Ein Leichenfledderer und ein Intrigant
Von Christoph A. Brandner
Bad Hersfeld
Ein Geier mit Mundgeruch und ein Schakal mit Ambitionen machen Stefan Reck zu einem Publikumsliebling bei den aktuellen Bad Hersfelder Festspielen.
Der 58-Jährige äußert sich gegenüber unserer Zeitung über die beiden Rollen im Familienmusical „Das Dschungelbuch“, für die er den Zuschauerpreis 2011 erhielt, sowie über seine Karriere. Dank der Auszeichnung, mit der er ganz und gar nicht gerechnet, die ihn gerührt und wahnsinnig gefreut habe, könne er beide Figuren in diesem Jahr mit besonderem Stolz spielen, sagt der Schauspieler. Er empfinde den Preis als Wertschätzung seiner Arbeit.
Recks frühes Bekenntnis, Schauspieler zu werden, wurde von den Eltern zunächst als Wunsch abgetan. Dieser Beruf sei brotlose Kunst. Der Zielstrebige, der bereits als 13-Jähriger in einem „Urfaust“-Puppenspiel den Mephisto übernommen hatte, belehrte seine Familie eines besseren. Eine denkwürdige Begegnung war der Start seiner außergewöhnlichen Karriere: Nach einer Aufführung des Schauspiels „Maria Magdalena“ von Franz Xaver Kroetz, in dem Jurastudent Reck mitwirkte, forderte ihn der Autor auf: „Bursch’, geh’ zum Theater!“. Was Reck sofort tat. Fortan war er der Bühne mit Haut und Haar verfallen, brach sein Jura-Studium ab und wurde an der Hochschule für darstellende Kunst Hamburg aufgenommen. Bei der Diplomaufführung begegnete er dem berühmten Regisseur Peter Stein, der ihn ohne Vorsprechen zur Berliner Schaubühne mitnahm, dem damaligen Theater-Olymp.
Von Berlin bis Bad Hersfeld führte ein langer, erfolgreicher Weg. Im Jahr 2009 wurde Reck von Intendant Holk Freytag für „Wilhelm Tell“ und für „Sommergäste“ im Jahr darauf engagiert. Die erste Begegnung mit der mächtigen Stiftsruine beschreibt Reck so: „Als kleines Menschlein habe ich in dieser gewaltigen Kulisse große Ehrfurcht empfunden und mich gefragt, wie ich mich hier behaupten kann.“ Reck hat sich durchgesetzt, weshalb er 2011 gleich in drei Produktionen („Der Name der Rose“, „Das Dschungelbuch“ und „Halbe Wahrheiten“) mitwirkte.
2012 konzentriert sich Reck wegen eines Engagements in Heidelberg allein auf das „Dschungelbuch“, das eines der ersten Bücher gewesen sei, die er verschlungen habe. Wunderbar sei es jetzt, anspruchsvolles Theater für Kinder zu machen. Geier Chil ist ihm besonders ans Herz gewachsen: „Dieser durchgeknallte, coole Typ ist ein Leichenfledderer, der das Leben liebt, ein Fatalist und Optimist.“ Recks Lieblingssatz: „Coole Geier rocken jede Leichenfeier.“
Den Schakal Tabaqui, „einen wolllüstigen Intriganten, der die Fäden im Hintergrund zieht und sich für genial hält“, charakterisiere folgendes Eigenlob: „Im Fälschen bin ich ein Meister.“
Auf die Frage nach einer Traumrolle antwortet Reck: „Wenn man sich bei mir in zehn Jahren danach erkundigt, würde ich den Lear nennen und alles daran setzen, diesem Angebot zustimmen zu können. Am liebsten würde ich ihn in der Stiftsruine spielen.“ Recks nächste Projekte sind die Inszenierung der deutschsprachigen Erstaufführung von Carmel Winters Drama „B for Baby“ für seine Heimatbühne Heidelberg und eine Rolle in Ariel Dorfmans Theaterstück „Der Tod und das Mädchen“ in Stuttgart.
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