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17. Oktober 2012



Vertrauen der Kunden als Trumpfkarte für Bäckereien

Von Carsten Schumacher

Region
Bundesweit haben Bäckereibetriebe mit steigenden Kosten und harte Preiskonkurrenz zu kämpfen. Vor allem die Discounter sind hierfür verantwortlich. Selbst mancher Traditionsbetrieb hat schon schließen müssen. Im Bergwinkel ist allerdings von einer Krise nicht die Rede.

Die Bäckerei Heil in Ulmbach ist seit über 60 Jahren ein Familienbetrieb. „Klar stellen die steigenden Preise ein Problem dar und müssen irgendwann auf die Kunden abgewälzt werden. Wie diese dann reagieren, ist eine andere Sache“, meint Bäckermeister Eduard Heil. „Jeder hat zu kämpfen“, sagt Heil. Trotzdem beschäftigt er neben noch einen Auszubildenden, mehrere Gesellen und auch einen Meister. Zudem ist der Lehrling das Patenkind des 59-Jährigen – was die Frage nach dem Fortbestand des Familienbetriebs erübrigt. Kleinere Bäckereien wie zum Beispiel in Bad Soden-Salmünster setzen auf Stammkundschaft. Zwar kann sich nicht mehr jeder Betrieb einen oder mehrere Gesellen leisten, dennoch brechen Verkaufs- und Umsatzzahlen nicht wie andernorts ein.

In Panik verfallen die Inhaber hiesiger Betriebe nicht. Das meint auch Klaus Zeller, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern. „Schlagzeilen, wonach angeblich das ganze Bundesgebiet betroffen ist, stimmen für einen Großteil des Main-Kinzig-Kreises nicht“, versichert Zeller. „In einer ländlicheren Gegend kennen die Bewohner ihren Bäcker schon seit Jahrzehnten, wissen um seine Qualität und bleiben ihm deshalb treu. Ich persönlich esse lieber ein Brötchen aus der Bäckerei meines Vertrauens als von irgendeinem Discounter“, fügt er hinzu.

Auch Jürgen Fink hat keine Zukunftssorgen. Mit Verkaufsstellen unter anderem in Schlüchtern und Steinau überzeugt die Familie aus der Grimmstadt schon seit Jahrhunderten mit ihren Backwaren. Immer wieder loben die Kunden den Service und die Qualität. Neben sieben Gesellen in der Backstube werden derzeit noch drei Auszubildende in der Produktion und einen im Verkauf beschäftigt. „Von den Backstationen, die in der Umgebung immer wieder aufmachen, muss man sich einfach abheben“, betont Fink. „Qualität statt Quantität“ lautet deshalb sein Credo.

Oliver Mack, Meister der Bäckerei Freund in Sterbfritz, muss sich ebenfalls mit steigenden Kosten abfinden. Die von seinem Vater übernommene Bäckerei stecke deswegen aber noch lang nicht in einer Krise. Mit ihm arbeiten zwei Gesellen in der Backstube. Marktforschungsstudien belegen, dass sich die Deutschen nicht vom Brot abgewandt haben, selbst wenn sich ihr Lebensstil geändert hat. Aber eine Sorge bleibt: „Die Frage des Generationenübergangs stellt ein Problem dar.

Das Bäckerhandwerk wird für viele Jugendliche durch unflexible und frühe Arbeitszeiten immer unattraktiver. Die Lehrlingszahlen sind rückläufig, weswegen man in fünf bis zehn Jahren mit Schließungen aus diesen Gründen rechnen kann“, merkt Klaus Zeller. Und: „Auch ältere Meister, denen ein Nachfolger fehlt, die aber zum Beispiel in einen neuen Ofen investieren müssen, könnten sich so gegen eine Neuanschaffung und für die Schließung entscheiden.“


Leser-Kommentare ( 1 )
  • SSW (134) | 17. October 2012;17.10.2012;1350463033 --> 17 Oktober 2012
    Die lieben Back-Waren-Unternehmer - zahlen die schlechtesten Löhne !!!

    Gute Ware alleine genügt nicht sondern um als Anbieter markt- und konkurrenzfähig sein zu können, gehört auch kaufmännisches Denken. Das sollte aber jeder der irgendetwas verkauft mitbringen, weil die Konkurrenz schläft nicht. Ich verstehe das Gejammere nicht, weil wer nicht flexibel ist ist auch nicht konkurrenzfähig. Angebot, Nachfrage und Mitbewerbersituation bestimmen den Markt und wer dem nicht gewachsen ist oder kein Konzept hat, der hat in der Geschäftswelt schlechte Karten.