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31. März 2011



Joja Wendt bringt bei Tour-Auftakt die Fuldaer zum Singen

Fulda
Der Tastenvirtuose Joja Wendt begeisterte bei seinem Tour-Auftakt in der Fuldaer Orangerie den vollbesetzten Saal mit einer Reise durch die Geschichte der Musik.

Es war einmal ein kleines Mädchen, das wollte eines Tages einfach nicht mehr Klavier spielen. Sie hatte keine Lust mehr auf stundenlanges Üben und Notenpauken. Da erzählte ihr der Großvater die uralte Geschichte der Instrumente …
Was klingt, wie die gescheiterten ersten Versuche auf dem Klavier, die wohl einige von uns hinter sich haben, dient dem Hamburger Pianisten Joja Wendt in seinem neuen Programm „Im Zeichen der Lyra“ als Rahmenhandlung. Der Großvater des Mädchens berichtet vom erbitterten Kampf des Klaviers und seiner Verbündeten gegen die Königin der Instrumente. Die Orgel ist die strenge Hüterin der Regeln, Rangordnungen und in Stein gemeißelten Partituren.

Musikalische Freiheit gilt ihr als Blasphemie. Das Klavier allerdings will improvisieren und Grenzen überschreiten. Wendt vertont die Geschichte mit Hilfe alter Klassiker, die er völlig neu interpretiert. Dabei spannt er einen Bogen von Rachmaninov über Beethoven bis Rimsky-Korsakov und gestaltet sie mal rockiger, jazziger oder fügt Boogie-Woogie-Elemente ein.

Doch bevor Wendt in die Tasten griff, versäumte er es nicht, eine lieb gewonnene Gewohnheit zu zelebrieren. Die Auswahl des „Jackensklaven“. Diesmal hatte Frank aus der ersten Sitzreihe die Ehre, Wendts schwarzes Jackett für den Rest des Konzerts aufzubewahren und bei Bedarf hin und wieder anzureichen. Die Parabel aus der Welt der Musik lässt der 46-Jährige mit der ersten überlieferten Notenschrift, dem Seikilos-Epitaph, beginnen. Hinter Wendt flimmern währenddessen animierte Filmsequenzen über eine Leinwand. Die düsteren Bilder erinnern ein wenig an eine Mischung zwischen dem Turm von Mordor und dem Anwesen Draculas.

Leider bleiben die Aufnahmen das einzig wirkliche Show-Element des Abends. Der tanzende Steinway-Flügel bewegt sich keinen Zentimeter von der Stelle und auch Wendt spielt diesmal nicht mit Fäusten, Nase oder Ellenbogen. Nur einmal musiziert er mit überkreuzten Armen auf zwei Pianos gleichzeitig. Das neue Programm kommt also um einiges gesetzter daher als noch „In 88 Tasten um die Welt“. Auch musikalisch: mehr Klassik und Jazz, dafür weniger Boogie Woogie. Und das ist wirklich schade, denn gerade darin brilliert der Hamburger. Virtuos wechselt er etwa in der Cis-Moll Prelude „Im Traum“ von Jazzimprovisation zum Boogie Woogie. Es bleibt einer der seltenen stilistischen Ausflüge. Dennoch: Das Publikum ist gepackt und klatscht, trampelt und singt, wo es kann, mit.

Ein Joja-Wendt-Konzert wäre eben kein Joja-Wendt-Konzert, wenn das Publikum still auf seinen Plätzen sitzen und lauschen würde. Mitmachen muss bei jeder Aufführung mindestens einer. Am Mittwochabend war es die elfjährige Helen aus Fulda, die von Wendt für das Stück „Die Triangel“ auf die Bühne geholt wurde. Seelenruhig marschierte das blonde Mädchen auf die Bühne und begleitete den Musiker mit dem kleinsten aller Instrumente, der Triangel. Am Ende wird die böse Orgel mit dem Lied „Der Sturz des Turmes“ besiegt, alles ist gut und Wendt legt mit ein paar Improvisationen nach. Um eine Zugabe müssen die Zuschauer bei ihm nie lange bitten. Aus voller Kehle singt das Publikum schließlich gemeinsam mit Wendt „Bye, Bye Baby“.

Ob das kleine Mädchen durch die Geschichte Joja Wendts wieder Lust aufs Klavierspielen bekommen hat, bleibt am Ende offen. Sein junges Publikum hat jedenfalls die Neugierde gepackt – es verlässt die Orangerie mit zahlreichen Notenbüchern in den Händen.

Von unserem Redaktionsmitglied
Carolin Markert



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