Tobias Feldmann räumt drei Preise ab
Von Björn Gauges
Neuhof/Hannover
Dritter Platz für den Neuhofer Tobias Feldmann beim höchstdotierten Violinwettbewerb der Welt. Und nicht nur das:Auch den Kritikerpreis sowie den Publikumspreis konnte der 21-Jährige beim Finale am Wochenende in Hannover im Wortsinne einstreichen.
Hinter Tobias Feldmann liegen zwei aufregende Wochen. Insgesamt fünf Runden galt es gegen eine hochkarätige Konkurrenz zu bestehen, die letzte davon war das Finale des. 8. Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs mit Teilnehmern aus Südkorea, Japan, Moldawien – und dem jungen Neuhofer. Als letzter der sechs Finalisten wurde er am Freitagabend auf die Bühne des NDR-Sendesaals in Hannover gebeten, um – begleitet von der NDR-Philharmonie – ein Stück seiner Wahl vorzutragen. Er entschied sich für das Violinkonzert des finnischen Spätromantikers Jean Sibelius. Denn „das passt zu mir“.
Und er lag mit seiner Wahl (nahezu)goldrichtig. Zwei Stunden nahm sich nach seinem rund einstündigen Vortrag eine hochkarätige Jury aus Professoren, Dirigenten und Musikern Zeit, dann stand fest:Feldmann landete hinter Alexandra Conunova-Dumortier aus Moldawien sowie Dami Kim aus Südkorea, die sich den ersten Platz teilen, auf dem dritten Rang, der mit 20 000 Euro dotiert ist. „Es war eigentlich gar nicht mehr so anstrengend wie die Tage und Wochen zuvor, weil ich wusste, dass danach alles vorbei ist“, erzählt der junge Virtuose gegenüber unserer Zeitung. Der ganze Stress sei von ihm abgefallen und „ich konnte bei dem Auftritt einfach noch einmal alles geben“.
Zufrieden war der in Berlin eingeschriebene Musikstudent aber schon viel früher. „Bei solch einem Wettbewerb kann man schon in der ersten Runde scheitern“, sagt er. Das habe durchaus auch mit dem persönlichen Geschmack der Jury-Mitglieder zu tun. Außerdem „sind das hier alles ganz hervorragende Musiker“. Deshalb „habe ich die Sache von Anfang an locker gesehen“. Wichtig sei vor allem, dass man selbst mit der eigenen Leistung zufrieden sei.
Das kann er, denn eine Kritikerjury hat Feldmanns Finale gar auf Platz eins gesehen und ihm damit den Kritikerpreis sowie weitere 5000 Euro Preisgeld beschert. Dabei handelte es sich um eine Gruppe renommierter internationaler
Journalisten, die die Violinisten aus einem anderen Blickwinkel betrachteten und bewerteten.
Den Publikumspreis und weitere 5000 Euro gab es am Ende obendrein. Die Konzertbesucher konnten unter den sechs Finalisten abstimmen und entschieden sich ebenso mehrheitlich für den Neuhofer. „Umso schöner, wenn man bestätigt bekommt, dass man auch vom Publikum angenommen wird“, freut sich der 21-Jährige, der das Ergebnis anschließend noch mit Freunden und Familie in Hannover ordentlich gefeiert hat.
Und was nimmt er von diesen intensiven zwei Wochen mit ihren immens hohen Anforderungen mit zurück nach Hause, an die Uni und in die Konzerthallen?„Ich habe viel Erfahrung gesammelt“, sagt er. „Teilweise hatte man kaum Zeit, neue Stücke einzustudieren, und musste in kürzester Zeit an die Sache rangehen.“ Das sei wichtig, wenn man später als Violinist in Stresssituationen schnell verschiedene Repertoires einstudieren muss, blickt er bereits ein wenig in die Zukunft. Vor allem aber:„Ich habe meinen Spaß gehabt!“
Dennoch macht er jetzt erst einmal eine Woche Pause. „Die Geige wird in den Schrank gesperrt“, lacht der Musiker. „Ich muss den Kopf jetzt mal für andere Dinge frei bekommen, außerdem würde nach diesen zwei harten Wochen und der ganzen Vorbereitung sowie nichts mehr gehen.“ Osthessens Musikfreunde müssen dennoch nicht allzu lange warten, um in den Genuss eines Auftritts des jungen Preisträgers zu kommen. Der Neuhofer ist zusammen mit seinem Bruder Andreas und weiteren Jugendlichen des Fuldaer Fördervereins für „Hochbegabte Künstler“ am Sonntag, 4. November, um 17 Uhr zu Gast in der Aula der Alten Universität Fulda. Karten für dieses Konzert gibt es im Bürgerbüro der Stadt Fulda.
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