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12. Februar 2011



Wandergesellen machen gerne in Steinau Station

Steinau
Seit 2010 gibt es in Steinau eine Herberge, in der Wandergesellen, die auf der Walz sind, freie Kost und Logis haben. Etliche waren schon da und einige von ihnen trafen sich nun wieder im Burgmannenhaus.

Unter den Wandergesellen, die sich im Burgmannenhaus trafen, waren auch Steinmetz Roman (20) aus dem Allgäu, Holzbildhauerin Kathrein (21) aus der Lutherstadt Wittenberg, Zimmerin Vivian (29) aus der Nähe von Hamburg und Steinmetzin Anke (29) aus dem Münsterland. Sie trafen sich in Steinau, um ein paar nette Tage zu verbringen.

Schätzungsweise sind 500 Gesellen in Deutschland auf der Walz. Nur zehn Prozent davon sind Frauen. Abenteuerlust und das Bestreben, sich im Gewerk weiter zu bilden, sind die Gründe für die „Tippelei“. Mobile Kommunikationsgeräte wie Handys dürfen nicht mitgenommen werden. Und so befindet sich im Bündel, das man Charlottenburger oder kurz „Charly“ nennt, Arbeitskleidung und Werkzeug. „So viel wie nötig und so wenig wie möglich“, erklärt Kathrein.

Wer auf die Walz gehen will, muss einen Gesellenbrief haben, unverheiratet sein, keine Kinder haben und höchstens 30 Jahre alt sei. Es reicht aber nicht, sich eine Kluft anzuziehen und loszumarschieren. Man muss sich einen Altgesellen suchen, der selbst auf der Walz war, der den Gesellen „losbringt“ und je nachdem einige Wochen oder auch Monate mitwandert. Was zur Tradition gehört, wird mündlich weitergegeben.

Die Wanderschaft dauert drei Jahre und einen Tag. In dieser Zeit darf der Geselle sich seinem Heimatort auf 50 Kilometer nicht nähern. Wer länger auf Wanderschaft gehen will, dem sind keine zeitlichen Grenzen gesetzt. Maximal drei Monate dürfen die Gesellen an einem Ort bleiben.

Drei Monate an einem Ort

Auf die Wanderschaft dürfen all jene Handwerker in Berufsbereichen gehen, die die Reisetradition in den letzten 800 Jahren nachweisen können. Die Berufszugehörigkeit ist an den Farben der Kleidung ablesbar. Schwarz steht für die Holzgewerke, Beige für Sedimentgewerke, Blau für Metall und Rot für farbgebende Berufe. „Das Wichtigste ist, dass man sich so verhält, dass der nächste Geselle auch willkommen ist“, betont Vivian. Die Gesellen arbeiten zum Tariflohn. Ab und an beteiligen sie sich auch an „Sozialprojekten“. Das ist ihre Art, danke zu sagen dafür, dass sie überall so offen aufgenommen werden.

Jeder Wandergeselle trägt einen Ohrring, für den das Loch mit einem Nagel eingeschlagen wird. Das Wort „Schlitzohr“ hat seinen Ursprung in der Tradition der Wandergesellen. Denn ließ sich einer was zu schulden kommen, wurde ihm der Ohrring herausgerissen. Daran erkannte man einen Unehrenhaften. Die vier Gesellen sind mittlerweile weitergezogen. Da gilt es „Fixe Tippelei“ zu wünschen. Bis zum nächsten Besuch in Steinau.

Von unserer Mitarbeiterin
Margit Strott-Heinrich



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