässige Bearbeitung der Angelegenheit durch den Bürgermeister zurückzuführen. Er hat sich die alleinige Verhandlung vorbehalten, also hat er auch allein die Verantwortung“, stellte Weiß unter Pfui-Rufen aus der SPD-Fraktion in den Raum. Kuki-Chef Hanspeter Haeseler erfuhr erst kurz vor der Stadtverordnetensitzung „inoffiziell“ von der Hiobsbotschaft für den Kuki-Verein und „war erst mal absolut geschockt“. In einer ersten Stellungnahme meinte er, dass es nun „sehr schwer wird, das Kuki in Schlüchtern am Leben zu halten“. Er könne den Sinneswandel von Synagoge-Eigentümer Heinrich Heil „nicht nachvollziehen, da wir mit ihm ein sehr gutes nachbarschaftliches Verhältnis hatten. Er war auch der Konzeption, im Erdgeschoss eine kleine Kino-Lounge einzurichten, durchaus zugeneigt. Es ist ein Armutszeugnis für die Politik, dass sie aus so viel positiver Energie durch das Kuki und viele Menschen keine positive Zukunftsperspektive machen konnte. Das Kuki wurde langsam zerredet.“ (weitere Berichte folgen)

Von unserem Redakteur
Walter Kreuzer



Leser-Kommentare ( 9 )
  • actanonverba (17) | 3. November 2009;03.11.2009;1257232278 --> 03 November 2009
    Armes Schlüchterrn

    Die politisch Verantworlichen in unserer Stadt sind ihrem Ziel, Schlüchtern jeglicher Attraktivität zu berauben, wieder ein erhebliches Stück näher gekommen!!! Was für ein Armutszeugnis! Bald heist es in Schlüchtern nur noch: Der letzte macht das Licht aus!

  • asti (19) | 3. November 2009;03.11.2009;1257233876 --> 03 November 2009
    Typisch Planemächer

    Da wird solange rumgedrugst bis endlich eine gute Privatinitiative (von der die Stadt nicht unerheblich profitiert bei dem dürftigen Kulturangebot) gegen die Wand gefahren wurde. Und wieso kann Hr. Heil auch nach einem Verkauf der Synagoge an die Stadt eine Nutzung als Kino ausschließen... das muss mir mal einer erklären, warum ich mit meinem Eigentum nicht machen kann, was ich will...

  • actanonverba (17) | 3. November 2009;03.11.2009;1257234817 --> 03 November 2009
    actanonverba

    Die politisch Verantworlichen in unserer Stadt sind ihrem Ziel, Schlüchtern jeglicher Attraktivität zu berauben, wieder ein erhebliches Stück näher gekommen!!! Was für ein Armutszeugnis! Bald heist es in Schlüchtern nur noch: Der letzte macht das Licht aus!