Energiegenossenschaft Vogelsberg wächst weiter
rja
Vogelsbergkreis
„Erneuerbare Energien sind die Zukunft und das nicht erst seit dem Atomausstieg der Bundesregierung. Schon seit Jahren ist der Vogelsbergkreis in Sachen Windkraft der zentrale Standort in Hessen und auch bei der Photovoltaik sind wir ganz weit vorne.
Nur: die Gewinne wandern derzeit noch zu oft in die Taschen von Großinvestoren überall in Deutschland. Wir wollen, dass die Gewinne im Vogelsberg bleiben.“ Dr. Birgit Richtberg hat große Ziele- und der Vorstand der Energiegenossenschaft Vogelsberg hat eine Vision. „Wir möchten, dass möglichst viele Menschen im Vogelsberg von Mücke und Schwalmtal über Schotten bis Schlitz von dem boomenden Markt der erneuerbaren Energien profitieren.“
Genau darum kümmert sich seit mehr als einem halben Jahr die Energiegenossenschaft Vogelsberg. Und die ersten Projekte sind bereits am Laufen. „Wir haben in Romrod zwei Photovoltaikanlagen am Netz“, ergänzt Vorstandsmitglied Günter Mest. Auf dem Bürgerhaus und auf dem Dach der VR Bank in Romrod erwirtschaften die beiden Anlagen bereits Strom und damit Gewinne für die rund 150 Genossenen, die sich der Energiegenossenschaft bereits angeschlossen haben. Genossenschaftsanteile zu je 100 Euro zu erwerben ist die eine Möglichkeit, um die Ziele der Energiegenossenschaft zu unterstützen und mitzugestalten. Diese Anteile werden mit einer Dividende verzinst, die die Genossenschaftsversammlung jährlich neu festlegt. Beitrittsformulare sind als Download im Internet oder aber bei jeder Genossenschaftsbank und den Vorstandsmitgliedern erhältlich. Als weitere Beteiligungsmöglichkeit ist die direkte Beteiligung an Investitionsprojekten gegeben. An den Photovoltaikanlagen in Romrod können sich zunächst die Romröder Bürger und im nächsten Schritt alle Genossenschaftsmitglieder mit einer Kapitalanlage beteiligen. Diese wird je nach der Wirtschaftlichkeit der Anlage verzinst. Ein kleiner Anteil des Erlöses kommt gemeinnützigen Projekten in der jeweiligen Kommune zugute. Nach diesem Modell werden in Kürze noch weitere Anlagemöglichkeiten für die Mitglieder der Energiegenossenschaft Vogelsberg bereitgestellt werden.
Denn Ideen für weitere Projekte sind in der Pipeline, erklärt Metz. So soll bereits in Kürze im Alsfelder Stadtteil Heidelbach eine weitere Anlage ans Netz gehen und auch im Hohen Vogelsberg plant die Energiegenossenschaft die Beteiligung an einem Photovoltaikpark. Doch geht es nach den Plänen des Genossenschaftsvorstandes sind dies alles nur die Einstiegsprojekte. „Auf Dauer wollen wir uns auch am Bau von Windkraftanlagen und am Bau ganzer Windparks beteiligen“, erklärt der Bezirksschornsteinfegermeister und Vorstandsmitglied Bernd Schmidt. Doch dafür brauchen wir noch mehr Genossen und mehr Kapital. Denn während der Bau von Photovoltaikanlagen relativ schnell und kostengünstig umzusetzen ist, wird der Einstieg in die Windkraft finanziell eine neue Dimension sein. Eine neue Dimension ohne Risiko für den Genossen denn das Geld ist gut und sicher angelegt, wird überdurchschnittlich verzinst und beteiligt alle Genossen am Gewinn. „Hinzu kommt, dass die Anteilseigner jeden Tag zu ihrer Windkraft- oder Photovoltaikanlage fahren und sich persönlich davon überzeugen können, dass ihr Geld Gewinne erwirtschaftet“, sagt Norbert Reinhardt. Der Kreislandwirt des Vogelsbergkreises ist zudem sicher, dass auf einem expandierenden Markt wie dem der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren große Gewinne und Expansionsmöglichkeiten warten.
Beteiligung an Bau eines Windenergieparks?
„Wer da rechtzeitig investiert, ist auf einem guten Weg“, ist sich Reinhardt sicher. Genau da will die Energiegenossenschaft Vogelsberg ansetzen. „Wir wollen zum Beispiel Menschen mit freien Dachflächen für Photovoltaikanlagen mit denen zusammen bringen, die für ihr Geld eine gute Verzinsung wollen.“ Bis zu fünf Prozent können da schon mal herausspringen und die aufgrund der kleinteiligen Stückelung von nur 1000 Euro pro Anteil etwa an einer Photovoltaikanlage könne die Genossenschaft auch mit kleinen Einlagen große Projekte umsetzen. „Genau das ist es, was wir am Ende erreichen wollen“, ergänzt Birgit Richtberg. Nachdem nun die kleinen Photovoltaikanlagen erfolgreich ans Netz gegangen sind, werde man sich auch an größere Projekte heranwagen.
„Wir denken etwa an eine Beteiligung am Bau eines Windenergieparks“, so die Romröder Bürgermeisterin. Dabei trete die Genossenschaft nicht als Projektierer auf. „Wir sind lediglich ein Zusammenschluss von Interessenten, die eine bestimmte Menge der Gesamtsumme für den Bau der Anlagen dazu geben. Aber am Ende gehört uns vielleicht eine der Windkraftanlagen und unsere Genossen erhalten bei jeder Drehung des Rotors durch die Stromerzeugung bares Geld.“ Zudem biete die Form einer Genossenschaft größere Rechtssicherheit als andere Anlageformen.
Der Vorstand der Energiegenossenschaft Vogelsberg wird nach der intensiven Gründungsphase der Genossenschaft nun verstärkt in die Umsetzung von Projekten einsteigen.“ Das geht bei Photovoltaik schneller, bei Windkraft wird die Umsetzung ein bisschen länger dauern“, sagt Günter Mest. Fest steht aber: große Windenergieparkbetreiber haben bereits mit der Energiegenossenschaft Vogelsberg Kontakt aufgenommen und sind an einer engen Zusammenarbeit mit den heimischen Geldgebern interessiert.“ Und wenn die Gewinne im Vogelsberg bleiben, dann ist auch die Akzeptanz für die einzelnen Projekte größer. „Wobei wir als Genossenschaft nur in Projekte investieren werden, die auch bei der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen“, ergänzt Bernd Schmidt.
Und einen weiteren Vorteil habe der Einstieg in die Energiegenossenschaft Vogelsberg. Bei Fragen zu den Projekten und der richtigen Geldanlage sind die Vorstandsmitglieder vor Ort und können Fragen schnell und unbürokratisch beantworten. Und so hat Günter Mest für alle Besitzer von Freiflächen und Hausdächern auch gleich einen Rat parat. „Derzeit sind immer wieder Vertreter großer Windkraftbetreiber im Vogelsberg unterwegs und wollen die Bürger mit Verträgen ködern, die sie benachteiligen. Unterschreiben Sie nichts und fragen Sie erst bei uns nach, vielleicht können wir Sie vor unlauteren Vertragsabschlüssen bewahren.“
„Wir versichern, dass wir das Beste für Sie und Ihr Geld erreichen werden, in einem Markt, der ein Markt der Zukunft ist“, bilanziert Norbert Reinhardt. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Gewinne aus erneuerbaren Energien, die im Vogelsberg erwirtschaftet werden, auch im Vogelsberg bleiben.“ Jetzt seien die Bürger gefragt, diesen Schritt zu gehen und an der richtigen Stelle zu investieren. Denn so lange die Sonne scheint und der Wind weht, wird im Vogelsberg kostbarer Strom erzeugt und von dem sollen dann auch die Vogelsberger Bürger durch die Energiegenossenschaft Vogelsberg profitieren.
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