Hersfeldpreise gehen an Wunderlich, Brünglinghaus und Vogt
Von Christoph A. Brandner
Bad Hersfeld
Einstimmige Entscheidungen der Kritiker-Jury: Sören Wunderlich (Hans Castorp) wird mit dem Großen Hersfeldpreis 2012 ausgezeichnet. Hersfeldpreise werden an Anja Brünglinghaus (Goneril) und Lena Vogt (Mogli vergeben.
Während einer unterhaltsamen Feier gestern in der Stiftsruine wurden die beehrten Preise verteilt, die von der Stadt Bad Hersfeld und der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine vergeben wird. An wen die Auszeichnungen wurden, das bestimmte eine Kritiker-Jury, der Sprecher in diesem Jahr Christoph A. Brandner von unserer Zeitung war.
Den Große Hersfeldpreis 2012 erhielt Sören Wunderlich für seine „herausragende Verkörperung“ des Hans Castorp in der Dramatisierung von Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“.
In der Begründung heißt es: „Wunderlich gibt der eigentlich episch-passiven Figur klare Kontur, wertet sie auf und übersetzt philosophische Substanz in überzeugende Körpersprache. Er spielt den Naivling Hans Castorp mit Erstaunen und wachsender Neugier. Castorps phlegmatische Leidenschaften macht er zum Bühnenereignis. Wunderlichs jungenhafter Charme transportiert Manns Hauptperson in die Gegenwart. Bewundernswert sind seine hohe Konzentration und permanente Bühnenpräsenz, intensive Spielfreude und vielfältig-zeitgemäßen Ausdrucksformen.“
Anja Brünglinghaus, die Goneril in „König Lear“, zeige in ihrer überzeugenden Interpretation die Bosheit der Figur vornehmlich als Ergebnis von Überforderung. Sie transportiere den historischen Machtkampf in unsere Zeit. Hervorzuheben sei auch ihr vielfältiges Spektrum als Ensemblemitglied auch im „Dschungelbuch“ als Affenkönigin und Mutter Wolf. Lena Vogt wird eine frische und lebendige Darstellung des Mogli im „Dschungelbuch“ attestiert. „In der Wiederaufnahme des Familienmusicals hat Lena Vogt an Intensität und Überzeugungskraft gewonnen. Sie schöpft die Möglichkeiten der Stiftsruine und ihrer Rolle noch fantasievoller aus. Ihr Mogli ist ein quirliger, pfiffiger Tausendsassa, sympathisch, mutig, klug und frech. In ihrer Jungenrolle reißt Lena Vogt Jung und Alt gleichermaßen mit und macht Mut ihrem gesundem Selbstvertrauen“, formulierte die Jury.
Sören Wunderlich, der „nie mit einer solchen Auszeichnung gerechnet“ hat, dankte dem „tollen Zauberberg-Ensemble“ und vor allem dem „wunderbaren Regisseur“ Janusz Kica. Helgo Hahn, Vorsitzender der Ruinenfreunde, sprach sich erneut für eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Musik aus, der die Opernfestspiele im August veranstaltet. Jörg-Uwe Hahn (FDP), Hessens Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident, warb für ein Europa der eigenständigen Staaten und sagte, dass man in Hessen stolz auf die Bad Hersfelder Festspiele sei. Intendant Holk Freytag definierte Tradition, ein zentrales Thema der 62. Festspiele, als „etwas permanent Lebendiges“, das den gesamten Lebenslauf mitbestimme. Aufgelockert vergnügliche eineinhalbstündige Programm, das Markus Pfromm moderierte, vom Quartett Saxophonics und von künstlerischen Beiträgen aus dem Ensemble.
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