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2. Januar 2011



Neujahrskonzert: Ungewohnt, untypisch – aber mitreißend

FULDA
„Einfach klassisch“ und „einfach märchenhaft“ – so waren die beiden Teile des Neujahrskonzerts des Kammerorchesters der Jugend überschrieben. „Einfach untypisch“ –mag mancher beim Blick auf das Programm gedacht haben.

 „Einfach abwechslungsreich“ – könnte man das Konzert zusammenfassen. Jens-Uwe Schunk, der neue Leiter des Ensembles, hatte für seine Premiere am Dirigentenpult für ein Neujahrskonzert zwar ungewohntes, aber nicht minder ansprechendes und anspruchsvolles Programm ausgewählt. Er führte damit die Tradition der Neujahrskonzerte fort, die Ulrich Moormann vor 13 Jahren initiiert hatte.

Der erste Teil widmete sich der klassischen Musik. Besonders hervorzuheben sind hier die beiden Solowerke. Patrick Weber ließ bei Joseph Küffners „Polonaise für Trompete und Orchester“ op. 126 die Töne auf seiner Trompete erheiternd von Anfang an perlen. Mit Leichtigkeit und Esprit ging er das Werk. Flötist Pierre Medler interpretierte Wolfgang Amadeus Mozarts „Andante für Flöte und Orchester“ C-Dur KV 315. Mit feinem Klangsinn und plastischer Akzentfreudigkeit verlieh er dem Werk großen Ausdruck. Das begleitenden Orchester reagierte unter umsichtigen Führung Schunks überaus flexibel.

Plastisch und aktzentfreudig

Mit dem zweiten („Largo“) und vierten Satz („Allegro con fuoco“) aus Antonín Dvoráks Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ hatten sich Dirigent und Orchester einen „dicken Brocken“ vorgenommen. Schunk gelang es dennoch, die 50 jungen Musici so zu führen, dass ausgewogene musikalische Proportionen und ein natürliches Klangbild entstanden. Dazu trug besonders der reich besetzte Bläserapparat bei, der mit lyrischer Ruhe (am Englischhorn: Simeon de Roos) zum guten Gelingen beisteuerte.
Im zweiten Teil des Abends widmete sich das Ensemble der Film- und Opernmusik. Die aus Fuldaer Sopranistin Simone Brähler präsentierte mit „Oh, mio babbino caro“ (aus „Gianni Schicchi“) und „Quando me’n vo’“ (aus „La Bohème“) zwei Ohrwürmer der Opernliteratur von Giacomo Puccini. Gerade auch in Alexander von Zemlinksys „Waldgespräch“ nach einer Ballade von Joseph von Eichendorff stellte sie die Lebendigkeit ihrer Stimme unter Beweis. Diese vokale Brillanz war gepaart mit einer natürlichen Expressivität.

Bei John Williams Filmmusiken aus „E.T. – The Extra-Terrestrial“ und „The Flight to Neverland“ aus dem Film „Hook“ erforschte das Orchester die Variationen der Klangstrukturen und so Protziges, Arrogantes und Resolutes in dieser Musik ebenso hervor wie Filigranes, Sehnsüchtiges oder Bedächtiges. Auch manch amüsante außermusikalische Einlage im Orchester legte den Zuhörern ein Lächeln aufs Gesicht. So gab es lang anhaltenden Aplaus – und als Zugabe Johann Straussens „Radetzky Marsch“ in einer schwungvollen Interpretation, bei der auch das Publikum mitklatschte.


Von unserem Mitarbeiter
Wolfgang S. Laar 



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