Frank Schulz zu Gast bei Literatur im Stadtschloss
Von Björn Gauges
Fulda
Literatur im Stadtschloss kann auch gegen die härteste Konkurrenz bestehen. Während zeitgleich Bayern Münchens Halbfinale im Fernsehen übertragen wurde, hatte die populäre Lesereihe den Hamburger Frank Schulz zu Gast – ein echter Volltreffer.
Eigentlich neigt Frank Schulz nicht zu falscher Verlegenheit. Gehören zum Personal seiner Romane doch durchaus jede Menge handfeste Figuren. Doch „Sie sehen mich befangen“, begann der Schriftsteller seine Lesung am Dienstagabend in der einmal mehr voll besetzten Kapelle des Vonderau Museums. Die Deckenmalerei, die Marmorsäulen: All die barocke Pracht des Saales hinterließ durchaus ihren Eindruck. Und dies besonders, da der Kontrast zu den Schauplätzen seines jüngsten Romans nicht größer hätte ausfallen können.
„Onno Viets und der Irre vom Kiez“ lautet der Titel. „Es ist eine Art Krimi, eigentlich aber eher eine burleske Groteske oder vielleicht auch eine groteske Burleske – ganz wie Sie wollen“, erläuterte Schulz zur genaueren Gattungsbestimmung. Wie auch immer: Die titelgebende Hauptfigur Onno gehört wohl zu den schrägsten und spannendsten Privatdetektiven der jüngeren deutschen Literatur.
Es handelt sich um „eine verkrachte Existenz“ (Schulz) aus Hamburg, die aufgrund von Geldsorgen bei mangelnden Talenten einen Job als freischaffender Detektiv annimmt. Doch die Fallstricke lauern an Orten, an denen der Mann sie nicht vermutet hatte. So beginnt sein beruflicher Neuanfang gleich anderthalb Stunden zu spät, weil Onno sein Auto am Abend zuvor ausnahmsweise umgeparkt und zunächst nicht wiedergefunden hat.
Der Geheimtipp überraschte
Am angestammten Platz wurde sein kleiner Ford Ka vollständig von den Blüten eines Lindenbaums verklebt. Der neue Standort erweist sich aber als keinesfalls besser geeignet: unter einer Laterne, auf der sich dutzende Tauben niedergelassen und ihre Spuren hinterlassen haben. Auf den Scheiben schwarz-weiße Zeichen wie Yin und Yang. Auf dem Lack eher die langgezogene Landkarte von Sylt. Fortan ist der Detektiv mit einem „Ford Guano“ unterwegs.
Doch Frank Schulz – laut NDR der „Bukowski von der Elbe“ – verleiht seinem Helden durchaus auch einzigartige Talente. Dazu gehört neben unglaublichem Sitzfleisch auch etwas, „das man als Charisma für Arme beschreiben könnte“. Diese vertrauenswürdige Ausstrahlung eines Teddybären ist es, die ihn in Sekundenschnelle mit völlig fremden Menschen in Kontakt bringt. Allerdings auch die junge, aus einer TV-Castingshow bekannte Frau, die er für seinen Auftraggeber beschatten soll. In der letzten vorgetragenen Szene am Flughafen Hamburg quatscht diese Tussi mit Künstlernamen Fiona Popa ihren Observateur kurzerhand an – Onno ist „verbrannt“. Und wie der 55-jährige Schulz alleine diesen norddeutsch-prollig gefärbten Dialog vorträgt, ist schon allein den Besuch der Lesung wert.
Initiator und Organisator Dr. Wolfgang Hamberger ist es hoch anzurechnen, dass er auch das Wagnis eingeht, eher unbekannte Autoren mit sprachlich und stilistisch ungewöhnlichen Büchern in die Traditionsreihe einzuladen. Mit Frank Schulz bewies er erneut sein Händchen für einen Geheimtipp, der das zahlreiche Fuldaer Lesepublikum überraschte – und begeisterte.
Die nächste Lesung der Reihe findet am Mittwoch, 25. April, um 20 Uhr mit Bärbel Reets statt. Ihr Buch: „Hesses Frauen oder der andere Blick“.
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