Santiano und 900 Fans setzten Segel im Fuldaer Schlosshof
Von Anke Zimmer
Fulda
Die Flensburger von Santiano enterten im Frühjahr mit ihrem Debütalbum die Charts. Seitdem befinden sie sich auf großer Fahrt und setzten gestern Abend mit 900 Zuhörern Segel im Fuldaer Schlosshof.
Klabautermänner und die sturmgepeitschte See, Rum und die Sehnsucht nach der Liebsten daheim: Santiano alias Björn Both, Pete Sage, Hans-Timm Hinrichsen und Axel Stosberg machten aus dem Barockinnenhof des Schlosses einen Schiffsrumpf, in dem sich Matrosen und Kapitäne jedweder Art tummelten. Sie präsentierten gut gelaunt und voller Wucht vor allem die Lieder ihrer ersten erfolgreichen CD.
Zuvor hatten fünf Leser unserer Zeitung ein Treffen mit den bodenständigen Nordlichtern gewonnen. Großes Hallo herrschte dabei im Cateringzelt: Mit Sekt und kleinen Snacks begrüßten Björn Both, Pete Sage & Co. die Gäste, unter ihnen ihren vielleicht größten Fan, den siebenjährigen Nico Lorenz aus Petersberg-Steinau. Nicht auf Planken, sondern auf Bänken nahmen alle Platz und gerieten schnell ins Plaudern. Die Themen zwischen Osthessen und Nordlichtern? Die Tour von Santiano, ihr Werdegang, ihre Vorliebe für See und Schiffe und Shantys ... Ehrensache, dass es eine Menge Unterschriften gab. Und Nico? Der war begeistert, seine Stars mal ganz privat gesehen zu haben. Sein Lieblingslied verriet er auch noch: „Santiano“.
Dann aber hieß es ohne Umschweife: Segel hoch! Pünktlich legte das „stolze“ Schiff ab und ließ von Anfang an keine Flaute aufkommen. Mit Krachern wie „Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren“, „Blow Boys Blow“ und natürlich Nicos Lieblingssong sorgten die Seemänner von Anfang an für Stimmung. Und wer wollte behaupten, Fulda sei Binnenland? „500 Meilen“ sind ein Witz für die 900-Mann starke Gesamtcrew des „27-Masters“, wie Both betonte. Seemannsgarn? Aber nicht doch!
Mit ihren oft rockigen, gerne auch gefühlvollen und mit viel Leidenschaft vorgetragenen Liedern – darunter alte „Klassiker“ des Folk und der Seefahrt, adaptierte Hits und zum Teil selbstgeschriebenes neues Material – lockten sie die Osthessen sozusagen in den hohen Norden. Diese dankten es mit bester Laune und viel Applaus.
Flaute gab es keine, statt dessen stürmte es musikalisch. Woran die Fans nicht unschuldig waren. Je später der Abend wurde, desto wilder ging die Fahrt ab. „Frei wie der Wind“ dürfte wohl bis Flensburg zu hören gewesen sein.
Countryselige Hochzeitslieder, zersägte Geigenbögen, Fans in allen Altersklassen und beste Laune – und auch als die Seemänner auf der Bühne irgendwann anfingen, sich zu wiederholen, störte das weder Matrosen noch Landratten. Was sie selbst humorvoll kommentierten: Als junge Band, die sie nunmal seien, hätten sie halt noch nicht so viele Songs im Repertoire. „Whisky In The Jar“, „Irish Rover“ – und dann wieder „Santiano“. Was nicht nur Nico gefallen hat.
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