Diamantene, Eiserne und Gnaden-Konfirmation begangen
Von Sigi Stock
Hartershausen
Damals, vor 75, 65 und vor 60 Jahren standen sie schon einmal vor dem Alter in der Nikolaikirche in Hartershausen um den Segen Gottes zu ihrer Konfirmation durch Pfarrer Bischoff und Pfarrer Köhl zu empfangen.
Viel Zeit ist bis heute vergangen, vieles haben die KonfirmandInnen bis dato erlebt, eine Zeit mit Höhen und Tiefen, mit Sonne und Schatten. Noch all zu gut kann sich der eine oder andere an diese Zeit von damals erinnern.
Am Sonntag, dem 2. September, traten sie erneut vor den Altar in der kleinen Kirche, um den Segen Gottes zu erneuern. Im Beisein vieler Gemeindemitglieder und Angehörigen führte sie Pfarrer Jürgen Seng in die Kirche bzw. vor den Altar und hielt den Gottesdienst mit anschließendem Abendmahl zur Jubiläumskonfirmation. Das Leben ist nicht immer einfach und schon gar nicht gerecht. Viele von damals konnten leider dieser wunderschönen Zeremonie nicht mehr beiwohnen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Holger Eurich an der Orgel und Britta Seng (Querflöte) begleitet. Die Durchführung der großen Jubiläumskonfirmation fand auf Anregung der Konfirmandenjahrgänge statt.
Die Gnaden-Konfirmanden haben ihre Konfirmation vor 70 Jahren, im Frühjahr 1942, erlebt. Es war Krieg in Deutschland. Viele fürchteten um ihr Leben und das Leben ihrer Angehörigen. Man spürte, wie wichtig der Segen Gottes war um der aufgewühlten Seele Ruhe und Kraft zu geben. Im Frühjahr 1947, vor 65 Jahren, feierten die heutigen Eisernen Konfirmanden ihre damalige Konfirmation. Deutschland lag in Schutt und Asche. Jedermann spürte, wie wichtig der Segen Gottes zur Neuorientierung und einem Neuanfang nach den Schrecken von Nationalsozialismus und Krieg war. Die Diamantenen Konfirmanden feierten vor 60 Jahren im Frühjahr 1952 ihr Fest der Konfirmation. Da war die Bundesrepublik erst drei Jahre jung und die Deutschen hatten alle Hände voll zu tun, ihr Land wieder neu zu ordnen und aufzubauen.
Der Konfiunterricht während des Krieges war garantiert kein Zuckerschlecken, Zensur durch die Nazis, größere Gruppen als heute. Die Konfirmanden hatten es auch nicht ganz leicht mit ihren Pfarrern! Man musste außerordentlich viel Lernen: Luthers Katechismus, Psalmen, Bibelsprüche und Lieder. Mit 14 Jahren konnte man kaum ahnen, wozu dass alles gut sein könnte. Das damalige Erlebnis der Konfirmation war eine Einladung zum Glauben, zum Leben in der Gemeinschaft der christlichen Kirche, aber auch eine Entlassung ins Leben. Im Rückblick auf das Leben ist nicht immer deutlich zu sehen, ob sich dieser Segen in ihrem Leben als Glück in der Familie, als Erfolg im Beruf, als Rettung in der Not und als Trost in mancher Traurigkeit auswirkte.
Fragt man sich heute, welche Kräfte denn besonders hilfreich waren, damit der Segen Gottes sich im Leben auswirken und entfalten konnte, dann sind vor allem vier große Mächte und Kräfte zu nennen: der Glaube, das Gebet, die Liebe und die Hoffnung. Pfarrer Seng stellte seine Predigt unter das Bibelwort von Judas: „Ihr aber, meine Lieben, erbaut euch auf euren Allerheiligsten Glauben, und betet im heiligen Geist, und erhaltet euch in der Liebe Gottes, und hofft auf Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben“.
Zur Erinnerung an die große Jubiläumskonfirmation erhielten die Gaden, Eisernen und Diamantenen Konfirmanden eine Urkunde mit einer Arbeit des Malers und Zeichners Caspar David Friedrich „Gipfelkreuz“ sowie ein Heftchen mit Segenswünschen. Unterstützung bekam Pfarrer Seng dabei von den jetzigen Hartershäuser Konfirmandinnen Jana Hermann, Chiara Schmidt und Anna Lena Marx.
Die Gnaden-Konfirmanden: Wilhelmine Kimpel, geb. Göbel, Christine Schmidt, geb. Quanz, Friedrich Dickert, Heinrich Obenhack, Friedrich Becker, Heinrich Jörg und Hans Röder. Gedacht wurde den Verstorbenen: Heinrich Dückert, Heinrich Sippel, Margarete Hilpert, geb. Eurich, Karl Schaub, Elise Herrmann, geb. Göbel, Sophie Steinacker, geb. Kreuzer und Irmgard Schulz, geb. Lachmann. Die Eisernen Konfirmanden: Katharina Alles, geb. Schmidt, Emma Axt, geb. Lorenz, Katharina Luft, geb. Hohmeier, Hans Becker, Karl Schäfer, Adolf Stolle und Johannes Röder. Gedacht wurde den Verstorbenen: Margarete Kreuzer, geb. Lips, Hans Wahl, Alfred Sonnenberg, Adam Bohländer und Rolf Zinser.
Die Diamantenen Konfirmanden: Christel Deutsch, geb. Füg, Heinrich Ritz, Heinrich Eurich, Hans Stöppler, Walter Schmier, Hans Karl Hohmeier, Hans Schmidt, Otto Siebert, Hans Schmier, Lotti Schäfer, geb. Ritz, Erna Saurwein, geb. Ritz, Horst Zinser und Gretel Fenner, geb. Webert. Gedacht wurde den Verstorbenen: Gisela Post, geb. Hahn und Christel Schmidt, geb. Faust. „Gott, du kennst die Wege, die wir gegangen sind – durch unser Leben. Die uns bis hierher geführt haben.
Als wir klein waren und als wir groß wurden; als wir jung waren und als wir älter wurden. Wege, die uns leicht fielen – die einfach und schön waren – und dann Wege, die schwer waren. Wege, die wir zusammen gingen und Wege, die wir alleine gehen mussten. Wege, die auch bestimmt wurden von Zeiten, in denen wir gelebt haben. Bestimmt von Ereignissen. Gott, du begleitest uns durch die vielen Wege des Lebens, sei und bleibe uns freundlich zugewandt. Amen!“
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