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6. September 2012



Schulleiterin sorgt sich im Fall der Schulschließung in Marjoß

Von Andreas Ungermann

Jossa
Schulverbund oder Verbundschule? Wie weit sind die Schulen der Region in der Kooperation schon und was ist noch zu tun? Das waren die zentralen Fragen während des letzten Mediationstermins am Dienstagabend in Jossa.

Die „institutionalisierte Kooperation der Grundschulen“, das ist einer der beiden strittigen Punkte. „Wir sehen ganz viele Dinge so wie Sie“, kommentiert die Leiterin der Hans-Elm-Schule in Altengronau, Susanne Glück, die Ausführungen des von Mediator Eberhardt Luft bestellten Experten für die pädagogischen Aspekte, Dr. Karlheinz Burk.
Der frühere Leiter des Referates „Curriculare, pädagogische und strukturelle Entwicklung der Primarstufe“ im Hessischen Kultusministerium ist  überzeugt, dass kleine Grundschulen ihre Eigenständigkeit nur behalten könnten, wenn sie sich eben auf eine „institutionalisierte Kooperation“ innerhalb einer Region einließen. Burk meint damit einen Verbund, an dem sowohl kleinere als auch größere Grundschulen beteiligt sind, von denen eine als leitende Einrichtung fungiert. Und das sei heute aktueller denn je. Die Begründung des Pädagogen: „Die Leitidee der selbstständigen Schule und der höheren Eigenständigkeit birgt eine Fülle großer Aufgaben wie etwa die Erstellung eines Schulprogramms oder die Verwaltung samt Personal und Budget. Von einer kleinen Grundschule ist das nicht zu bewältigen.“

„Wir hatten bislang noch nicht viel Zeit – gerade einmal ein Jahr. Und wir stolpern noch vor uns hin wie ein Säugling. Aber wir versuchen, die engen Grenzen auszuloten“, sagt Glück, die damit rechnet, dass es noch drei bis fünf Jahre dauern könnte, bis der Schulverbund funktioniere. Und um genau die Zeit bittet die Schulleiterin auch.
Darüber wird gestritten
Ist der Übergang  ins Gymnasium ein Qualitätskriterium für die Arbeit einer Grundschule?
„Nein!“ meinen die SPD-Bürgermeister Carsten Ullrich (Sinntal) und Walter Strauch (Steinau). Die Rechnung berücksichtige nicht diejenigen Schüler, die zunächst – möglicherweise wegen der räumlichen Nähe – die Realschule besuchten und danach in die gymnasiale Oberstufe wechselten, sagt Ullrich. Schulleiterin Susanne Glück ergänzt: „Wir fangen in der Jahrgangsstufe 5 mit relativ kleinen Klassen an. In der Jahrgangsstufe 9 haben wir aber relativ große Klassen. Und daran ist nicht etwa ein Zuzug nach Sinntal schuld.“
Strauch sieht in der ländlichen Struktur zudem nicht die Notwendigkeit, dass jeder Schüler das Abitur ablegen müsse: „Die meisten Handwerksbetriebe suchen gar nicht den Abiturienten. Es gibt genug Beispiele, dass Auszubildende hier erfolgreich ihren Meister oder Techniker, sich anschließend selbstständig gemacht und so Arbeitsplätze geschaffen haben.“
Mediator Eberhardt Luft hatte zu bedenken gegeben, dass im Bereich Hanau 25 Prozent der Grundschüler an ein Gymnasium wechselten. Im Bergwinkel liege diese Übergangsquote hingegen nur bei 9 bis 11 Prozent. / au
Ein erster Schritt sei die Bewerbung von Heike Klotz auf die Konrektorenstelle in Altengronau gewesen. Klotz, die in dieser Position nun für die Grundschulen in Altengronau, Marjoß und bis zu deren Auflösung im kommenden Jahr auch für die Schule in Jossa zuständig ist, spricht von einer Struktur, in die weitere Grundschulen eingebunden werden könnten. Während des einen Jahres der Kooperation habe sie festgestellt, dass es gut sei, die Vielfalt zu nutzen, die der Schulverbund mit sich bringe. Als Beispiel nennt sie die Lehrerversorgung. Immerhin seien bis auf eine Lehrkraft alle an die Hans-Elm-Schule angebunden.

Und um die Zuweisung  eben jener  Lehrkräfte bangt Schulleiterin Glück im Falle der Schließung der Grundschule Marjoß. An einer Tafel verdeutlicht sie ihre Auffassung, dass durch die Aufhebung die Versorgung mit Lehrern in Sinntal durch das Kultusministerium reduziert werde. Zach kappe mit dem Schulentwicklungsplan Verbindungen und löse somit Strukturen auf, die letztlich die Einsparung von Lehrerstellen zur Folge hätten. Glück rechtfertigt ihre Rechnung damit, dass das Ministerium die Klassenbildung als Kriterium für die Lehrerzuweisung heranziehe. „Die Aussage, wenn die Schüler aus Marjoß an die Hans-Elm-Schule kommen, bleiben die Lehrer auch dort, stimmt ja nicht“, sagt Glück, die davon überzeugt ist, dass durch Klassenteilungen und die davon abhängenden Lehrerzuweisungen Stellen wegfielen. Wie Steinaus Bürgermeister Walter Strauch (SPD), Kindergartenleiterin Elisabeth Weigand und Elternvertreterin Birgit Bohnert möchte sie nicht, dass der Verbund Altengronau-Marjoß aufgelöst wird.

Dem zum Thema Dorfentwicklung bestellten Experten Ulrich Pohl geht das nicht weit genug. Er spricht von einer Verbundschule statt von einem Schulverbund. In dem müssten alle Schulen der Region Sinntal, möglicherweise auch darüber hinaus, sowie  weiterführende Schulen zusammengefasst werden. Strauch entgegnet dem: „Das ist doch nur ein anderes Wort für das, was wir ohnehin schon in Marjoß praktizieren.“


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