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5. Oktober 2012



Schlüchterner Rektoren sehen Schüler unter Druck

Von Marcus Lotz

Schlüchtern
G8, G9 oder beides? Nach der erst kürzlich eingeführten Verkürzung der Schulzeit in Hessen sollen die Schulen ab nächstem Schuljahr wählen dürfen.

Mit dem Schuljahr 2004/05 begann in hessischen Schulen die gymnasiale Schulzeitverkürzung auf acht Jahre (G8). Kultusministerin Nicola Beer (FDP) gab Mitte September bekannt, dass hessische Schulen zukünftig selbst entscheiden können, ob sie G8, G9 oder sogar beides parallel anbieten möchten. Was halten die örtlichen Schulleiter von dieser Initiative?

„Grundsätzlich finde ich es unglücklich, dass man nach einem G8-Durchgang schon wieder alles in Frage stellt, was man vor acht Jahren beschlossen hat“, meint Roland Parthey, stellvertretender Direktor des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums in Schlüchtern (UvH). „Die Sache wird bei uns derzeit diskutiert, ich persönlich würde G9 bevorzugen. Die Schüler haben so erstens mehr Zeit, auch für Hobbys, zweitens kann man gerade in der Oberstufe bestimmte Themen, etwa in Politik, Wirtschaft oder Mathematik nur behandeln, wenn die Schüler ein gewisses Alter erreicht haben. Die Universitäten und Arbeitgeber müssen folglich bedenken, dass sie an einen G8-Schüler keinesfalls dieselben Erwartungen richten können wie an einen G9-Schüler.“

Eine Trennung in G8 und G9 schließt Parthey für das UvH aus: „Das mag für große Schulen eine Lösung sein, für unsere kommt es sicher nicht infrage. Das hätte eine Spaltung in ein Gymnasium erster und zweiter Klasse zur Folge.“

Die Kinzig-Schule Schlüchtern steht nicht vor einer solchen Wahl:  „Ich bin erst mal froh, dass mich das nicht betrifft“, gesteht Schulleiter Karsten Günder lachend. „Prinzipiell bin ich kein Gegner von G8. Ich denke schon, dass man einen Abiturjahrgang in zwölf Jahren durchbringen könnte. Das muss aber besser vorbereitet werden. Man muss sich genau fragen: Welche Kompetenzen möchten wir den Schülern vermitteln?“

Von der momentanen Situation ist Günder wenig begeistert: „Es zeigt sich ganz deutlich, dass die Schüler überfordert sind. Das sehen Sie zuerst daran, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr in die Vereine kommen. 12-13-jährige haben plötzlich keine Zeit mehr für ihr Hobby, weil sie zu viel für die Schule erledigen müssen. Wenn man bis 17 Uhr Unterricht hat, bleibt kaum Zeit für Hausaufgaben. Die Folgen sind Überbelastung, seelische Probleme und eine florierende Nachhilfelandschaft.“


Leser-Kommentare ( 1 )
  • Occupy (365) | 5. October 2012;05.10.2012;1349428248 --> 05 Oktober 2012
    Verkürzt gedacht

    Die Folgen von G8 sieht man an den Unis: Da sitzen die Hörsäle voller Leute, die keinen geraden Satz schreiben können, nicht lesegeübt sind und zunächst mal einen Deutschkurs belegen müssen, von Bildung auf breiterem Sockel mal ganz abgesehen. Dafür ist bei G8 leider 0 Zeit. Kein Wunder, dass es dann so viele resignierte Studienabbrecher gibt, auch, wiel man sie ebenso hastig zum Bachelor-Abschluss peitscht.