Fulda +11°/+6°C
> >     
Social Plugins können Daten übertragen (siehe Datenschutzbestimmungen)
8. Juni 2012



Abschluss von „Literatur im Stadtschloss“ mit Jan Brandt

Von Anke Zimmer

Fulda
Mit dem 1974 geborenen Jan Brandt endete der diesjährige Veranstaltungs-Reigen, der wegen Renovierungsarbeiten im Fürstensaal in der Kapelle des Vonderau Museums stattfand.

Er gehört zu den jüngeren Schriftstellern der renommierten Fuldaer Reihe „Literatur im Stadtschloss“, sein Roman „Gegen die Welt“ mit seinen über 900 Seiten zu einem der umfangreichsten, und seine Lesung mit dezenter Performance war eine der launigsten.

Was die Queen kann, das beherrscht ein Ostfriese im Schlaf: ein Diamantenes Jubiläum begehen. Jan Brandt feierte am Dienstagabend seine 60. Lesung. Das allen Spielarten von Literatur gegenüber aufgeschlossene osthessische Publikum feiert mit und hatte seine Freude daran, dass eine verspiegelte Sonnenbrille und norddeutsch-herbes Bier zum Einsatz kamen. Nicht, weil das Licht beim Finale der diesjährigen „Literatur im Stadtschloss“-Runde (die heuer übrigens insgesamt 1050 Zuhörer fand) gleißend gewesen wäre und Brandt andere Getränke ablehnen würde, sondern weil beide „Requisiten“ Rollen in dem Debütroman des in Leer geborenen Autors spielen, wenn auch keine allzu gewichtigen.

Wolfgang Hamberger, der Initiator der Lesereihe, hatte in seiner Begrüßung und nach seinem Dank an die Sponsoren – die Sparkasse Fulda und das Verlagshaus Parzeller – einen aufregenden Abschluss versprochen und damit nicht zu hoch gepokert. Denn Brandt präsentierte seinen umfangreichen und nicht nur wegen der ungewöhnlichen Typografie und abenteuerlichen Konzeption so manchen Konsumenten irritierenden Erstling locker, unterhaltsam und mit ein paar Spitzen gegen Wirtschaft und Politik gewürzt. Denn seine „Mission“, wie er es nannte, Schlecker zu Fall zu bringen, habe sich ja nun erfüllt, und Christian Wulff als Bundespräsident sei für ihn ohnehin schwer vorstellbar gewesen…

Große Welt draußen, kleine Welt drinnen

Worum es in „Gegen die Welt“ geht? Brandt verglich in der Kapelle des Vonderau Museums („der schönste Raum, in dem ich bisher gelesen habe“) diese Frage mit der nach dem Inhalt der Serie „Dallas“, den man bekanntlich auch nicht in zwei, drei Sätzen zusammenfassen kann. Nur so viel zum Buch: Es geht um einen Jungen namens Daniel, seine Freunde und ihre Frauenfantasien, um einen Lokführer, um eine Drogerie, um Außerirdische, um Heavy-Metal-Verschwörungen und die Sprache von Metallica, um Liebe und Sex („aber Herr Hamberger hat mir verboten, dies zu lesen“), um ein Dorf, das aus zwei Hälften besteht und in dem die Alteingesessenen irritiert sind, weil es studierte Frauen gibt. Und es geht um einen Kühlschrank; jedenfalls wird ab und zu einer erwähnt, was den Zuhörern wohl nicht weiter im Gedächtnis geblieben wäre, hätte ein Vertreter dieser Küchen-Spezies nicht auf der Bühne gestanden.

Kurzum, wie Hamberger zuvor sagte: Das Buch handelt von der großen Welt draußen und der kleinen Welt drinnen.
Brandt las, plauderte und trank einen Schluck, wann immer einer seiner Protagonisten zur Flasche griff. Er spielte den Lehrer („für was steht die Bezeichnung NN?“) und betonte, von Aliens entführt worden zu sein. Denn wie seine Figur Daniel sei er so lange ein Mathegenie gewesen, bis er aufs Gymnasium kam. Warum die E.T.s einen so unterhaltsamen Schriftsteller aber wieder haben gehen lassen, das erklärte er an diesem Abend nicht.


Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden