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7. April 2011



Rattenfänger und andere Saloon-Salate

Fulda
Bei Salut Salon ist vieles anders. Zum Beispiel, dass Angelika Bachmann an einem Freitag mit dem Zug anreist – und überpünktlich ist. Und auch Iris Siegfried, die statt der Schienen die Autobahn nutzte, steht nicht im Wochenendstau, sondern eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Termin im Büro der Redaktion.

Stellvertretend für das ganze Quartett, das am 6. Mai in der Orangerie in Fulda aufspielen wird, stellen sich die beiden vor, sprechen über Musik, ferne Länder und eine Kunstschule in Santiago de Chile, die sie unterstützen – und dabei haben sie einen Spaß, wie wir ihn selten erleben. Manchmal braucht es nur ein Stichwort, und die beiden prusten los.

Salut Salon gibt es seit zehn Jahren. Wie haben Sie sich zusammengefunden?
Angelika Bachmann:
Iris und ich haben zusammen im Schulorchester gespielt. Daraus ist dann mehr entstanden.
Iris Siegfried: Und zwar unser Jour fixe am Samstagnachmittag. In einer Altbauwohnung in Hamburg Eppendorf. Dorthin haben wir verschiedene Freunde eingeladen, die alle was vortragen sollten, und wir, inzwischen zu viert, haben Musik gemacht.
Bachmann: Dann kam eine Galeristin und buchte uns für eine Ausstellung.
Siegfried: Und plötzlich wurden wir von einer Nebengaleristin für ein Zwei-Stunden-Programm engagiert.
Bachmann: Wir hatten drei Lieder! Und sechs Wochen Zeit.
Siegfried: Am Ende stand eine Stunde Programm.
Bachmann: Das haben wir dann doppelt gespielt.

Sie lachen aus voller Kehle. Nein, mit einem ernsthaften Zugang zur Klassik und stocksteifer Pose haben die beiden Frauen nichts im Sinn. Die zwei Musikerinnen, die beide Geige spielen (Iris Siegfried singt zudem) und die nach Fulda kommen mit Anne-Monika von Twardowski am Klavier und Frederike Dany am Cello, setzen auf den Spaß, den sie mit klassischer Musik verbinden.

Woher kommt Ihr Name?
Siegfried:
Eines dieser ersten drei Lieder war „Salut d’Amour“ von Edward Elgar. Und weil wir diese Salonabende machten, haben wir uns für den Namen entschieden. Es war am Anfang relativ schwierig, niemand konnte sich den Namen merken.
Bachmann: Wir wurden sogar zum Saloon-Salat.

Und wie ist es dazu gekommen, dass Sie Klassik nicht so weihevoll spielen, wie viele Konzertbesucher es vielleicht erwarten?
Bachmann:
Ja, wir machen viel Quatsch …
Siegfried: Nachdem wir auf Geburtstagen und bei Jubiläen spielten, durften wir irgendwann ein Konzert geben im Bergedorfer Rathaus. Dafür haben wir ein Programm gestrickt und den Abend moderiert. Zu viert haben wir dabei am Klavier gespielt und fanden es schön, das Publikum zu überraschen. Das war unser Anliegen. Womit die Leute gar nicht rechnen, damit kommen wir dann um die Ecke.

Konkret sieht das so aus, dass Salut Salon die Stücke ihres Programms völlig neu bearbeiten und in einer abwechslungsreichen Bühnenshow mit viel Witz präsentieren. Ein Prinzip, das die vier Damen zum Stamm des Sommerprogramms am Hamburger Thalia Theater werden ließ.
Bachmann: Das ist schon verrückt, im eigenen Wohnzimmer anzufangen und am Ende vor tausend Leuten zu spielen.

Hat sich denn nie einer beschwert, dass Sie die Musik so anders vorbringen?
Siegfried:
Wir rechnen eigentlich immer damit, aber es ist noch nie vorgekommen. Unsere Auftritte empfindet keiner als Veräppelung.
Bachmann: Wir machen ja nicht nur Quatschkram. Es gibt auch rein musikalische Parts. So bekommen viele Menschen Zugang, die sonst nie zur Klassik finden.
Siegfried: Und für Fans, die den reinen Klassikkonsum kennen, ist es mal was anderes, wenn alles aufgelockert wird.

So schlagen die Damen von Salut Salon Brücken, locken neue Hörer, sind Vermittler und ziehen auch die Jugend und Kinder an. Apropos Kinder: Sie unterstützen eine Kunstschule in einem Armenviertel von Santiago de Chile. Um benachteiligten Jungen und Mädchen eine Chance zu geben.
Bachmann: Musiker sind Rattenfänger. Kinder lassen sich so schnell begeistern! Darauf setzen wir in unserer Jugendarbeit.

Ein anderes Thema für Salut Salon sind die vielen Reisen.

Wo waren Sie schon auf Tour?
Bachmann:
China, Russland, Luxemburg, Amerika…
Siegfried: Und immer versuchen wir, ein Stück in der dortigen Sprache zu singen.
Bachmann: Gerade lernen wir Finnisch…

Welche Sprache lässt sich denn am besten singen?

Für einen Moment überlegen sie und sind dabei sogar ruhig! Aber nur kurz.

Siegfried: Chinesisch vielleicht. Das ist schwer zu lernen, aber schön zu singen.

Gibt es Unterschiede zwischen den Nationen?
Bachmann:
Während die Deutschen erst einmal abwarten, applaudieren die Chinesen schnell, aber dafür kurz. Die Russen schenken Blumen.
Siegfried: Und die chilenischen Kinder küssen uns auf den Mund.

Beeinflussen diese Reisen ihre Musik?
Siegfried:
Natürlich. Wir nehmen immer etwas mit. Eine kanadische Mandoline zum Beispiel. Die muss dann eine von uns spielen.

Wer denn?
Bachmann: Immer die, die sich am wenigsten dumm anstellt.

Haben Sie schon mal etwas in Ihrer Show ausprobiert, das überhaupt nicht funktionierte?
Siegfried (zu ihrer Kollegin und Freundin):
Erinnerst du dich an den Krokodilskopf, den unsere Pianistin aufgesetzt hat? Der war so schlimm…
Bachmann: Der ging gar nicht.
Siegfried: Das war ein Konzert im Zirkusambiente. Irgendwie dachten wir, es passt. Das haben wir dann aber gleich gelassen. Weißt du noch, wie wir die Pianistin am Bein gezogen haben, damit sie so lang wird und geht wie ein Krokodil mit Schwanz?
Bachmann: Ich glaube, bei unseren Konzerten haben wir mehr Spaß als das Publikum.

Beide schütten sich wieder laut und herzlich aus. Wir haben nur noch eine Frage:

Vier Frauen gemeinsam auf Tour. Gehen Sie sich nicht manchmal gegenseitig auf die Nerven?
Siegfried:
Nein. Jede kann sich jederzeit zurückziehen, und wenn es Probleme gibt…
Bachmann: … werden die einfach weggelacht.

Von unserem Redaktionsmitglied
Anke Zimmer



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