Arbeitsreiches Jahr liegt hinter dem Schafhalterverein
Von Dieter Graulich
Vogelsbergkreis
Schmallenbergvirus, Vorstandswahlen und der Jahresrückblick waren jetzt die Schwerpunkte der Jahres-hauptversammlung des Schafhalterverein Vogelsberg im "Jägerhof" im Lauterbacher Stadtteil Maar.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Wolfgang Pschierer informierte Amtstierarzt Dr. Robert Risse die 60 anwesenden Schafhalter über den so genannten "Schmallenberg-Virus", der Rinder, Schafe und Ziegen bedrohe und im Herbst vergangenen Jahres erstmals festgestellt wurde. Er sei aus den Niederlanden kommend, zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen aufgetreten habe sich inzwischen auch in Hessen verbreitet. Im Vogelsbergkreis gebe es zurzeit sechs Verdachtsfälle. Bei ausgewachsenen Rindern, Schafen und Ziegen führt es laut Dr. Riße zu "milden Erkrankungen", bei Kälbern und Lämmern aber verursacht das Virus erhebliche Missbildungen, und zwar noch im Mutterleib. In der Regel führen sie bereits vor der Geburt zum Tod der Jungtiere.
Nach Ansicht des Friedrich-Löffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, ist bislang nicht von einem Risiko für den Menschen auszugehen. Zur Feststellung und Beobachtung des Infektionsgeschehens soll in Deutschland eine Meldepflicht für Verdachtsfälle eingeführt werden, kündigte Riße an. Über neugeborene und totgeborene Wiederkäuer mit typischen Missbildungen an den Gliedmaßen und am Kopf seien in Hessen die zuständigen Veterinärämter zu informieren. Blutproben von diesen neugeborenen Tieren werden nach Absprache mit dem Veterinäramt im Landeslabor in Gießen untersucht.
Wird ein Lamm tot geboren, kann auch der ganze Tierkörper dort untersucht werden. Relativ sicher sei, dass das Virus durch so genannte Gnitzen (Mücken), verbreitet werde, schilderte der Amtsarzt den Hintergrund. Die Verbreitung des "Schmallenberg-Virus" ähnelt damit der der Blauzungenkrankheit in den vergangenen Jahren. "Demzufolge kann jeder Tierhalter versuchen, seine Herde durch Behandlung mit Insektiziden, ähnlich wie bei der Blauzungenkrankheit, zu schützen", so der Rat des Amtstierarztes. Dies sei vor allem in der mückenaktiven Zeit eine sinnvolle Maßnahme, um die Ausbreitung der Infektion durch das "Schmallenberg-Virus" einzudämmen.
Zudem werde versucht einen Impfstoff zu entwickeln, erklärt er. Zur Entschädigung war zu hören, dass dazu Gespräche mit der Tierseuchenkasse zu führen seien. EU, Bund und Länder hielten sich in Zeiten leerer Kassen sehr zurück. Deshalb gelte auch nur die Meldepflicht. Bei einer Anzeigenpflicht müsse nämlich eine Entschädigung gezahlt werden.
Auf ein arbeitsreiches Jahr des Schafhaltervereins Vogelsberg blickte im Anschluss Vorsitzender Wolfgang Pschierer zurück. Als Höhepunkte des Berichtsjahres nannte der Vorsitzende die 15. Vogelsberger Lammwochen mit der Auftaktveranstaltung im "Gasthaus Graulich" in Schwalmtal-Rainrod, die Schafschur in Schloss Eisenbach und den 16. "Tag des Schafes" in Maar.
Die länderübergreifende Fachexkursion "Landschaftspflege" habe im Vorjahr in den Thüringer Wald geführt. Die Beteiligung an der gemeinsamen Wollannahme bezeichnete er als sehr gut. So wurden in Einartshausen und Maar zusammen 5.885 Kilogramm angenommen. Zum 30. Mal hätten Mitglieder am Lauterbacher Prämienmarkt teilgenommen und der Tagesausflug führte nach Bamberg, war weiter zu hören. Als sehr gut bezeichnete er das Gespräch der Schafhalter mit Ministerin Lucia Puttrich, das bei der Eröffnung der Lammwoche zugesagt worden war und in Wiesbaden stattfand.
Den Mitgliederstand nannte er derzeit gleich bleibend mit 141. Bei den anstehenden Vorstandswahlen wurde Vorsitzender Pschierer, Geschäftsführer Werner Eifert und Rechner Markus Hofmann jeweils einstimmig wiedergewählt. Neue Kassenprüfer wurden Thomas Ondra, Thomas Hess und Martin Kimpel. Karl-Peter Mütze, Leiter des Amtes für den ländlichen Raum, ging in seinem Grußwort auf die EU-Förderung ab 2014 und das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg ein. Die Schafhalter forderte er dabei zur aktiven Mitarbeit bei dem Projekt auf.
Für 2012 stehen erneut zahlreiche Termine in Aussicht. Für den 22. März sei die Auftaktveranstaltung der Vogelsberger Lammwochen in der "Vulkanscheune" Jöckel in Nieder-Moos geplant. Weitere Veranstaltungen seien am 6. April mit der Schafschur in Eisenbach, am 12. Juni mit der länderübergreifenden Fachexkursion, dem Vogelsberger "Tag des Schafes" am 16. September sowie mit Infoveranstaltungen am 2. März und 13. April in Maar geplant.
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