Gesangsakademie: Teilnehmer geben Abschlusskonzert
Von Volker Puthz
Schlitz
Eine Woche konzentrierter Arbeit haben die Teilnehmer an der 5. Internationalen Gesangsakademie Schlitz erfreulich vorangebracht, was sie am vergangenen Samstag in ihrem Abschlusskonzert unter Beweis stellten.
Timothy Sharp und seine Mutter, Frau Prof. Norma Sharp, haben vor mehreren Jahren die Internationale Gesangsakademie in der Landesmusikakademie Hessen, Schlitz ins Leben gerufen. Zur Tradition geworden, wurde die Akademie nun zum fünften Mal abgehalten, und sie soll auch weiter hier bei uns stattfinden.
Wie Timothy Sharp eingangs feststellte, finden er und seine Schüler in Schlitz ideale Arbeitsbedingungen vor. So konnten die jungen Sänger eine ganze Woche lang im Konzertsaal üben, also unter Bedingungen, wie sie auch im „echten“ Konzert vorliegen. Diesmal war unter den jungen Leuten nur ein Sänger, die Damen also in der großen Überzahl.
Mit der Stimme ist das so eine Sache. Wer nicht eigens darüber nachdenkt, wird sagen: singt doch, wie euch der Schnabel gewachsen ist! Daran ist sicher Wahres, aber nicht jeder Schnabel kann auch alles gut singen. Was jedoch viel zu wenig bedacht wird, ist die Tatsache, dass die menschliche Stimme ein außerordentlich kompliziertes Instrument ist, dessen Beherrschung intensive Studien erfordert. Gutes Stimm-Material allein reicht bei weitem nicht aus, einen passablen Sänger zu machen.
Vielmehr muss der Sänger erst einmal selber die Fülle seiner eigenen (immer auch begrenzten) Möglichkeiten kennenlernen und sich dann darauf konzentrieren, diese Möglichkeiten differenziert einzusetzen. Klangfarbe, Ausdruck und – jawohl – Sprachdeutlichkeit, alles das fällt nicht von allein in die Sängerkehle. Weshalb auch große Sänger immer wieder neu ihr Instrument pflegen und auf beherrschbarem Zustand halten müssen.
Zum Abschlusskonzert
Wer zu dieser Internationalen Gesangsakademie kommt, singt einfach gern und möchte seine Stimme perfektionieren. Das heißt aber noch lange nicht, dass jeder gleich eine Solistenkarriere, sagen wir in einem Opernhaus, anstrebt. Viele singen einfach, weil es ihr Leben bereichert und sie damit ihre Freunde beglücken können.
Unter den acht Sänger/innen des Abschlusskonzerts waren daher auch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten zu beobachten, solche, die noch einen weiten Weg zur Stimmperfektion beschreiten müssen und solche, die diese Stimmbeherrschung schon zu einem erstaunlichen Maße erreicht haben.
Zwei der jungen Damen fielen nicht nur durch ihre schönen Stimmen auf, sondern auch durch ihre Gestaltungskraft und die Perfektion, mit der sie ihre Stimme beherrschen: Caroline Jestaedt und Maria-Eunju Park, beides Soprane, aber unterschiedlichen Timbres. Sie erhielten denn auch am Abend neben ihrem Abschlussdiplom ein Stipendium der Landesmusikakademie Hessen, Schlitz, vom Direktor der Akademie, Lothar Behounek, überreicht, das es ihnen ermöglicht, hier bei uns einen eigenen Liederabend zu geben, worauf wir uns schon alle freuen.
Das Konzert brachte ein breit gefächertes Programm: Arien aus Opern, Lieder, Operettenmelodien ermöglichten den Sängern unterschiedliche Stimmungen und Gefühle zu Gehör zu bringen und dabei auch – wo angebracht – ihre darstellerischen Fähigkeiten zu zeigen.
So erfordert das „Hexenlied“ von Mendelssohn variable Ausdruckskraft und Dynamik bei großer Sprachdeutlichkeit, Frau Park brachte das hervorragend. Höhepunkt war zweifellos die Arie des Aspasia aus Mozarts „Mitridate, Re di Ponto“, sie verlangt eine Amplitude des Gefühlsausdrucks, den Caroline Jestaedt mit ihrem hellen Sopran beeindruckend sang und spielte.
Der Titel der Arie enthält die Begriffe „grave“ (schwer) und „tormento“ (Qual), worin sich schon die Gefühlstiefe spiegelt, die hier nachvollziehbar gemacht werden soll. Dass dies der 14-jährige Mozart komponiert hat, möchte man kaum glauben.
Außer mehreren anderen schönen Darbietungen während des Abschlusskonzerts verdienen noch hervorgehoben zu werden die sympathische und temperamentvolle Wiedergabe von „Ich bin die Christel von der Post“ (Carl Zeller) durch Laura Cromm und das gelungene Abschlussduett aus Mozarts „Zauberflöte“: Frau Park und Simon Böker gingen in dem „Pa,Pa,Pa…“-Zwiegesang ganz in der naiv-glücklichen Stimmung dieser herrlichen Musik auf.
Das Publikum dankte es den jungen Sänger/innen mit lebhaftem Applaus.
Nach Verteilung der Diplome und der beiden Stipendien bedankten sich die Akademieteilnehmer bei ihren beiden Lehrern und – das soll nicht vergessen werden – bei den beiden unermüdlichen Klavierbegleitern (Friedemann Seitzer und Jan Roelof Wolthuis) mit kleinen Gaben und Küsschen.
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