Dom-Auftakt mit Könner aus Leipzig
Nikolaus Frey
fulda
Mehr noch als die Matinee-Konzerte an den Samstagen verdienen die Veranstaltungen des Internationalen Orgelsommers die Bezeichnung „Motto-Konzerte“. Das erste der insgesamt vierteiligen Reihe fand am Sonntag im Rahmen des „Kultursommers Main-Kinzig-Fulda“ im Dom statt.
Zu Gast war der Leipziger Orgel-Professor Stefan Engels, der in die Mitte seines 60-minütigen Programms eine Komposition von Bach stellte und damit dem Leipziger Thomas-Kantor die Ehre erwies. Flankiert wurde dieses Werk der Orgelmusik von Sigfried Karg-Elert, eines zweiten Leipziger Meisters, dessen Name allerdings bis heute weit weniger bekannt ist, obwohl er ein bedeutendes Oeuvre hinterlassen hat.
Damit wurde das erste Konzert dieser Reihe von drei Künstlern aus der gleichen Stadt bestritten, und es verdient erwähnt zu werden, dass Stefan Engels sich als Interpret seit Jahren insbesondere für den Komponisten Karg-Elert einsetzt, dessen Gesamtwerk er in einer Weltersteinspielung der Öffentlichkeit präsentiert.
Welch kompetenter Könner da am Spieltisch der Fuldaer Dom-Orgel saß, war sogleich zu hören: Karg-Elerts große „Passacaglia“ aus dem Jahr 1922 über ein Bass-Thema von Händel erforderte in ihren insgesamt 54 Variationen nicht nur eine immense Ausprägung der technischen Spielfähigkeiten, sondern eine ebenso entwickelte Kunst, die Zuhörer diesen Klangkosmos in vielfältigen Registrier-Alternativen erleben zu lassen. Engels gelang dies, indem er die lange Abfolge der Variationen übersichtlich gliederte, zwischen ruhigen Teilen mit solistischen Registern und scharf konturierten Abschnitten abwechselte und durch Verwendung des Jalousie-Schwellers die Illusion unterschiedlicher Entfernungen hervorrief.
Die dreisätzige Orgelsymphonie über den Choral „Jesu, meine Freude“ op. 87/2, die dann am Ende des Konzerts in einer 20 Minuten umfassenden Darbietung zu hören war, hat Karg-Elert als „Königin unter meinen Orgelwerken“ bezeichnet, dies in der Annahme, dass diese Musik für viele Organisten zu schwierig sei, aber trotzdem „in 50 Jahren noch gespielt“ werde. Diese Einschätzung des Komponisten konnte man im Dom leicht nachvollziehen, denn Engels vermittelte nicht nur den Eindruck der völligen Souveränität über jegliche Spielprobleme, sondern auch des freien Blicks über die oft unkonventionelle Verarbeitung der Kompositionsbausteine.
Im Vergleich hiermit blieb Bachs „Concerto C-Dur BWV 594 etwas zurück. Das lag daran, dass von den drei Sätzen des zugrunde liegenden Violinkonzerts von Vivaldi nur der langsame Mittelsatz mit seiner ausdrucksvollen Krummhorn-Registrierung überzeugte, weniger dagegen die beiden schnellen Ecksätze mit ihren überlangen Kadenzen. Obwohl Engels mit einer anderen Wahl aus Bachs großem Orgelwerk sicher besser beraten gewesen wäre, feierten ihn die Zuhörer am Ende mit stehenden Ovationen.
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