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3. Mai 2012



Die Maikundgebung des DGB in Schlitz

Von Hans-Peter Saurwein

Schlitz
Allen Unkenrufen zum Trotz, das Foyer des Schlitzer Bürgerhauses war am 1. Mai zur Kundgebung gut gefüllt. „Man kann ja anschließend immer noch eines der vielen anderen Feste aufsuchen“, so ein Teilnehmer.

Dennoch ließ es sich nicht leugnen, dass das Durchschnittsalter der Zuhörer von Jahr zu Jahr steigt, es fehlen die jungen Teilnehmer. Uli Mühling, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Schlitz, begrüßte neben den zahlreichen Zuhörern auch die Schlitzer Ehrenbürgerin Gudrun Pausewang und den Hauptredner Robert Weißenbrunner, 1. Bevollmächtigter der IG Metall - Verwaltungsstelle Hanau - Fulda.

Das zentrale Thema in diesem Jahr: „Gute Arbeit für Europa, Gerechte Löhne, Soziale Sicherheit“. Mühling verknüpfte das Thema eindrucksvoll mit den Gegebenheiten auf kommunaler Ebene. Hier belege Schlitz in einer Statistik, die er im letzten Jahr gelesen habe, bei den sozialversicherungspflichtigen Einkommen den letzten Platz. Von 2000 bis in das Jahr 2010 sei die Zahl so dramatisch gesunken, dass heute nicht einmal jeder fünfte einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz inne habe. „Deswegen müssen 8,50 Euro als Mindestlohn drin sein, alles andere ist Sklaverei“, forderte er.

Hauptredner Robert Weißenbrunner spann dagegen in seiner kämpferischen Rede den großen, europaweiten Bogen: Ausstieg aus der Atomenergie, atomwaffenfreie Welt, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Eurokrise, Fiskalpaket, europäische Jungendarbeitslosigkeit, Flexibilisierung der Arbeit, Anhebung des Rentenalters, Mindestlohn, Umverteilung und natürlich die aktuelle Tarifauseinandersetzung der IG Metall. „Das gesellschaftliche Zusammenrücken in der Krise war leider nur von kurzer Dauer.

Gemeinsam mit Politik und Wirtschaft war es uns gelungen, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu halten. Das Krisenmanagement funktionierte. Mit Kurzarbeit, Abwrackprämie, Konjunkturpaketen und anderen Maßnahmen wurde eine Massenarbeitslosigkeit verhindert. Als die Wirtschaft wieder lief“, so Weißenbrunner, „haben die Arbeitgeber die Flexibilisierung der Arbeit missbraucht. Lohndumping, ein sich ausweitender Niedriglohnsektor und unsichere Zeitverträge sind die Folge gewesen“.

Als traurigen Höhepunktbezeichnete Weißenbrunner die Spardiktate des europäischen Fiskalpaktes. „Sie schränken massiv die nationalen Handlungsspielräume ein und sind zutiefst undemokratisch. Unter diesem Deckmantel werden zur Zeit in Griechenland Tarifverträge ausgehebelt, um Löhne zu drücken, Arbeitszeiten werden verlängert, die Renten gekürzt und das Renteneintrittsalter hoch gesetzt. Der europäische Sparwahn trifft irgendwann auch uns in Deutschland.“
Dieses Aushebeln der Demokratie müssen die Gewerkschaften verhindern.

Diese soziale Ausgrenzung und Unsicherheit, so der Mairedner, bereitet den Weg vor für populistische Kräfte, die Nationalismus als Allheilmittel propagieren. „Es gilt, den Ideen und Taten dieser Rechtsextremisten unsere Werte entgegenzusetzen“, so Weißenbrunner abschließend.

Rechte Gewalt, ein Thema, mit dem sich Gudrun Pausewang in ihren Büchern schon mehrfach befasst hat. Sie, die Zeitzeugin nationalsozialistischer Diktatur, las aus ihrem Buch „Die Meute“. Darin beschreibt der Ich-Erzähler Paul, 14 Jahre alt, seine Erlebnisse beim geliebten Großvater, den er erstmals in den Ferien alleine besuchen darf. Der Großvater ist Nazi und hängt noch immer den „Großdeutschen Ideen und Herrenrasse - Phantasien „ des dritten Reichs nach. Paul liebt seinen Opa, doch nicht dessen Ideen. Der manipuliert Paul so, dass er sich der rechten Jugendgruppe „die Meute“ anschließt, denen der Großvater einen Versammlungsraum in seiner Schmiede zur Verfügung stellt.

Eindrucksvoll und bedrückend schildert Gudrun Pausewang die demagogischen Tricks, mit denen Paul manipuliert wird, bis er dann doch zu der Einsicht gelangt, dass Oma und Opa ihn verraten haben und Paul sich von seiner Mutter abholen lässt. Totenstille und Eiseskälte im Saal, so eindringlich und plastisch war die Lesung.

Mit Mario Wöllhard hatte der Schlitzer DGB - Ortsverband einen Liedermacher engagiert, der gekonnt mit seiner Gitarre immer wieder die passenden Songs spielte. Da war alles authentisch, eine echte Bereicherung. Ein Geschenk der besonderen Art gab es für den DGB - Ortsverband Schlitz. Günther Brand, der ehemalige Fuldaer Vorsitzende der IG Textil - Bekleidung, überreichte Uli Mühling ein Gewerkschaftstagebuch, welches die Zeit von 1919 bis 1928 in Schlitz beschreibt. Mühling bedankte sich und reichte das Buch gleich an Fritz Kumpf weiter, der es auswerten wird.


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