Gelungener Auftakt der 6. PIANALE-Klavierakademie im Schloss Hallenburg
Von Volker Puthz
Schlitz
Mit einem Konzert der Pianistinnen Uta Weyand-Schäfer und Akiko Ebi wurde die 6. PIANALE-Klavierakademie im Konzertsaal der Landesmusikakademie Hessen eröffnet. Die beiden Damen spielten sich mit Mozart, Schubert, Liszt und Ravel in die Herzen ihres zahlreich erschienenen Publikums.
Das ist nun schon die 6. PIANALE in Schlitz! Da kann man nur gratulieren. Denn dieses Modell einer internationalen Klavierakademie hat sich glänzend bewährt und ist ein Zeichen für die glückliche Hand ihrer Initiatorin, Frau Prof. Uta Weyand-Schäfer. So sieht das auch Bürgermeister Schäfer, der in seinen Begrüßungsworten die Einzigartigkeit dieses Unternehmens mit dem Zitat einer Schlagzeile verdeutlichte, die da lautet „Schlitz – Weltstadt der Klaviermusik“. – Wir kochen es auf kleinerer Flamme und freuen uns darüber, dass diesmal über 30 junge Pianisten aus aller Herren Länder nach Schlitz kommen, um bei fünf namhaften Klavierprofessoren zu lernen und sich zu vervollkommnen.
Und wie es üblich ist: die Dozenten gestalten das Eröffnungskonzert. Diesmal Frau Weyand-Schäfer und die japanische Pädagogin Akiko Ebi, die von der Tokyo National University of Fine Arts and Music zu uns gekommen ist.
Mozart und Liszt mit zwei Händen
Am Anfang stand Mozarts heitere D-Dur-Sonate KV 311, ein Werk aus seiner glücklichen Mannheimer Zeit. Unbelastet, unprätentiös, nicht auf Virtuosenglanz gesetzt. Spielfreude pur, belebende Kontraste ohne Überteibungen, anmutig ohne herausstechende Akzente. Mozart hätte seine Freude am Spiel von Frau Weyand-Schäfer gehabt, die diesen anmutigen Grundton hervorragend traf und kleine Ungenauigkeiten heiter überspielte.
Im „Andante von espressione“ traf sie den schlichten Liedton mit träumerischer Sicherheit und gestaltete die Linien mit Delikatesse und fast schon romantischem Einfühlungsvermögen. Über den häufigen Rubato-Einsatz kann man sich streiten. Galant und perlend der 3. Satz, alles rundum überzeugend. Mit einem Stück aus Liszts letzter Schaffensperiode begab man sich in eine ganz andere Welt. Liszt hatte 1854 den Titel eines Abbé bekommen und sich immer mehr mit poetisch-religiösen Themen beschäftigt. Aus dieser Phantasiewelt stammt auch das kleine „Ave Maria“ (1869), das Choral- und Engelschortöne miteinander zu verbinden sucht. Musikalisch spröde mit wiederholtem Tonpochen, ein großer Kontrast zum vorherigen heiteren Mozart.
Aus einer früheren Schaffensperiode des Komponisten stammt dagegen die 2. Ballade in h-moll, die vom Pianisten das Äußerste verlangt. Das Wesen der Ballade, das ja nicht liedhaft, sondern dramatisch ist, von Gegensätzen lebt und eine Geschichte erzählt, wird hier großartig, manchmal etwas zu sehr bombastisch getroffen. Der Interpret hat im wahrsten Sinne des Wortes „alle Hände voll“ zu tun. Akiko Ebi traf sowohl die düstere Stimmung (starke Bässe), den schmelzenden Ton in den Zwischenspielen und das wilde Jagen in Kontrastpartien mit großer Souveränität.
Schubert und Ravel mit vier Händen
Nach der Pause begaben sich die beiden fingerfertigen Damen zusammen an den Flügel. Schuberts Fantasie in f-moll stammt aus seinem letzten Lebensjahr. Und wir können auch hier wieder das vergebliche Ankämpfen gegen Erstarrung feststellen, das bei allen erlösenden Zwischenpartien, immer wieder durch Punktierung und Quartensprünge durchscheint. Ganz versonnen wurde der Anfang gespielt, die insistierend punktierte Melodie, die das ganze Stück durchzieht. Gegen Ende erlebt man einen Versuch, die Welt durch Fugenkonstruktion in den Griff zu bekommen, dies und auch die große Steigerung und Verdichtung des Klanges kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Resignation und nicht Erlösung am Schluss steht.
Welch schöner Zufall! Hatten wir doch gerade erst am vergangenen Samstag die Orchesterfassung von Ravels „Ma mère l’oye“ (Geschichten, die mir Mutter Gans erzählt hat) mit dem Landesjugendsinfonieorchester Hessen gehört. Im Eröffnungskonzert der 6. PIANALE wurde nun die „Urfassung“ dieser kleinen Märchenerzählungen dargeboten. Und wie es vom Klavierklang zu erwarten ist: Klarheit und Durchsichtigkeit kommen hier prägnanter zum Ausdruck. Der (vierhändige) Holzschnitt gegen das (instrumentenreiche) Gemälde. Beide Fassungen haben ihre besonderen Reize. Frau Weyand-Schäfer und Akiko Ebi verdanken wir eine Wiedergabe mit viel Delikatesse: ganz versunken das schlafende Dornröschen, nachdenklich und naiv der seinen Weg stolpernde Däumling, pentatonisch-fernöstlich die Glocken- und Glöckchenspiele der Pagodenwelt, schwingend das Zwiegespräch zwischen der Schönen und dem Biest (sehr schön erzählt) und in schreitender Ruhe der Ausklang der Märchenwelt mit Feentönen. Diese Stücke machten den Pianistinnen besondere Freude, die sie auf ihre Zuhörer übertragen konnten. Viel Beifall und Blumen – so soll ein Eröffnungskonzert sein!
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