Coppelius bespaßten mit ihrem Kammercore das Kreuz
Fulda
Coppelius aus Berlin spielten am Donnerstagabend im Kreuz allerfeinsten Kammercore. Auch bekannt als Metal.
Auf den ersten Blick erscheinen diese Herren wohlerzogen und wie aus dem Ei gepellt. Doch spätestens, wenn der bandeigene Butler Bastille seine schwarzumrandeten Augen vorwurfsvoll ins Publikum richtet und einen der berühmt-berüchtigten Coppelius-Texte ins Mikro bellt, ist klar, mit wem es das 160-Mann-(und Frau)-starke Publikum wirklich zu tun hat: Einer der wohl durchgeknalltesten Combos, die Deutschland derzeit zu bieten hat.
Das Konzept von Coppelius ist simpel wie genial. Als spießig verschrieene Instrumente wie Klarinette, Cello oder Kontrabass werden hier für Klänge genutzt, die ihnen im Laufe ihres Daseins noch nie entlockt worden sein dürften. Knallharter Metal – oder von Coppelius auch Kammercore genannt – ist das Steckenpferd von Max Coppella (Gesang, Klarinette), Comte Caspar (Gesang, Klarinette), Graf Lindorf (Cello, Gesang), Sissy Voss (Kontrabass), Nobusama (Drums) und Bastille (Gesang, Cembalo, Besen und Kleiderständer). Angetan sind die Herren mit Frack, Zylinder und Gehrock – und im Publikum stachen auch eher die Leute hervor, die Korsage und Zylinder im Kleiderschrank gelassen hatten.
Gute zwei Stunden bespaßten die sechs schrägen Vögel ihre Fans mit sehr viel neuem Liedgut ihrer aktuellen Scheibe „Zinnober“ – beispielsweise „Gumbagubanga“, „Damen“ oder „Diener 5er Herren“ – und hier und da auch mal mit alten und von den anwesenden Fans lautstark gewünschten Liedern. Zwischendurch dürfen einige langhaarige Vertreter des „hochverehrten Auditoriums“ auf die Bühne, um dort ihre Mähnen zu schütteln, und auch drei Klopapierrollen fanden immer wieder ihren Weg dorthin, um Bastille irgendwann zur Weißglut zu treiben. Als das Konzert sich dem Ende neigen wollte, wurden Coppelius Mal um Mal mit „Da Capo“-Rufen zurück auf die Bühne gescheucht, bis auch der letzte Zuschauer im Saal kapiert hatte: „Coppelius hilf!“
Von unserem Redaktionsmitglied
Anne Baun
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