Uta Eschke hat Stammzellen gespendet und hofft auf viele Nachahmer
Von Uta Eschke
Rebsdorf/ Frankfurt
Uta Eschke (32) hat in Frankfurt Stammzellen gespendet. Vor einigen Tagen hatte sie unserer Zeitung die Gründe hierfür erläutert und erzählt nun, wie die Prozedur verlaufen ist.
Auf dem Weg nach Frankfurt denke ich die meiste Zeit an den Patienten, noch ist er absolut anonym. Ich denke darüber nach, ob meine Stammzellen in Deutschland bleiben oder ob sie mit einem Kurier zum Flughafen gebracht werden, denn die Deutsche Knochenmark Spenderdatei (DKMS) vermittelt weltweit. Mein Gefühl sagt mir, dass meine Stammzellen den Weg zum Flughafen nehmen.
Im Rot-Kreuz-Zentrum in Frankfurt muss ich einen Fragebogen zu meinem Gesundheitszustand ausfüllen. Dann noch ein kurzer Check bei der Ärztin. Jetzt steigt die Nervosität wieder. Ich werde in einen Raum mit vier Betten gebracht. Mir wird ein Bett zugewiesen, denn die Maschinen sind auf die jeweiligen Spender eingestellt und auf den individuellen Bedarf des Patienten an Stammzellen. Die Schwester setzt mir die Nadel in den Arm, aus der das Blut direkt in die Maschine, den Zellseparator, laufen wird. Eigentlich mag ich Nadeln überhaupt nicht – aber diese Situation beflügelt mich und lässt mich darüber hinweg sehen.
In den anderen Arm wird auch eine Nadel gesetzt, in den das Blut ohne die Stammzellen zurückgeführt wird. Die Stammzellen-Spende ist eine ganz emotionale Zeit, in der mir mein Patient ganz nah ist. Ich denke fast an nichts anderes und hoffe ganz innig, dass diese Zellen dem Patienten das Leben zurückbringen werden. Um mich herum sind ganz viele nette Menschen, die alles für mein Wohlergehen tun, jede Frage wird mir genau beantwortet.
Viele nette Menschen
Die Maschinen, an die ich angeschlossen bin, zeigen meinen aktuellen Zustand an, es ist alles in bester Ordnung. Der Zellseparator neben mir rüttelt ab und an und hört sich manchmal wie eine Waschmaschine beim Schleudern an und das tut diese Maschine auch: Sie trennt die Stammzellen aus dem Blut. Ich merke davon rein gar nichts und fühle mich, wie auf dem heimischen Sofa. Mit den anderen Spendern könnte ich mir eine DVD ansehen. Die Stimmung ist positiv und wir fühlen uns, als würden wir uns schon länger kennen.
Immer wieder wird getestet, wie viele Stammzellen mein Blut hergibt und irgendwann kommt die Ärztin und sagt: „Wir können die Zeit etwas verkürzen, denn Sie tragen eine wahre Stammzellen-Bombe in sich.“ Nach dreieinhalb Stunden werde ich von den Maschinen getrennt und es geht mir echt gut.
Patientin lebt in Polen
Nun heißt es warten, denn die Stammzellen werden noch einmal maschinell gezählt. Die Ärztin überreicht mir zum Dank ein Buch mit Erfahrungsberichten von Spendern und Empfängern. Und: Meine Stammzellen reichen aus – ich muss nicht noch einmal kommen. Nach etwa zwei Stunden klingelt mein Handy: Es ist die DKMS, die mir Informationen zu meinem Patienten geben darf: Die Stimme fragt: „Und was glauben Sie, wohin Ihre Stammzellen gehen werden?“ Ich sage, dass ich glaube, dass sie Deutschland verlassen und die Stimme am Telefon sagt: „Richtig, sie gehen nach Polen. Dort wartet ganz dringend eine Patientin auf die Transplantation.“
Dieser Moment ist überwältigend: Die Tränen laufen und ich habe Gänsehaut am ganzen Körper. Ich wünsche dieser Patientin alles Glück der Erde und dass sie diesen Kampf um ihr Leben gewinnen wird. Ich hoffe, dass viele Leute für dieses Thema sensibilisiert werden und sich auch typisieren lassen. Denn wer weiß, vielleicht wartet ihr genetischer Zwilling ganz dringend auf Hilfe?
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