Steinmetzgeselle Alexander Trunk geht auf Wanderschaft
Von Brigitte Betz
Altengronau
Der Steinmetzgeselle Alexander Trunk begibt sich für drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft. Der 19-Jährige aus Altengronau folgt damit einer alten Handwerker-Tradition.
Alexander Trunk hat seinem Heimatdorf Altengronau am Wochenende den Rücken gekehrt. Der 19-Jährige hat Freunde und Familie hinter sich gelassen – für drei Jahre und einen Tag. In dieser Zeit darf er sich dem Ort nur auf 50 Kilometer nähern. So schreibt es die Vereinigung vor, der sich der Steinmetzgeselle angeschlossen hat: Die „Gesellschaft der rechtschaffenen fremden und einheimischen Maurer- und Steinhauergesellen“ ist die älteste und zugleich wohl kleinste Wandergesellenvereinigung mit einer Reisendenpopulation von etwa 20 bis 30 Gesellen.
Der 19-Jährige folgt als „organisiert reisender Geselle“ einer jahrhundertealten Tradition. Viele überlieferte Rituale sind bis heute gültig und werden von den Gesellen auf Wanderschaft gepflegt. Bestandene Gesellenprüfung, Lebensalter unter 30 Jahre, schuldenfrei, ledig und kinderlos – die Voraussetzungen für die Wanderschaft erfüllt Trunk, der seine Lehre bei Frank Kratzenberger in Neuengronau und Steinau absolvierte und sein Gesellenstück bei Steinmetz Hartmuth Scheler in Bad Orb anfertigte. Im Juli legte er die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer in Mainz ab.
Nun möchte er etwas von der Welt sehen. „Ich will Menschen, Städte und auch andere Länder kennenlernen und dort berufliche Erfahrungen sammeln“, formuliert der 19-Jährige die Gründe für seinen Aufbruch. Außerdem sei es faszinierend, eine so alte Tradition fortzuführen. „Jetzt geht es los, ab in die Ferne, ich freu mich drauf“, erklärt der Steinmetz stolz und erwartungsvoll. Das Bündel (Charlottenburger Bündel), bestehend aus der Stangenkluft zum Arbeiten, Arbeitsschuhen, Wollpullover, Wäsche und Zahnbürste stand da bereits fertig gepackt in der Ecke.
Seit gestern ist er nun unterwegs. Mit der maßgeschneiderten beigen Ausgehkluft, Melone und dem Stenz (Stock) – ohne Handy oder Computer.
Ausgangspunkt seiner Wanderschaft ist Bad Kissingen. Dort führt Steinmetz Dieter Göbel eine Herberge für Wandergesellen und kümmert sich auch um deren Vorbereitung. Von dort wandert Trunk, ausgestattet mit Lieder- und Wanderbuch, los. Auf den Weg gebracht wird der Altengronauer von Felix Bechtel.
Üblicherweise im Doppelpack unterwegs
Der Wandergeselle ist seit eineinhalb Jahren unterwegs und wird ihn in der ersten Zeit begleiten. Wenn alles passt, werden sie vielleicht auch zusammen weitergehen, denn üblicherweise sind die Gesellen im Doppelpack unterwegs.
Die erste Station der beiden wird die Berufschule für Steinmetze in Mainz sein. Dort hat Trunk auf der Schulbank gesessen, dort möchte er für die Möglichkeit des Wanderns werben. Danach wandern beide in die Schweiz, weitere Wunschziele sind Österreich, Frankreich, England, Schottland, Skandinavien und die USA. Einen festen Plan gibt es jedoch nicht, die Arbeitsmöglichkeiten und -bedingungen, sowie das verdiente Geld bestimmen den Weg.
„Ich möchte einen Teil meines Lohns sparen, um nach den Wanderjahren meinen Meister zu machen“, berichtet der Steinmetz von seinen Zukunftsplänen.
Doch erstmal standen nun am Wochenende Abschied und Aufbruch an. Die familiäre Abschiedsfeier liegt hinter Alexander Trunk, am Freitagabend bekam er in der Christi-Himmelfahrt-Kirche in Altengronau von Pfarrer Wolfgang Bromme in einem kurzen Gottesdienst den Segen für die Wanderjahre. Auf die Frage, ob die Wanderschaft wirklich das Richtige für ihn sei, nickt der Steinmetz, ohne zu zögern. Momentan überwiegen sein fester Wille und die große Vorfreude. Auf die Unterstützung seiner Familie kann er sich verlassen.
„Meine Eltern stehen voll hinter mir, obwohl sie erstmal natürlich auch Bedenken hatten“, erklärt der 19-Jährige. Nur sein Bruder Simon (10) findet es derzeit noch gar nicht gut, dass er so lange auf seinen Lieblingsbruder verzichten muss. Aber andererseits ist er natürlich auch ein bisschen stolz.
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