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13. August 2012



Landesjugendsinfonieorchester im Konzertsaal der LMAH

Von Volker Puthz

SCHLITZ
Wieder einmal begeisterte das Landesjugendsinfonieorchester Hessen den bis auf den letzten Platz besetzten Konzertsaal der Landesmusikakademie. Diesmal war es ein Programm mit Stücken von Ravel, Dvoraks Cellokonzert und Beethovens 5. Sinfonie.

So wünscht man es sich: der große Saal bis auf den letzten Platz besetzt, sogar auf der Galerie ein gespanntes Publikum und dann die große Zahl der jungen Musiker unter ihrem Dirigenten Nicolás Pasquet, die voller Spannung das Ergebnis einwöchiger Probenarbeit zeigen wollten.

Und man wurde nicht enttäuscht! Die jungen Leute spielten konzentriert, sauber, mit Schmiss und auch mit Delikatesse; hier sind vor allem auch die Bläsergruppen zu nennen.Aber der Reihe nach: Den Anfang machten fünf Märchenerzählungen, die Maurice Ravel unter dem Titel „Ma mère l’oye“ ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiert, bald aber schon für Orchester gesetzt hat. Das sind „Geschichten von meiner Mutter, der Gans“, also Märchen. Aus den Überschriften der fünf verschiedenen Stücke geht hervor, worum es sich jeweils handelt.
Da ist einmal die Geschichte vom schlafenden Dornröschen, eine „Pavane“, also ein würdevoller Schreittanz, den das Orchester in feiner Ruhe spielte.

Dann die Geschichte vom Kleinen Däumling, der nicht nach Hause findet. Es folgt das Märchen von einer Kaiserin, die badet, während Zwergenwesen der Pagoden dazu auf Nuss-Schalen musizieren.  Kurze Zwischenschläge, Xylophon, Glockenspiel, Gong und Bläsergruppen, erzeugen fernöstliche Klänge. Die Schöne und das Biest unter halten sich im folgenden Stück, wobei sich das Biest schließlich in einen Prinzen verwandelt.

 Dies im Sechsachteltakt mit tiefen Bläsern (Kontrafagott), Steigerungen und Harfentönen bei gleichzeitigen Violinflageolett. Den Schlusspunkt setzt der „Feengarten“, ein ganz klangdichtes Stück mit grandioser Steigerung am Ende. Dem Landesjugendsinfonieorchester gelang es sehr gut, die vielen verschiedenen Farben dieser Märchenmusik zum Klingen zu bringen.

Isang Enders begeistert mit Dvorak

Isang Enders, heute 1. Konzertmeister der Violoncelli bei den Sächsischen Staatskapelle Dresden, ist bei uns kein Unbekannter. Schon als 18jähriger fiel er 2006 bei einem Meisterkurs von Daniel Müller-Schott auf. 2007 spielte er mit dem LJSO Schostakowitschs Cellokonzert und 2008 gab er zusammen mit Andreas Hering einen Soloabend.
 Er hat sich inzwischen in die vordere Reihe der Cellovirtuosen gespielt und erfüllte alle Erwartungen, die man an ihn stellen durfte.

Dvorak hat sein berühmtes Cellokonzert op. 104 Ende 1894 in Amerika geschrieben. Die „Neue Welt“ ist darin aber nicht zu finden, vielmehr hören wir immer wieder Klänge aus seiner böhmischen Heimat.

Das von musikalischen Einfällen strotzende Werk hat damals schon Brahms begeistert, der dazu gesagt haben soll: „Warum habe ich nicht gewußt, dass man ein Cellokonzert wie dieses schreiben kann? Hätte ich es gewusst, hätte ich schon vor langer Zeit eines geschrieben!“

Nach langer Orchestereinleitung (hier noch gewissen Tempounregelmäßigkeiten) übernimmt das Horn die Führung bevor das Cello sehr ruhig und konzentriert einsetzt und mit dem Orchester Zwiesprache hält.  Im zweiten Satz zitiert der Komponist sein Lied „Lasst mich allein“, das Cello kann ausdrucksvoll singen und schöne Seufzer zeigen; aber auch der pompöse Zwischenteil bewegt stark. Vor allem in diesem Satz konnte man den Blechbläserchor und einzelne Bläser (Flöte) bewundern.

Der dritte Satz gibt dem Cellisten Gelegenheit, seine Virtuosität zu zeigen, und dem Orchester, in großem Klang zu schwelgen. Das Konzert enthält keine Solo-Kadenz und ist auch, was die Strenge der Form angeht, eher rhapsodisch, reißt aber durch seine vielen Einfälle und anrührenden Melodien mit. Und das besonders, wenn es so glänzend gespielt wird wie von Isang Enders.

Beethoven setzt den Schlusspunkt

Wer sich an Beethovens „Fünfte“ wagt, zeigt Mut. Und Mut gehört bekanntlich dem Tüchtigen. Das kann man dem Landesjugendsinfonieorchester bescheinigen. Der 1. Satz wurde von den begeisterten und begeisternden Musikern gespannt, rhythmisch präzis mit viel Elan gespielt; es blieb kaum Zeit zum Atemholen oder für ein Ritardando. Im 2. Satz gefielen besonders die lupenreinen Bläsergruppen.  Der 3. Satz wurde in seinen dynamischen Unterschieden ebenfalls spannend vorgetragen, wobei die rasanten Cellipassagen im Trio Bewunderung abverlangten.

Fröhlich und mit vollem Ton gelang dann das schmissige Finale. Nicolás Pasquet dirigierte das Orchester mit anfeuerndem Schwung. Dass nach einem solchen kräftezehrenden Konzert keine Zeit und Kraft mehr für Zugaben blieben, kann man nachempfinden.

Wer die Liste der jungen Musiker ansieht, die man im Programmheft findet, wird darunter auch zwei Spieler aus Petersberg finden und festgestellt haben, dass mehrere Teilnehmer schon bei früheren Konzerten dabei waren: die wiederholte Schulung Einzelner trägt sicher auch zur Perfektion des Gesamtklangs bei.


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