Vizelandrat André Kavai über den Parteinachwuchs und seine Ziele
Von Yvonne Backhaus und Frank Walzer
Main-Kinzig
Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. André Kavai (35, SPD) spricht im Interview mit Frank Walzer und Yvonne Backhaus über junge Politiker und seine politischen Ziele.
Als 16-jähriger Schüler fand Kavai 1993 zur Sozialdemokratie. Der Erste Beigeordnete verteilt nun seinerseits Schulnoten. Die Kreiskoalition erhält eine „solide Note zwei“ („Die Eins wäre Ausdruck von zu viel Selbstzufriedenheit“) und die Kreis-CDU nach all den heftigen Gefechten und Angriffen der letzten Monate eine vorläufige „vier minus“ („Nicht immer nur draufhauen um des Draufhauens willen“).
Wer war Ihr Vorbild, um selbst in die Politik zu gehen?
Mir fällt auf, dass die meisten Politiker auf diese Frage immer Helmut Schmidt nennen. Das finde ich bemerkenswert. Ich hatte letztes Jahr die Gelegenheit, Schmidt in Berlin erleben zu dürfen, als er über die Zukunft von Europa gesprochen hat. Das war wahrlich Weltklasse. Ein sehr beeindruckender Staatsmann. Ich bin aber 1993 in die SPD eingetreten, nachdem ich zwei Jahre in der Schülervertretung gearbeitet habe. Das ist ja auch ein klassischer Weg, wie man in die Politik findet. Ich war damals relativ junger Realschulsprecher. Ein richtiges Vorbild in der SPD hatte ich aber eigentlich nicht.
Sie waren also damals nicht von einer Person fasziniert?
Nein. Normalerweise ist es ja bei den SPD-Mitgliedern so, dass sie links unten anfangen und rechts oben enden. Das war bei mir nicht der Fall. Ich war schon bei den Jusos eigentlich eher konservativ und pragmatischer. Ich hatte nie ein Faible für Theoriedebatten und habe auch im Studium Marx eher ungern gelesen.
Gab es ein Projekt, für das sie sich zu Beginn besonders begeistern konnten?
Ja, das war so. Nach der Arbeit in der Schülervertretung haben wir in Erlensee zu viert eine Juso-AG gegründet. Damals hatten wir mal um einen Termin bei Bürgermeister Manfred Heller gebeten. Da ging es um einen Basketballplatz an der Georg-Büchner-Schule. Damit kam der Stein ins Rollen.
Das war gleich ein Erfolgserlebnis?
Ja. Und ich muss auch sagen, dass wir da gut unterstützt worden sind. Das habe ich als sehr wohltuend empfunden. Heute mache ich das genauso. Wenn junge Leute kommen und sich engagieren wollen, dann lädt man sie gleich ein. Das war damals so. Er hat uns eingeladen, uns einen Kaffee angeboten und uns einfach ernst genommen. Wenn mich heute Schüler kontaktieren, etwas wissen wollen oder eine Arbeit schreiben müssen, dann hat das bei mir Priorität. Da nehme ich mir die Zeit, weil ich weiß, dass das wichtig ist.
Kommen denn mehr junge Leute?
Da habe ich keine Unterschiede wahrgenommen. Aber interessant ist doch, dass Kommunalpolitik einen viel geringeren Stellenwert hat als Bundespolitik, die medial eine große Rolle spielt. Das nehme ich schon wahr.
Ist die „politische Jugend“ unterrepräsentiert?
Wenn man sich die Parlamente anschaut, ist das so. Die „Jungen“ sind dort schon die über 40-Jährigen. Für einen Jugendlichen ist man aber mit 38 Jahren bereits ein „alter Opa“.
Wieso ist das so?
Das hängt sicher mit den Biografien und den Strukturen zusammen. Ein Mensch Anfang 20 orientiert sich gerade beruflich. Wenn er studiert, zieht er womöglich weg. Wenn er die Ausbildung fertig hat, bewirbt er sich vielleicht woanders. Und dreimal die Woche Fraktionssitzung, Ausschüsse und noch eine Parlamentssitzung – damit begeistert man junge Leute nicht für Kommunalpolitik.
Was muss ein Landrat mitbringen?
Er muss vor Ort sein. Es muss einer sein, der für die Region „brennt“, er muss das Amt mit Leib und Seele ausfüllen. Das ist kein Amt, das man nebenbei machen kann. Das kann keiner von außen machen. Diese tiefe Verwurzelung in der Region, die Kenntnis über die Leute und deren Probleme, das ist unheimlich wichtig dabei. Es muss jemand sein, der wirklich Ideen hat. Es muss ein Anpacker sein angesichts der Herausforderungen, die in den kommenden Jahren warten.
Klingt so, als ob Sie sich das zutrauen ...
(lacht) Jetzt wollten Sie diese Frage umschiffen und steuern doch direkt darauf zu. Also: Das ist eine Frage, die zum jetzigen Zeitpunkt nicht ansteht.
Und wie sieht es mit der Urlaubsfrage aus?
Die stellt sich für mich im Moment auch nicht. Ich bin im Juli und im August komplett hier. Meine beiden Kollegen Erich Pipa und Matthias Zach sind just in ihrem Sommerurlaub, deswegen mache ich für beide gerade die Vertretung. Ich habe dann im September Urlaub. Für diesen ist allerdings im Moment noch nichts geplant.
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