Strauch will mit Stadtverordneten gegen Schulschließungen kämpfen
Von Sabine Schuchardt
Steinau
Die Steinauer Stadtverordneten geben sich kämpferisch: Sie wollen alle Hebel in Bewegung setzen, um die geplante Schließung der Grundschulen in Marjoß und Hintersteinau abzuwenden. Damit wollen sie auch etwas tun, um ihre Heimat für junge Familien attraktiv zu erhalten.
Die Fraktionen im Steinauer Stadtparlament waren sich einig: Die im Entwurf des Schulentwicklungsplans für 2011 bis 2016 vorgesehene Schließung der Grundschulen in Marjoß und Hintersteinau wollen sie nicht kampflos hinnehmen. Bürgermeister Walter Strauch (SPD) ging noch einmal darauf ein, wie er von den für ihn völlig überraschenden Schließungsplänen erfahren habe.
Beim Schulgipfel im Sinntal sei zunächst von Marjoß die Rede gewesen, von Hintersteinau jedoch noch nicht. Kreisbeigeordneter Matthias Zach (Grüne) habe deutlich gemacht, dass bei einem künftigen Mangel an Schülern in Altengronau die Kinder aus Marjoß dorthin umgeleitet werden sollen. „Wenn Marjoß dichtgemacht wird, sorge ich dafür, dass die Marjosser Schüler nach Steinau kommen“, kündigte Strauch Widerstand an. In Marjoß und Hintersteinau gebe es auch nach 2017 noch genügend Schüler. Er sehe nicht ein, dass die Steinauer Kinder Fehlplanungen im Sinntal ausbaden müssten. Damit bezog er sich auf den einen Million Euro teuren Schulneubau in Mottgers, wo nach 2017 wohl nur noch einklassig unterrichtet werden könne. Weil das Argument der zu geringen Schülerzahlen in der Zukunft auf Marjoß und Hintersteinau nicht angewendet werden könne, habe der Kreis das Argument der Kosten genannt. Gleichzeitig sei der Stadt angeboten worden, die Trägerschaft zu übernehmen.
Dafür könne dann die Schulumlage gesenkt werden. „Der Kreis würde dabei aber nichts sparen“, betonte Strauch. Das Argument gebe also auch nichts her. Dann sei angeführt worden, dass die pädagogische Betreuung an kleinen Schulen nicht ausreichend sei. „Dieses Urteil steht dem Kreis aber nicht zu“, sagte der Bürgermeister. Es sei lediglich dessen Aufgabe, sich um die räumliche Ausstattung zu kümmern. „Warum sollen wir etwas ändern, mit dem wir zufrieden sind?“, zitierte Strauch die Worte einer Mutter und kündigte an: „Wir werden uns vehement wehren.“ Strauch deutete auch an, dass ein gewisser Druck auf ihn ausgeübt worden sei, nannte aber keine Namen. „Der Bürgermeister sollte auf Linie gebracht werden. Ich habe mich aber nicht auf Linie bringen lassen“, sagte der Rathauschef.
„Kahlschlag im Bergwinkel“
Auch wenn die Fraktionen das Mediationsverfahren begrüßten, so habe er den Eindruck, dass die Kreisspitze sich bereits festgelegt habe, merkte CDU-Fraktionsvorsitzender Tobias Betz an. „Der Landrat hat alles so unterschrieben, wie Zach das vorgelegt hat“, sagte er. Sein Vorschlag: Die hiesigen Kreistagsabgeordneten über die Parteigrenzen hinweg mobilisieren, damit diese gegen die Schulschließungen im Bergwinkel stimmen. „Die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag sind sehr knapp“, sagte Betz. Er könne sich gut vorstellen, dass es dann erst gar nicht zur Abstimmung komme, wenn eine Niederlage drohe.
UBL-Chef Ewald Mattheis meinte, gerade in den kleinen Schulen sei es noch möglich, die sozialen Kompetenzen der Kinder richtig zu fördern. Sabine Hahn (SPD) erklärte, dass mit der Grundschulschließung dem demografischen Wandel Vorschub geleistet werde. Zudem werde dann wieder Leerstand produziert. Die SPD habe sich dem Erhalt der Zwergenschulen verschrieben. Deren Vorsitzender Alexander Link erklärte: „Im Bergwinkel wird damit angefangen, Kahlschlag zu betreiben.“ Und das Rhein-Main-Gebiet profitiere davon, denn Familien würden sich dann dort ansiedeln, wo ihnen mehr geboten werde. „Schulschließungen nicht ohne Not“, forderte Link, der auch Ortsvorsteher in Hintersteinau ist. Er zeigte sich, ebenso wie Betz, sehr erfreut darüber, dass der Zusammenhalt in dieser Frage auch über die Parteigrenzen hinweg so gut sei. „Das macht uns stark“, sagte Link.
Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden








