Bodyvox im Schlosstheater: Beifallssturm für ein eigenwilliges Tanztheater
Fulda
Auch beim ihrem zweiten Gastspiel begeistert Bodyvox, eine ebenso eigenwillige wie außergewöhnliche Tanzcompagnie aus den USA, im Fuldaer Schlosstheater. Diesmal erzählt das Ensemble die Geschichte von „Tausend kleinen Cities“.
Was sich Jamey Hampton und Ashley Roland, die Gründer der international renommieren Truppe, ersonnen haben, wird im Programmheft treffend beschrieben: „A Thousend Little Cities“, entstanden im Jahr 2000, sei eines der „amerikanischsten“ Werke der Compagnie, „eine multidisziplinäre Achterbahnfahrt mit Film, Text, visuellen Elementen und dem lockeren Bewegungsstil, den Bodyvox auszeichnet“. Kaum eineinhalb Stunden währt der aus eigenständigen, originellen Szenen komponierte optisch-akustische Roadtrip vor allem wegen seiner einzigartigen Bildsprache. Sie beflügelt die Fantasie und lädt immer wieder dazu ein, sich zu den Choreografien eigene Geschichten auszudenken. Was auch deshalb gut gelingt, weil nicht immer offenkundig wird, was auf der Bühne mit begeisternder Körperlichkeit, hohem Tempo und erfrischender Erfindungsgabe erzählt wird. Hilfreich bei der Suche hätte eine Erläuterung von Ashley Roland sein können: Man wolle die Ästhetik des Alltags erforschen (dies gelingt in der pfiffigen Fahrstuhl-Episode sehr gut) und „ein Stück Amerika durch eine Linse von Hoffnung und Optimismus aufzurufen“.
In jedem Augenblick rechtfertigt die Compagnie mit Originalität und Witz, mit neuen Formen und überraschenden Bewegungsabläufen ihren Namen: Bodyvox, zusammengesetzt aus dem Englischen body und dem Lateinischen vox bedeutet Körpersprache, in der sich klassische Elemente und aktuelle Ausdrucksformen verbinden.
Auch Zeit zum Durchatmen
Eine eigenwillige Ästhetik und eine artistische Tanzkunst prägen die kraftvolle Handschrift der Truppe von Hampton und Roland, die bislang drei Opern choreografiert und sechs eigene Shows entwickelt hat. Außerdem hat Bodyvox mit ihren Filmen bei nationalen und internationalen Festivals zahlreiche Preise eingeheimst, unter anderem im Jahr 2002 den American Choreography Award. Kein Wunder, dass bei Bodyvox nicht Bescheidenheit, sondern Selbstbewusstsein regiert. Hampton und seine kongeniale Partnerin Roland bescheinigen ihrer Compagnie eine „einzigartige Mischung aus sauberer Technik, trockenem Humor und atemberaubender Schönheit“.
Glücklicherweise ließ Bodyvox noch genügend Zeit zum Luftholen und Durchatmen. Vornehmlich im ersten Teil, in dem die (gewiss gewollte) Monotonie der Musik von den Körperstimmen nicht immer beschönigt werden kann. Eingängige Bilder kann man in „Schlumps“ bewundern, wenn die drei Tänzerinnen und die fünf Tänzer, allesamt ausgezeichnete Bewegungskünstler, aus den Taschen ihrer zeltartigen Mäntel viele graue Spielzeuggebäude zaubern und damit tausend kleine Städte entstehen lassen. Entlarvende Ironie und seine tiefere Bedeutung präsentiert Bodyvox in „The Gallery“, in dem die Phrasen zelebriert werden, mit denen trivialsten Werken Bedeutung angedichtet werden soll.
Vergnügliche Intensität gewinnt die Beziehung zwischen Bühne, Tanz und Musik in Teil zwei des Abends, beispielsweise bei einem an den Füßen verbundenen Quartett, das sich zu einem Oktett erweitert, bei einer humorvoll-athletischen Liebesgeschichte und beim melancholisch-rauchigen Abschluss „Get Along Little Doggies“.
Im ausverkauften Schlosstheater begleitet das Publikum die Szenen mit befeuerndem Beifall, der sich während des geschickt choreografierten und mit Filmsequenzen herausgeputzten Abspanns zu Ovation auswächst.
Von unserem Mitarbeiter
Christoph A. Brandner
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