„Sushi in Suhl“: Hessische Premiere im CineStar
Von Sabine Burkhardt
Fulda
Wenn ein Mensch seinen Traum verwirklicht, ist das immer etwas Besonderes. Geschieht das aber in der DDR der 70er Jahre mit Sushi und Sojasoße, ist das Stoff für einen aberwitzigen und dennoch emotionalen Kinofilm mit leicht bitterem Nachgeschmack.
Am Samstag feierte der Streifen hessische Premiere im Cinestar Fulda. Der Film beginnt wie ein Märchen: „Es war einmal ein Land, das lag hinter Mauern und Türmen versteckt…“. Doch Regisseur Carsten Fiebeler erzählt in seiner Komödie die wahre Geschichte von Rolf Anschütz, der in Suhl das erste und auch einzige DDR-Sushi-Restaurant führte. Es galt sogar als das beste japanische Restaurant außerhalb Japans – und das mitten in der von Mangelwirtschaft geplagten DDR.
„Aus Nichts was machen“, lautet die Devise des Provinz-Kochs, der getreu seinem kulinarischen Traum den Gästen lieber Glasnudeln statt Klößen, und Sushi statt Würzfleisch serviert. Regisseur Fiebelers Anliegen war es dabei vor allem, Anschütz wie die meisten DDR-Bürger zu zeigen: als Meister der Improvisation. Sushi-Rollen werden dann mit Spinat gewickelt, und Eierbecher gefüllt mit ungarischem Tokajer und Korn ersetzen japanischen Sake. Dabei ist das Werk trotz vieler Ostalgie-Elemente kein typischer „Ostfilm“. Das wäre auch gar nicht Fiebeler Absicht gewesen: „Es ist eine universelle Geschichte. Es geht um den Typus Menschen, der für seinen Traum kämpft, aber auch dafür leidvoll bezahlen muss“, sagt der Regisseur.
Rückwirkende Anklagen der untergegangenen Diktatur spielt in der liebevoll-nostalgischen Komödie kaum eine Rolle, im Gegenteil: die Szenen mit den Vertretern der staatlichen Handelsorganisation wirken so drollig-skurril, dass die Systemkritik im Sande verläuft. Anschütz und sein exotisches Restaurant im Arbeiter- und Bauernstaat werden zwar behindert, wegen Devisen und dem Ausbau bilateraler Diplomatie zu Japan, aber nie wirklich bedroht. Er wird sogar noch unterstützt, bald rollen Lastwagen von West nach Ost, um original japanische Zutaten in seinen Gasthof „Waffenschmied“ zu bringen.
Prominenz aus Politik und Kultur speisten in Südthüringen, knapp 2 Millionen Gäste haben sich Sushi in Suhl schmecken lassen. Um einen Tisch zu bekommen, musste man jedoch fast so lange warten wie auf einen Trabi. Anschütz erhält mit seiner für die damalige DDR nicht ungefährlichen Idee Anerkennung bei Parteispitze und den Japanern. Fiebeler zeigt aber auch Schattenseiten des Erfolgs, denn Familie und Freunde wenden sich von ihm ab, Anschütz kocht für den Weltfrieden, doch der Hausfrieden interessiert ihn nicht mehr.
Produzent Carl Schmitt kam per Zufall die Idee zum Film: ein TV-Bericht über Suhl, in dem das japanische Restaurant kurz erwähnt wurde, machte ihn neugierig. Die Recherchen begannen im Jahr 2004 und nach einigen Treffen mit Rolf Anschütz, der im Jahr 2008 starb, war klar: Das wird keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm. Wegen des begrenzten Budgets war der Film in nur dreißig Drehtagen im Kasten, manches Mal musste das Filmteam dabei genauso improvisieren wie ihr Protagonist Anschütz.
Darsteller Michael Kind, ebenfalls im Cinestar zu Gast, fackelte nicht lange, als das Angebot für die Rolle des HO-Bezirksdirektors kam. „Da musste ich dabei sein. Wir kennen ja unsere DDR-Geschichte mit dem vielen Unrecht. Dies ist aber ein Film, der von den einfachen Menschen erzählt, von ihren Sehnsüchten und wie jeder versuchte, seine Nische zu finden“, erzählt der in Halle aufgewachsene Schauspieler.
Ebenso aus Halle stammen zwei Cinestar-Zuschauer, denen der Film sehr gut gefallen hat: „Der Film ist absolut ehrlich. Es gab viel zu lachen und sehr oft haben wir uns selbst wiedergefunden.“, sagen die beiden nach der Vorführung.
Sushi in Suhl ist noch bis diesen Mittwoch täglich im CineStar zu sehen.
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