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19. Januar 2012



Demografie zwischen Chance und Schicksal

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Vogelsbergkreis
Noch vor Jahresende stellte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung die Studie „Die Zukunft der Dörfer - Zwischen Stabilität und demografischem Niedergang“ vor, eine Studie, die seither im Vogelsbergkreis auf viel Resonanz stieß und einer interessierten Öffentlichkeit in Romrod vorgestellt wurde.

Das Interesse kam nicht von ungefähr, schlagen sich doch auf den 76 Seiten der Studie die Ergebnisse von Untersuchungen nieder, die im vergangenen Jahr neben dem thüringischen Kreis Greiz im Vogelsbergkreis vorgenommen worden waren. Dass der Vogelsbergkreis dabei Untersuchungsgegenstand wurde, hat einen einfachen Grund, wie Steffen Kröhnert, einer der Autoren der Studie, erläutert.

Mit einem Bevölkerungsverlust von fast einem Prozent pro Jahr ist der Vogelsbergkreis, der dünn besiedelste Kreis Hessens, einer der am schnellsten schrumpfenden Landkreise der alten Bundesrepublik. Waren es 1996 beim Höchststand noch 119.000 Einwohner, die in den 19 Städten und Gemeinden des Kreises lebten, sind es aktuell noch knapp 110.000, die in einem Kreis leben, den die Studie „an der Peripherie eines reichen Bundeslandes“ ansiedelt.

Städte mit mehr als 10.000 Einwohner gibt es nicht, Alsfelds Kernstadt ist mit 9600 die größte, in knapp zehn Jahren verlor der Kreis drei Prozent Erwerbstätige, 2009 waren es noch 43.000, immer mehr Vogelsberger müssen pendeln, das Bruttoinlands-produkt pro Einwohner liegt bei 21.000 Euro und ist geringer als in Mecklenburg-Vorpommern und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 29.000 Euro.

Die Studien versteht sich am Beispiel des Vogelsbergkreises und des Kreises Greiz als „eine Bestandsaufnahme der für viele Menschen betrüblichen Lage im ländlichen Raum“. Ihr Ziel ist es, Kriterien für Stabilität und Niedergang zu ermitteln. Sie will zeigen, „welche Kriterien für eine mögliche Stabilität von Dörfern sprechen und wo es aller Voraussicht nach schwierig wird, eine langfristige Besiedlung aufrechtzuerhalten“.

Dies auch vor dem Hintergrund, „dass sich die Bedingungen der Vergangenheit, in der das Land flächendeckend auf eine Angleichung der Lebensverhältnisse hoffen konnte, nicht in die Zukunft retten lassen“. Ausgangspunkt der Studie: Der demografische Wandel verstärkt die Landflucht. Geburten und Zuzüge gleichen Sterbefälle und Wegzug nicht mehr aus, Einnahmen aus Steuern und Abgaben gehen zurück, die Kosten für die Infrastruktur wie Wasser, Abwasser oder Müll werden auf immer weniger Einwohner umgelegt, die Kommunen sitzen auf aufwändigen Ent- und Versorgungssystemen, deren Betrieb und Unterhalt mit weniger Nutzern nicht billiger wird. Das Leben wird für die Verbleibenden teurer und unattraktiver.

In diesem Schicksal, das Vogelsberger Dörfer mit vielen Regionen der Welt teilen, sehen die Autoren der Studie zugleich „eine große Chance“. Statt sich dem Schicksal zu ergeben und „irgendwann zu entvölkern”, könnten die ländlichen Gebiete „mit innovativen Ideen zu Pionieren des demografischen Wandels“, zu einem „Gesellschaftslabor“, zu einem „Testfeld für den Dialog mit den Bürgern über neue Formen des Gemeinwesens“ werden.

„Sie können und müssen“, heißt es in der Studie, „die Lösungen der Zukunft erfinden, die billiger, effizienter und ressourcenschonender sind”: kostengünstige, dezentrale Abwassersysteme, kleine Schulen mit neuen Lernformen, eine abgestimmte Mischung mobiler und dezentraler Gesundheitsdienste und vor allem eine Energieversorgung aus regenerativen Quellen, die schon deswegen aus den ländlichen Räumen kommen müsse, weil es nur dort die notwendigen Flächen gibt.

Demografie zwischen Chance und Schicksal – die Studie des Berlin-Instituts ist eine Aufforderung zur Diskussion. Mit der Vorstellung in Romrod hat im Vogelsbergkreis zumindest die öffentliche Diskussion der Studie begonnen, die Diskussion über die Folgen und Konsequenzen des demografischen Wandels dauert schon lange an.



Leser-Kommentare ( 1 )
  • wickie (23) | 19. January 2012;19.01.2012;1326990529 --> 19 Januar 2012
    Der Vogelsbergkreis

    ist nicht attraktiv genug. Lauterbach ist kein Magnet - für junge Leute fehlt das Angebot und die Wirtschaft findet sich hier auch nicht. Was hält einen hier? Nichts !! Selbst die Einwohner - Vetternwirtschaft - Vereinsmeierei - als Außenstehender bekommt man keine Möglichkeit sich zu integrieren. Der Landkreis Fulda ist ein Stück weiter - also Schlitz - kämpft dafür!!