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12. Januar 2012



DGH in Bernshausen: Jenseits von Kosten und Ertrag

Von HANS-PETER SAURWEIN

Bernshausen
Es war klar, dass der Artikel über die Kosten und Erträge der Dorfgemeinschafts-häuser in den Stadtteilen nicht unbedingt ein positives Leserecho findet.

„Wir lassen unser Dorfgemeinschaftshaus nicht auf Kosten und Erträge reduzieren“, erklärt Erich Schneider, Ortsvorsteher von Bernshausen, am Telefon. Das klang schon ziemlich erbost und endete – nach einer langen Telefondiskussion – versöhnlich mit einer Einladung in das Bernshäuser Dorfgemeinschaftshaus. Doch blicken wir nochmals kurz zurück. Die in der Stadtverordnetenversammlung erfragten Kosten ergaben für das DGH in Bernshausen im Jahr 2010 eine Gesamtsumme von 11.992,62 Euro. Dem standen Einnahmen aus drei kostenpflichtigen Veranstaltungen von 180 Euro gegenüber.

Erstes Halbjahr 2012 fast ausgebucht

Im Bernshäuser DGH legten vergangenen Montag Ortsvorsteher Erich Schneider und sein Stellvertreter Walter Schaaf den Belegungsplan für das Jahr 2012 vor. „Wir sind im ersten Halbjahr fast komplett ausgebucht“, deutet Schneider auf den in der Küche hängenden Kalender. „Wöchentlich proben hier dienstags der Männerchor und donnerstags der Frauenchor. Jeden Mittwoch belegen die Gymnastikdamen den großen Saal. „TonArt B“, unser dritter Chor, probt circa 2-3 Mal im Monat und alle drei Wochen ist hier auch der Kindergottesdienst. Im Winterhalbjahr (Okt.-März) treffen sich freitags hier noch die Feuerwehr-Senioren, der Ortsbeirat tagt ca. viermal und die örtliche Weihnachtsfeier findet statt“. Das kommt überzeugend und wird mit dem Belegungsplan untermauert.

Schon Aufschwung in 2011

Schneider und Schaaf berichten, dass sich schon im vergangenen Jahr vieles geändert hat. Zweimal sei da seit Mai der Thekenraum (kleiner Saal) vermietet gewesen, viermal für Feiern das ganze DGH. Es haben drei Altennachmittage mit Kaffee und Kuchen stattgefunden und dreimal war das DGH nach einer Beerdigung zum Kaffeetrinken gebucht gewesen. Dieser positive Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort und der Ortsvorsteher merkt an, dass immer mehr Anfragen aus Bad Salzschlirf kommen. Bereits zwei der vier Veranstaltungen des vergangenen Jahres seien schon von dort gebucht worden. Bedingt durch die Chöre, die Feuerwehr, den Kindergottesdienst und die Altennachmittage sei auch die Dorfgemeinschaft besser zusammengewachsen. Es werde immer mehr zusammen gemacht.

60 Kinder unter 12 Jahre in Bernshausen

„Durch den Kindergottesdienst ist da bei uns etwas ganz Neues entstanden“, erzählt Erich Schneider. „Da ist unter der Leitung von Yvonne Hessler und Ute Gohlke eine Kindergruppe zusammengewachsen, die mittlerweile neben dem Kindergottesdienst unheimlich viel zusammen unternehmen. Da wird gebastelt, gesungen und gewerkelt.
Das sind schon über 20 Kinder von unseren 60, die wir im Ort haben und die unter 12 Jahre alt sind. Die wollen sich jetzt einfach regelmäßig treffen und viel gemeinsam machen“, berichtet er nicht ohne Stolz.

Verbindliche Regelungen für die Nutzung eines Jugendraumes gefordert

Dem pflichtet auch sein Stellvertreter Walter Schaaf bei. Probleme sehen allerdings beide bei der Nutzung des DGHs durch die Jungendlichen des Ortes. „Wir würden denen gerne einen Raum zur Verfügung stellen und so auch die Teenager im Ort halten. Das wirft aber rechtlich so viele Fragen auf, die einmal unter den Ortsvorstehern einheitlich für alle Schlitzerländer DGHs geklärt werden müssten: Jugendschutzgesetz, Einwilligungserklärung der Eltern, Aufsicht durch Erwachsene? Jeder möchte den Jugendlichen ihren Freiraum lassen, doch müssen wir als Verantwortliche auch rechtlich abgesichert sein“, betonen die beiden einmütig.

Barrierefrei in die Zukunft

Erich Schneider und Walter Schaaf sehen eindeutig einen positiven Trend für die kommenden Jahre, sowohl für die Kosten/Einnahme-Rechnungen, als auch für die Dorfgemeinschaft. Einen Wermutstropfen gibt es aber dennoch: die Toiletten im Keller. „Wir könnten durchaus mehr erreichen, wenn wir die Toiletten oben hätten, ohne Barrieren wie diese Treppe. Auch die älteren Leute aus dem Ort scheuen sich, diese zu benutzen. Das ist verständlich, weil denen das Treppensteigen im Alter immer schwerer fällt. Die könnten wir mit oben liegenden, frei zugänglichen Toiletten besser in die Dorfgemeinschaft mit einbinden. Auch bei den Vermietungen wird dieses Thema immer mehr eine Rolle spielen“, meinen Schneider und Schaaf und sehen sich den neueren DGHs gegenüber klar im Nachteil.

„Wir wollten in dem Gespräch auch einmal die andere Seite aufzeigen – die Dorfgemeinschaft, die nicht in Euro zu berechnen ist. Wir sind der Meinung, dass sich diese Aufwendungen für das Bernshäuser Dorfgemeinschaftshaus durchaus lohnen, denn durch dieses gibt es wieder eine intakte Dorfgemeinschaft“, ziehen Ortsvorsteher und Stellvertreter ein abschließendes Resümee.



Leser-Kommentare ( 2 )
  • ordnas (1) | 12. January 2012;12.01.2012;1326369172 --> 12 Januar 2012
    Dorfgemeinschaftshäuser

    Die Subvention der DGH’s führt dazu, dass die wenigen Gastronomiebetriebe im Schlitzerland es noch schwerer haben. Nicht nur weil Feierlichkeiten in die DGH’s verlagert werden sondern auch weil die Relation zu den notwendigen Verkaufspreisen durch kommunale Subventionen verzehrt werden. In der Konsequenz führt dies zu einem sterben des klassischen Landgasthofes, der Vernichtung von Arbeitsplätzen und ganz nebenbei verliert der ländliche Raum ein Stück Kulturgut und Tradition. Schade!

  • wickie (23) | 12. January 2012;12.01.2012;1326366692 --> 12 Januar 2012
    Dorfgemeinschaft ist wichtig.....

    aber der Haushalt einer Gemeinde oder einer Stadt ebenso. Vorschlag: Warum übergibt man die räumliche und finanzielle Verantwortung nicht den örtlichen Vereinen? Denn sie sind es doch die die Räumlichkeiten überwiegend nutzen. In Eigeninitiative lassen sich dann bestimmt auch die Toiletten umbauen - sonst wird daraus doch sowieso nichts.