Die Hälfte der Betroffenen wählt Inklusion
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Vogelsbergkreis
„Unsere Schulen sind ordentlich mit Lehrern versorgt. Es wurden 25 Stellen mehr geschaffen als im vergangenen Jahr.“
Dies stellte Heinz Kipp, Leiter des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis, in der jährlichen Pressekonferenz zu Beginn des Schuljahres fest. Mit dabei auch sein Stellvertreter Christoph Fellner von Feldegg sowie Stellendezernent Volker Karger. Das beherrschende Thema war in diesem Jahr eindeutig die Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen.
Doch zunächst nannte Kipp noch einige Zahlen: Die Schülerzahlen seien sowohl in Stadt und Kreis Gießen ebenso wie im Vogelsbergkreis leicht rückläufig. Dies belegt ein Blick auf die Zahlen der Schüler in den Klassen 1 bis 5. So besuchen im Vogelsberg 885 Kinder die Klasse 5, neu eingeschult in diesem Jahr werden noch 812 (siehe Kasten). Das sind aber immer noch genügend Kinder, um die Grundschulen ganz normal weiterlaufen zu lassen. „Ein Gefährdung der Grundschulen in Antrifttal oder Kirtorf, wie teilweise vor Ort befürchtet, ist nicht zu erkennen“, teilte Christoph Fellner von Feldegg auf Anfrage mit. Die Zahl der Neueinstellungen liegt bei 13: Zwei Lehrer in den Grundschulen, vier in den Haupt- und Realschulen, zwei in den Förderschulen, drei in den Gymnasien und zwei in den Berufsschulen.
Die Gesamtstellenzahl im Bereich des Schulamts, ergänzte Kipp, beträgt 3336, die Anzahl der Lehrer sei mit über 3800 Kollegen allerdings viel höher.
Rund 50 Prozent aller Schulen halten ein Ganztagsangebot bereit, im Vogelsbergkreis werden die Grundschulen in Schwalmtal und Homberg neu ins Programm aufgenommen. Erwähnenswert ist noch, dass der Vogelsbergkreis jetzt über drei sogenannte „selbständige Schulen“ verfügt, nämlich die Max-Eyth-Schule in Alsfeld, sowie die Alexander-von-Humboldt-Schule und die Vogelsbergschule in Lauterbach. Diese Schulen haben größere Entscheidungsbefugnisse in Sachen Lehrereinstellung und Budgetverteilung. Ein weiteres Diskussionsthema, nämlich die acht- oder neunjährige Schulzeit in den Gymnasien (G8 oder G9), wird erst im September wieder akut. Bis dahin sollen die Schulen nämlich Erfahrungsberichte und Stellungnahmen abgeben.
Zum Thema „Inklusion“ stellte Kipp fest, dass es in Hessen „bereits seit 1985 den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern“ gebe. Nun habe sich nach der UN-Behindertenrechtskonvention die Herangehensweise völlig verändert. Jedes Kind wird ab sofort vor Ort in eine Grundschule eingeschult, ein Förderausschuss hat dann über eine mögliche Förderfähigkeit des Kindes zu entscheiden. Hintergrund: In Hessen soll ab diesem Schuljahr jedes Kind mit Behinderungen die Regelschule besuchen dürfen. Eltern sollen wählen können, wo ihr Kind unterrichtet wird.
Über den Förderbedarf entscheidet der sogenannte Förderausschuss, in dem Elternvertreter, Schulleitung, Psychologen und andere Berater sitzen. Den Vorsitz nehmen die Beratungs- und Förderzentren ein, nicht mehr das Staatliche Schulamt, erläuterte Kipp. Beratungs- und Förderzentren im Vogelsbergkreis sind die Erich-Kästner-Schule in Alsfeld, die Pestalozzischule in Nieder-Gemünden und die Helmut-von-Braken-Schule in Herbstein. Die Entscheidung für oder gegen eine inklusive Maßnahme muss einstimmig fallen, sonst entscheidet das Schulamt.
Rund die Hälfte aller Kinder beziehungsweise deren Eltern macht von der Möglichkeit der inklusiven Unterrichtung Gebrauch. Im Vogelsberg sind es 79 Kinder, die das neue Angebot nutzen, 153 Maßnahmen im gemeinsamen Unterricht gab es zuvor schon. „Für uns ist das Neuland“; räumte Kipp abschließend ein, wies aber darauf hin, dass es im europäischen Ausland durchaus Erfahrungen zu dieser Art des Unterrichts gebe.
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