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29. April 2012



Weltstars bei Carmen Nebel in Fulda

Von Bernd Loskant

Fulda
Goethe war in Fulda, der Papst kam, aber ein größeres Staraufgebot als am Wochenende hat es in der Stadt noch nie gegeben: Zur ZDF-Sendung „Willkommen bei Carmen Nebel“, die am Samstagabend live aus der Esperantohalle gesendet wurde, kamen Künstler von Weltrang.

Highlights waren die Auftritte von Lionel Richie und Ex-a-ha-Frontmann Morten Harket. Wenn im Fernsehen innerhalb von 150 Minuten 30 Mal das Wort Fulda fällt, dann muss schon etwas Nichtalltägliches los gewesen sein in der Stadt. Und in der Tat, Carmen Nebel und die Künstler, die im Fernsehen den Namen Fuldas im Fünf-Minutentakt nach Deutschland und Österreich posaunten, brachten Glanz in die Barockstadt. Es sieht so aus, als seien die großen Stars, die früher die Bühne von Thomas Gottschalk nutzten, um ein Millionenpublikum zu erreichen, in der „Wetten, dass..?“-Pause zu Carmen Nebel abgewandert.

Es ist 20.18 Uhr, als die blonde Moderatorin im metallisch glänzenden Kleid, in das eine Spinne ein Netz geschnitten zu haben scheint, aus einer Lichtertür vors Publikum tritt. „Bei uns steppt heute Abend der Bär“, verspricht die 55-Jährige, die deutlich jünger aussieht. Und sie verspricht nicht zuviel: Die Kulisse ist gigantisch, nimmt einen großen Teil der Halle ein. Zwei Bühnen, auf denen abwechselnd die Gäste auftreten, in der Mitte ein Kokon mit einer Couch für ein bisschen Smalltalk, das sind Dimensionen, für die es in Vor-Esperanto-Zeiten keinen Raum in Fulda gab. Wer das Glück hatte, eine der rund 1000 Karten zu ergattern, erlebt eine Fernseh-Inszenierung, in der nichts dem Zufall überlassen ist. Jedes Detail der Sendung ist akribisch vorbereitet, nicht mal lang anhaltender Applaus des Publikums kann den Zeitplan durcheinander bringen – da redet Frau Nebel einfach gegen den Lärm aus der Halle an, und die Regie schaltet für die TV-Zuschauer den Beifall einfach aus.

Wasser und Make-Up für die Moderatorin

Heißt es doch immer, zu Hause vor dem Fernseher sei es gemütlicher als im Studio bei einer Sendung dabei zu sein, so ist das Szenario im Esperanto der Gegenbeweis: Spannend zu sehen, was man im Fernsehen alles nicht sieht.
Kameramänner und Redaktionsmitarbeiter, die in großer Zahl in der Halle hin- und herhuschen; Bühnenarbeiter, die schon mit dem Umbau beginnen, während der letzte Takt eines Liedes noch nicht verklungen ist. Und dann der Zirkus um Carmen Nebel: Immer, wenn die Kameras nicht auf die Moderatorin gerichtet sind, versammelt sich eine Traube von Menschen um die Fernsehfrau: Der eine bringt Wasser, der nächste beleuchtet mit einer Taschenlampe die Textkärtchen für die nächste Moderation, wieder ein anderer bringt Nebels Haare akkurat in Form, und eine Maskenbildnerin trägt noch etwas Puder auf.

Der erste Star von Rang ist Schlagersängerin Andrea Berg (46), die in diesem Jahr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiert und in Fulda mit viel Pyrotechnik ein Medley ihrer größten Hits zum Besten gibt. Als DJ Bobo per Video-Zuschaltung gratuliert, kullern bei der taffen Lady Tränen. Dass sie an diesem Abend vielleicht etwas nervöser ist als sonst, hat auch noch einen anderen Grund: Am Ende der Sendung singt sie mit Weltstar Lionel Richie dessen Hit „Angel“ – ein Lied, das der Sängerin mit der roten Mähne nicht gerade auf den Leib geschneidert scheint. Dennoch honoriert das Publikum das ungleiche Duett mit Standing Ovations.

"Dancemob" mit einigen Hundert Fuldaern

Bis es dazu kommt, vergehen allerdings noch mehr als 100 Minuten, in denen eine Sensation die nächste jagt. Peter Maffay zeigt sein neues Tattoo auf dem rechten Oberarm und singt Lieder aus seinem Musical Tabaluga, das von Schauspieler Rufus Beck und anderen auf der zweiten Bühne in Szene gesetzt wird. Der Graf von Unheilig verrät, wie er kranken Kindern mit dem Verein Herzenswünsche den schweren Alltag versüßt. Der engagierte Musiker hat für seinen Auftritt – er singt „So wie du warst“ – einen ganzen Männerchor mitgebracht.

Morten Harket, der ehemalige Sänger von a-ha, hat mit dem Lied „Scared Of Heights“ einen neuen Ohrwurm im Gepäck – und bekommt dafür etwas Großartiges zurück: Nebel verkündet dem Orchideen-Fan, dass eine Orchideen-Art nach ihm benannt wird. Ähnlich wie bei „Wetten dass…?“ die Saalwette gibt es auch bei Carmen Nebel eine Mitmachaktion fürs Publikum. In Fulda rief die Moderatorin zu einem „Dancemob“ auf. Es wurden zwar nicht die 5000, von denen Carmen Nebel geredet hatte, doch einige Hundert waren es allemal.

Am Ende war klar: Die Show war großartige Werbung für Fulda. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte die Moderatorin: „Wir kommen gerne wieder.“ Fulda sollte sie beim Wort nehmen.

Weitere Meinungen und mehr Hintergründe - unter anderem zur großen After-Show-Party - lesen Sie in der Printausgabe der Fuldaer Zeitung am Montag.



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