Abschlusskonzert des 27. Kammermusik-Förderkurses
Von Volker Puthz
Schlitz
In einem Matineekonzert stellten sich am vergangenen Sonntag einundzwanzig junge Musiker/Innen aus Hessen im Konzertsaal der Landesmusikakademie vor. Ihre Leistungen waren durchgehend von hohem, mehrfach von höchstem Niveau.
Der Landesmusikrat Hessen fördert traditionell junge Musiker/Innen aus Hessen, die sich im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ ausgezeichnet haben. Zum Beispiel in Kammermusik-Förderkursen, in denen namhafte Dozenten die preisgekrönten jungen Leute weiter schulen. Es nimmt also nicht jeder, der dazu Lust hat, an einem solchen Kurs teil, sondern nur diejenigen, die schon über ein gerüttelt Maß an Technik und Interpretationskunst verfügen. Die Teilnehmer sind zwischen zwölf und siebzehn Jahre alt.
Der 27. Förderkurs für Kammermusik fand in den letzten zehn Tagen in der Landesmusikakademie Hessen, Schlitz statt – und hier gehört er auch hin! Immer wieder kann man nur staunen über das, was in dieser kurzen Zeit erarbeitet werden konnte, wenn man die Abschlusskonzerte dieser Förderkurse besucht.
In seinen einleitenden Begrüßungsworten sprach Kursleiter Peter Wolf von der angenehmen Arbeitsatmosphäre in Schlitz, von den konzentrierten Übungsleistungen und davon, dass sich in solchen Kursen manchmal Entscheidungen entwickeln über den weiteren Lebensweg der Beteiligten. Er dankte dem Landesmusikrat, den Organisatoren und Begleitern und selbstverständlich auch den Dozenten: Prof. Stoodt/Peter Wolf (für die Streicher), Prof. Thomé (für die Holzbläser), Prof. Bruschke (für die Blechbläser) und Prof. Merkle (für Klavier).
Diesmal stand die Formation des Klaviertrios im Vordergrund, aber auch andere Kombinationen, zum Beispiel mit Bläsern, konnten bestaunt werden. Und der Musikfreund freut sich nicht zuletzt darüber, bei solchen Anlässen auch einmal Stücke zu hören, die nicht nur zum traditionellen Konzertprogramm gehören.
So zum Beispiel über einen Satz aus dem eingängigen Klavierquintett op. posth. von Rimsky-Korsakoff. Violetta Gaul (Querflöte), Nadine Kremer (Klarinette), Britta Schäfer (Horn), Lisanne Traub (Fagott) und Wiebke Schäfer (Klavier) eröffneten damit das Konzert und brachten diese recht einfach strukturierte Musik wohlklingend zu Gehör.
Rührend danach der allerliebste 1. Satz aus Haydns Klaviertrio 1 in F-Dur, den Alexandra Tsiokou (Violine), Lene Müller (Violoncello) und Malte Schäfer (Klavier) hausmusikalisch perfekt spielten. Der junge Pianist bestach durch sein aufmerksam-einfühlsames Zusammenspiel.
Perfekt aufeinander eingespielt erwiesen sich Carla Winter (Violine) und Jakob Schwarz (Cello) in der Passacaglia über ein Händel-Thema von Johan Halvorsen. Und Felix Waidhas erfreute mit dem „Vogelhändler-Lied“ aus Mozarts „Zauberflöte“ sowie mit einem Lied aus Schuberts „Schöner Müllerin“).
Blachers Divertimento für drei Bläser (Carolin Seelhof, Trompete; Malte Neidhardt, Posaune; Britta Schäfer, Klavier) brachte Klänge des 20. Jahrhunderts mit jazzigen Schnörkeln in den Konzertsaal.
Den absoluten Höhepunkt bildete die Interpretation des 1. Satzes aus Schumanns 1. Klaviertrio op. 63, 1: David Marquard (Violine), Janis Marquard (Cello) und Julius Asal (Klavier) spielten dieses ur-romantische Stück mit hervorragend abgestimmter Dynamik, mitreißend rhythmischen Akzenten, pointierter Frische und zarter Einfühlungsgabe. Vor allem wird man sich den Pianisten merken müssen.
Querflöte (Violetta Gaul), Klarinette (Nadine Kremer) und Fagott (Lisanne Traub) brachten 2 Sätze aus Koechlins Trio op. 92 zur Aufführung: gut aufeinander hörend, klug im Geben und Nehmen.
Fetzig wurde es sodann mit Astor Piazolla. Hye In Han (Violine), David Fuchs (Cello) und Charlotte Hackert (Klavier) trafen in der Komposition „Otoño Porteño“ (= Herbst in Buenos Aires) den spannungsreichen und auch klagenden Piazolla-Ton ausgezeichnet.
Und mit dem hochromantischen „Lento lugubre“ aus Rachmaninoffs Klaviertrio op. posth. brillierten zum Schluss des Konzerts Caroline Spengler (Violine), Jacob Schwarz (Cello) und Henriette Büsing (Klavier).
Rachmaninoff bringt hier hinreißend seine Trauer über das vergangene herrliche und große Russland zum Ausdruck, der Satz schließt mit Trauermarsch-Rhythmen im Klavier. Die drei genannten jungen Musiker/Innen schwelgten in den melancholischen Bögen und in den leidenschaftlichen Aufschwüngen dieser Musik.
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