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24. Februar 2011



Heinz Ratz will mit Konzert- und Radtour Zeichen setzen

Fulda
Heinz Ratz, politischer Liedermacher und Aktivist aus Kiel, kommt mit dem Fahrrad zu seinem Konzert am Mittwoch, 2. März, im Fuldaer Kulturkeller. Mt der Aktion und seiner »Tour der 1000 Brücken« will er ein Zeichen gegen die Missstände in deutschen Flüchtlingslagern setzen.

Vor drei Jahren ist Ratz von Dortmund nach München gelaufen, hat an den Etappenzielen Konzerte gegeben und dabei gegen Sozialabbau demonstriert. 2009 ist Heinz Ratz durch deutsche Flüsse geschwommen, um auf den Artenschutz aufmerksam zu machen. Diesmal kommt der 42-Jährige auf dem Rad: auf der letzten Etappe seines „moralischen Triathlons“ versucht der politische Liedermacher und Frontmann der Band Strom und Wasser auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen.

Herr Ratz, wo stecken Sie gerade?
In Magdeburg. Ich bin unterwegs zu einem Flüchtlingslager, das ein wenig außerhalb der Stadt liegt.

Was tun Sie da?
Ich will mich über die Situation und die Gegebenheiten vor Ort erkundigen, um die Bevölkerung darüber zu informieren.

Auf Ihren Konzerten?
Ja. Ich lade Flüchtlinge auch auf meine Konzerte ein. Wenn sie musikalisch sind, dürfen sie auch mitspielen. Ich versuche aber auch, die Presse in Flüchtlingslager mitzunehmen. Das ist aber schwierig, weil die Flüchtlingslager darauf oft allergisch reagieren. Es ist schon für mich als Privatperson manchmal schwierig, da reinzukommen.

Warum engagieren Sie sich?
Weil ich finde, dass unsere Gesellschaft immer mehr verhärtet. Sie löst das auf, worauf wir so stolz sind – Demokratie, Grundgesetz, Menschenrechte – und zeigt immer weniger Mitgefühl, eben zum Beispiel für Flüchtlinge. Ich versuche darauf aufmerksam zu machen und auf den Konzerten Spenden zu sammeln.

Das Thema hat für Sie auch einen persönlichen Hintergrund?
Ich bin Halb-Peruaner. Ich habe in Saudi-Arabien gelebt und bin während des Sechs-Tage-Krieges aus Jordanien geflohen, dann bin ich in den peruanischen Bürgerkrieg geraten. Vor allem bin ich aber politisch aufmerksam und mache mir Gedanken – auch darüber, was man versucht zu verschweigen. Etwa, dass Flüchtlinge nur wenig Taschengeld bekommen und oft 15 Jahre warten müssen, bis sich ihr Status ändert – das weiß keiner. Stattdessen gibt es viele Vorurteile über sie.

DAS KONZERT
Heinz Ratz spielt mit seiner Band Strom und Wasser die „Tour der 1000 Brücken“ am Mittwoch, 2. März, um 20 Uhr im Kulturkeller in Fulda. Tickets zum Preis von 12 Euro gibt es im Vorverkauf in den Geschäftsstellen unserer Zeitung (Fulda: Peterstor 18, Mo - Fr: 8.30 bis 18 Uhr; Sa: 9 bis 14 Uhr; Frankfurter Straße 8, Mo - Fr: 8.30 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr. Hünfeld: Fuldaer Berg 46; Mo - Fr: 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr. Schlüchtern: Obertorstraße 39-41, Mo - Fr: 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr).

Im Internet: http://ticketservice.fuldaerzeitung.de
Haben Sie das Gefühl, die Menschen zu erreichen?
Ja, schon. Es hängt aber auch immer von den jeweiligen Städten ab und von den Medien. Ich gewinne aber ehrenamtliche Helfer für Flüchtlingsprojekte. Ich kann die Politik zwar nicht konkret verändern, aber ich bin zufrieden mit dem, was ich erreiche.

Wie war das in der Vergangenheit in Fulda?
Ich war ja schon ein paar Mal da. Das Kreuz als Veranstalter ist sehr engagiert, die Konzerte waren immer schön. Ich habe eine offene Bevölkerung erlebt, meine Themen sind gut angekommen. Ich freue mich darauf.

Es heißt, Sie sind einer der letzten politischen Liedermacher in Deutschland.
Ist das so? Naja, die meisten Texte von deutschen Musikern handeln von der Spaßgesellschaft, sind Liebeslieder oder Schlager. Wir sind eben auch politisch – aber auch unterhaltsam. Und wir sind keine Betroffenheitsband. Ob ich damit aber einer der letzten bin oder einer der ersten in einer neuen Bewegung, das weiß ich nicht.


Von unserem Redaktionsmitglied
Thomas Reinhold



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