Rundgang durch eine zerstörte Innenstadt
Von Björn Gauges
Fulda
Der 11. September ist ein historisches Datum – auch für Fulda. Im einer Ausstellung im Vonderau Museum werden ab morgen bislang unbekannte Fotografien gezeigt, auf denen die verheerenden Bombenschäden der Luftangriffe vom 11. und 12. September 1944 zu sehen sind.
Jahrelang schlummerten die Aufnahmen im Verborgenen, bis sie dem Stadtarchiv im Jahr 2010 aus Privatbesitz angeboten wurden. Es handelt sich dabei um ein Fotoalbum unbekannter Herkunft, in dem neben Schappschüssen von Fronteindrücken und nicht identifizierbaren Soldaten auch die verheerenden Zerstörungen der Luftangriffe in der Innenstadt Fuldas zu sehen sind.
Es ist deshalb ein besonderer Schatz, „weil die Nazis den Bürgern Aufnahmen der Bombenschäden aus Propagandagründen verboten hatten“, erläutert Museumsleiter Gregor Stasch. Öffentlich bekannt waren daher bislang nur die von den Machthabern genehmigten Farbbilder des Drogisten Gustav Steyer, die mittlerweile bereits in verschiedenen Publikationen veröffentlicht wurden.
Eröffnung
Die Ausstellung 11. September in Fulda wird am morgigen Sonntag um 11 Uhr von Oberbürgermeister Gerhard Möller eröffnet. Zu Gast ist auch Dr. Hans Malkmus, der als Zeitzeuge über seine Erlebnisse während der Bombenangriffe sprechen wird. Die Ausstellung ist bis zum 16. Oktober, jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im Fuldaer Vonderau Museum zu sehen.
Der Fotograf hat für seine Aufnahmen offensichtlich einen Rundgang durch die Innenstadt unternommen, erläutert Stasch. Und so kann der Betrachter mit ihm die Straßen abgehen, in denen hunderte von Menschen starben und ganze Häuserzeilen innerhalb weniger Minuten dem Erdboden gleichgemacht wurden. Dieser Rundgang beginnt an der Hinterburg, führt über den Gemüsemarkt und durch die Innenstadtgassen bis zu Christuskirche und schließlich zum Dom.
Und die Aufnahmen vermitteln sehr anschaulich die materielle Zerstörungskraft, die der Angriff der 8. US-Luftflotte entwickelt hat. Häuserzeilen wurden zu Ruinen, manchmal ist nicht mal mehr eine Fassade zu erkennen. Vor allem eine Aufnahme aus der Christuskirche macht das ganze Ausmaß der Schäden deutlich: Dort sind einige Stuhlreihen zu sehen, über die man auf die offene Lindenstraße blickt. Die Seitenwand der Kirche ist verschwunden.
Neben den historischen Bildern haben die Ausstellungsmacher jeweils kleine aktuelle Fotos gestellt, die einen Vergleich anschaulich machen. Und auch eine Karte schlüsselt das Ausmaß der Zerstörungen auf, die vor allem auf den Bahnhof und Industrieanlagen im Norden und Süden der Stadt zielten und bei denen nach neuesten Schätzungen insgesamt 1594 Menschen den Tod fanden.
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