1200 Jahre Schlitz: Ein Festakt mit Augenzwinkern
Von Ulrich Schmid
Schlitz
Mal historisch, dann wieder der Zukunft zugewandt, von sachlich bis tief anrührend - die Reden und Grußworte beim offiziellen Festakt der 1200-Jahrfeier der Stadt Schlitz hatten eines gemeinsam, sie wurden mit einem sympathischen Augenzwinkern vorgetragen.
Im voll besetzten Konzertsaal der Landesmusikakademie trug sich der stellvetretende hessische Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) ins Goldene Buch der Stadt Schlitz ein. Und den Schlitzerländern wurde jede Menge Positives ins (immaginäre) Stammbuch geschrieben: Traditionsbewusstsein, Weltoffenheit und bürgerschaftliches Engagement.
Ein Geburtstag sei der Moment, das Echo der Zeit zu hören und diese Rückmeldung mache sensibel für die Werte des Lebens, sagte Stadtverordnetenvorsteher Walter Ritz nach der Begrüßung der Gäste. Erstaunlicherweise sei es den Kommunen, den Städten, stets gelungen alle Staatsformen, -krisen und Kriege zu überdauern.
"Die Entscheidungen für die Zukunft fallen auch in den Gemeinden, deswegen brauchen wir Gelassenheit und Optimismus, dann müssen wir uns nicht ängstigen", sagte Ritz und fügte hinzu, dass es nicht auf die großen Worte, sondern auf die kleinen Taten ankomme.
"Wir müssen die Datentechnik für die Heimarbeitsplätze nutzen und brauchen damit die Menschen nicht mehr täglich auf die Gasse zu schicken", sagte Justizminister Jörg Uwe Hahn in seiner Festrede. Straßen seien wichtig, aber nicht mehr die alleinige Infrastrukturmaßnahme. Die Frage, wieviel Bytes fließen, sei gerade für den ländlichen Raum mindestens genauso wichtig. Mit der neuen medialen Vernetzung könnte verhindert werden, dass zum Beispiel der Vogelsberg und das Schlitzerland zur bevölkerungsfreien Zone werden. Dass Schlitz den Zuschlag für die Verwirklichung der Landesmusikakademie bekam, nannte Hahn eine gute Idee.
"Der Bürgermeister hat auch ganz schön heftig geschubst", sagte Hahn, der den Schlitzerländern eine besondere Art, sich durchzusetzen, attestierte. Lob gab es von Hahn auch für die Integrationsbereitschaft der Schlitzer nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit 25,5 habe das Schlitzerland den dritthöchsten Prozentsatz in Hessen an Vetriebenen aufgenommen. Dies mache Mut, dass jetzt die Integration der neuen Mitbürger gelinge, auch wenn dies schwieriger sei, weil diese oft nicht Deutsch sprächen oder einen anderen Glauben hätten.
Dass das Beherrschen der deutschen Sprache nicht zwingend die Voraussetzung ist, in die Herzen der Zuhörer zu gelangen, bewies Bürgermeister Istvan Toth von der Schlitzer Partnergemeinde Bogyszlo/Ungarn. Die Trachtenvereine der beiden Orte seien der Motor für die Städtepartnerschaft gewesen. Nach dem schönsten Wunsch, dem nach guter Gesundheit, gab es für den Schlitzer Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer (CDU) gleich jede Menge Gastgeschenke: Balinka (einen ungarischen Schnaps), einen Gulden, ein Schatzkästlein und eine in Holz geschnitzte Arbeit erinnert an die 15-jährige Partnerschaft.
Ob er sich einschmeicheln wollte? Ein um die Jahrhundertwende entstandenes Ölgemälde des Berliner Malers Karl Wendel (es zeigt den Schlitzer Burgenring) übergab der neu gewählte Landrat des Vogelsbergkreises, Manfred Görig (SPD), an Bürgermeister Schäfer. Görig sagte, er freue sich, dass Schlitz zum Vogelsbergkreis gehöre und spielte damit auf die vom Schlitzer Bürgermeister Schäfer angedachte "Umsiedlung" an den Landkreis Fulda an. Görig nannte Schlitz Eingangstor und Aushängeschild des Vogelsbergkreises. Das nicht ganz entspannte Verhältnis zwischen Kreis und Stadt "lässt sich ins Lot bringen, ich fange ja gerade erst an", sagte Görig.
"Das Wichtigste in den 1200 Jahren waren die hart arbeitenden Menschen", sagte der Schlitzer Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer in seiner Rede. "Wir müssen mutig und selbstbewusst sagen, wie schön es hier ist, um zu leben und um zu arbeiten", sagte Schäfer, der sich vor Bundes- und Landespolitikern vehement für eine Stärkung des ländlichen Raumes aussprach.
Einen Grund zur Freude nannte der evangelische Pfarrer Siegfried Schmidt das Kirchen- und Stadtjubiläum. Er machte den Zuhörern Mut. "Unsere Vorfahren standen schon vor größeren Herausforderungen", sagte Schmitt. In diese Kerbe schlug auch Rüdiger Muth vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft. "Wir dürfen nicht unsere Depressionen kultivieren", sagte Muth, dessen hessischer Landesverband seinen Sitz in Schlitz hat.
Bundestagsabgeordneter Michael Brand (CDU) nannte Schlitz eine Stadt, in der er sich zu Hause fühle. Er forderte die Schlitzer auf, sich ihre Besonderheiten zu erhalten. Bei der anwesenden Schrifstellerin und Ehrenbürgerin der Stadt Schlitz, Gudrun Pausewang, bedankte Brand sich für all das, was sie geschaffen habe.
Weitere Grußworte sprachen: Bürgermeister Jürgen Ackermann (Grebenau) für den hessischen Städte- und Gemeindebund, Lothar R. Behounek, Direktor der Landesmusikakademie, Dr. Ursula Jungherr vom Landesmusikrat Hessen und Bierkönigin Nadine (Lauterbacher Burgbrauerei/Auerhahn Bräu Schlitz).
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