Genesis mit eigenen Akzenten
Von Andreas Ungermann
Dirlos
Ray Wilson spielte in der Alten Piesel in Dirlos ein Unplugged-Konzert. Und das ehemalige Genesis-Mitglied beeindruckte mit klarem Gitarrenspiel und grandioser Stimme.
Er kennt die großen Bühnen, hat bei „Wetten Dass“ gespielt, und doch fühlt sich Ray Wilson auch vor kleinem Publikum sichtlich wohl. An die ZDF-Show 1998 in Bremen hat der Schotte, der damals mit Genesis tourte, noch gute Erinnerungen. Nicht etwa weil es „Wetten Dass“ gewesen sei, sondern weil er dort Claudia Schiffer getroffen habe. Wilson erzählt diese Anekdote gern bei seinen Konzerten, bevor er den Song „Shipwrecked“ anstimmt.
Sein sanftes Gitarrenspiel dazu eine klare Stimme – Wilson weiß zu überzeugen, ob mit eigenen Songs oder mit Genesis-Titeln. Gerade in Letzteren setzt er bei der „Unplugged-Show“, die kein Konzert zum Mittanzen oder Mitsingen, sondern einfach nur zum Genießen guter Musik ist, ganz eigene Akzente und Betonungen auf. Besonders bei „Mama“, sein persönlicher Genesis-Favorit, gelingt ihm dies überzeugend und mit einem Augenzwinkern.
Auch mit eigenen Titeln wie „Change“ schafft es Wilson eine angenehme Harmonie zwischen Stimme, Gitarre und begleitendem Piano zu bringen – nicht laut aber eindringlich, nachhaltig, oder besser gesagt noch lange nach dem Gig in den Ohren nachhallend. Mit den großen Genesis-Hits spickt er sein Programm bietet „Another Day in Paradise“ und „No Son Of Mine“ im ersten Teil und hebt sich Titel wie „Invisible Touch“, „Land Of Confusion“ und Follow You Follow Me“ für den zweiten Teil auf.
Und auch mit „Solsbury Hill“ stellt er stimmgewaltig unter Beweis, dass er zu Recht in Reihe mit Peter Gabriel und Phil Collins steht. Ohne Zugabe lässt ihn das kleine aber durchweg begeisterte Publikum nicht von der Bühne. Und die ist große Klasse, nicht nur weil Wilson bei „In The Air Tonight“ nochmals große Gefühle in seine Stimme legt. Mit „The Airport Song“ stimmt er zudem eine pfiffige Eigenkomposition an, die allein schon wegen ihrer Entstehungsgeschichte ein Highlight ist: Nach einem kurzen Engagement in einem Nobel-Etablissement und einer durchzechten Nacht verpassten Wilson und seine Band damals einen Flug um zwölf Stunden.
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