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25. September 2012



Die Schlitzer Destillerie: Klein, fein, erfolgreich und doch Probleme

Von HANS-PETER SAURWEIN

Schlitz
Im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss hat Konrad Schwab, Geschäftsführer der Schlitzer Destillerie, die Zahlen des Jahresabschlusses 2011 vorgelegt. Die Ausschussmitglieder zeigten sich mit dem Zahlenwerk zufrieden und ließen es sich von Konrad Schwab ausführlich erläutern.

Die Schlitzer Korn- und Edelobstbrennerei firmiert als GmbH und ist eine industrielle Verschlussbrennerei. Sie gehört zu 90 Prozent der Stadt Schlitz und zu zehn Prozent der Stadt Hünfeld.  „Der Markt ist schon seit einigen Jahren hart umkämpft und es ist schwer, sich dort zu etablieren“, stellt Konrad Schwab klar. Das ist verständlich. Entweder es wird Masse billig, oder es wird Klasse teuer verkauft. Für „Masse“ ist die Produktion der Schlitzer Destillerie zu klein und für „Klasse“ fehlt ihr der Markenname, den man sich durch teure Werbung aufbauen muss.

Hart umkämpfter Spirituosenmarkt – Klasse, Masse oder Geheimtipp

Es bleibt die Nische des „Geheimtipps“. Den füllen die Schlitzer wohl trefflich aus. Dies zeigt die DLG-Prämierung der vier eingereichten Schlitzer Spirituosen in der vergangenen Woche. Einmal Gold für den Wachtfeuer und  drei Silbermedaillen für den alten Schlitzer Kornbrand, den Wildkirsch-Likör und den Williams Christ Birne Fruchtsaft- Likör. Mehr Medaillen holte nur einer in Hessen, der „Multi“ Henkell und Co., Sektkellerei KG. Mit etwas über 1,2 Millionen Euro Umsatz und einem Gewinn von 63.295,41 Euro ist Schwab zufrieden. Zwar sei der Umsatz um 1,9 Prozent zurück gegangen und der Gewinn um ca. 9000 Euro, das habe aber mehrere Ursachen. Zum einen sei der Verkauf des AHA-Kräuterelixiers erst wieder seit Anfang 2012 in der Hand der Schlitzer und zum anderen habe die Zertifizierung kräftig Geld gekostet.

IFS-Food-Zertifizierung

„Größter Kostenfaktor in den Jahren 2011 und 2012 ist für uns die Zertifizierung nach der „IFS-Food-Richtlinie“. Die kostet uns gut 100.000 Euro, ohne dabei die Mitarbeiterstunden einzurechnen“, erklärt Konrad Schwab. „Um bei den großen Abnehmern überhaupt im Sortiment zu bleiben, war dies unumgänglich“. Ein Fragen- und Änderungskatalog von 250 Punkten musste abgearbeitet werden, bevor in diesem Frühjahr die Zertifizierung erteilt wurde. Sozialräume, Produktionsabläufe, Edelstahl statt Holz, selbstschließende Türen und, und, und. Das Änderungsprogramm war umfangreich. Aber damit nicht genug, bereits 2013 muss die Zertifizierung bestätigt werden.

Absatzgebiet heimischer Raum, Werksverkauf und Internet

„Unser Vertriebsgebiet ist regional“, erklärt Schwab. „Vogelsberg, Rhön, Fuldaer und Hünfelder Land sowie unser Hofladen sorgen für den Umsatz. Dabei sind wir in den großen Ketten vertreten und bei Rewe und tegut… im Sortiment“. Ein weiterer Absatzmarkt ist der Verkauf in unserem Werk nach einer Destillerie-Besichtigung. Dieser Verkauf zieht oft noch weitere Bestellungen über das Internet nach sich. Wegen des regionalen Verbreitungsgebietes ist die Destillerie auch überwiegend auf heimischen Messen in Alsfeld und Fulda zu finden. Überregional nimmt sie an einer Messe in Hamburg und auf dem Hessenfest in Berlin teil. Ein großer Werbeträger sei dabei die „Kornkönigin“, die sympathisch und kenntnisreich die Schlitzer Destillerie und die Stadt Schlitz vertritt. Auch der Whisky habe das Renommee der Destillerie enorm gehoben, betonte Schwab.

Ein großes Problem, das Lager

„Unsere Destillerie befindet sich in einem historischen Gebäude“, stellt Konrad Schwab fest. „Das lässt sich baulich nicht so einfach verändern und erweitern. Wir brauchen aber dringend mehr Lagerkapazität, damit die Edelobstbrände auch eine angemessene Fassreife erlangen. Wir kommen um den Bau einer Lagerhalle nicht herum“, so sein Credo. Dieser Bau ist bereits seitens der Stadt Schlitz im städtischen Haushalt 2012 vorgesehen. Die Stadt als Eigentümerin des Geländes wird diese Lagerhalle bauen. Wenn die Bodenanalysen in Ordnung sind, wird diese Lagerhalle im Garten der Destillerie, direkt hinter dem Querbau entstehen. Passt alles, soll noch dieses Jahr der Baubeginn sein.

Ausblick 2012

Laut Geschäftsführung und Aufsichtsrat soll der Jahresgewinn 2011 vorgetragen werden und so die Eigenkapitalquote verbessern. Investiert wurde auch in diesem Jahr. „Wir haben neue Maische- und Lagertanks gekauft sowie eine Flaschenabfüllmaschine“, zählt Schwab auf. „Seit diesem Jahr obliegt uns auch wieder der Verkauf des AHA-Magenelixiers“. Konrad Schwab und seine Mitarbeiter stellen eine steigende Popularität der Destillerie und ihrer Produkte fest. Das zeigt sich auch in den Buchungen für eine Betriebsbesichtigung.

Gesucht:  Ein/e Destillerieführer/in

„Deswegen suchen wir dringend noch eine weitere Person (männlich oder weiblich), die Besuchergruppen durch die Destillerie führt. Sie wird von uns umfangreich ausgebildet, so dass sie jede Besucherfrage beantworten kann. Die Person sollte volljährig sein und den direkten Kontakt mit Publikum mögen“, erklärt der Geschäftsführer. „Das ist bei jeder Besuchergruppe eine neue Herausforderung, aber deswegen nie langweilig. Wer sich für diese Aufgabe interessiert, kann sich ab sofort bei uns telefonisch (06642 - 5267) melden oder über unsere Homepage bewerben. Alles weitere wird dann persönlich besprochen.


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