Pilotprojekt „Prograss“ in Betrieb genommen
VOGELSBERGKREIS Führungen und Besichtigungsmöglichkeiten in zwei Wochen möglich.
Der Traum vieler Akteure ist Wirklichkeit geworden, meinte Karl-Peter Mütze, Leiter des Amtes für den ländlichen Raum im Vogelsbergkreis am Dienstagmittag bei der Eröffnung einer Pressekonferenz anlässlich der Inbetriebnahme der Versuchsanlage zum Energieprojekt „Prograss“. Mit Hilfe dieser Anlage soll zukünftig Biomasse aus Naturschutzflächen in speicherbare Energie umgewandelt werden. Als einen weiteren Hauptpluspunkt verzeichnete er, dass dabei Wertschöpfungsketten in der Region geschaffen würden.
„Wir sind stolz darauf, in diesem richtungsweisenden Projekt als Partner mitwirken zu können“, sagte der Vogelsberger Landrat Rudolf Marx danach in seinem Grußwort. Er betonte, dass das Projekt „Prograss“ in einer Reihe von Projekten stehe, die einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Stärkung der Region mit all ihren Potenzialen leisten würden. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft und die damit stark zurückgehende Zahl der Raufutter fressenden Tiere, existiere ein erhebliches Nutzungsproblem auf den biologisch wertvollen Wiesen und Weiden des Vogelsberges. Nur durch Beweidung sei das Problem der Unternutzung des artenreichen Grünlands nicht in den Griff zu bekommen. „Das Projekt Prograss ist auf diejenigen Biomassenpotenziale ausgerichtet, die bislang keinen oder nur einen geringen Marktwert hatten. Damit stehe das Projekt nicht in Konkurrenz zur klassischen Landwirtschaft wie beispielsweise den Milchvieh haltenden Betrieben“, betonte Marx.
Die Grußworte des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz überbrachte Birgit Hofmann. Sie zeigte sich erfreut darüber, dass Hessen als eine der drei Regionen in Europa an diesem Projekt mitwirken könne.
Professor Dr. Michael Wachendorf von der Universität Kassel erläuterte anschließend das Projekt. Es umfasse insgesamt vier Arbeitsgebiete. So soll mit Hilfe der eigens für das Projekt konstruierten und gebauten mobilen Bioenergieanlage an drei Standorten in Europa: Vogelsbergkreis/Deutschland, Middle Ceredigion/Wales und Tartu/Estland, die energetische Verwertung von Naturschutzgrünland demonstriert werden. Anhand des Prototyps werde dabei die technische Machbarkeit dieses Verwertungskonzeptes beurteilt.
Umfassende technische Erläuterungen
Dazu zähle auch die Eingliederung in landwirtschaftliche Wirtschaftssysteme und Stoffkreisläufe. Das Ziel der betriebswirtschaftlichen Untersuchungen sei die Abschätzung regionaler sozio-ökologischer Effekte. Auch der Status der botanischen Vielfalt und die Einsparpotenziale an Treibhausgasen und fossilen Brennstoffen werden betrachtet. Zudem solle mit Blick auf die einzelnen Umsetzungsprojekte ein Netzwerk aufgebaut werden.
Umfassende technische Erläuterungen gab es dann von Lutz Bühle, der auch am Nachmittag bei herrlichem Winterwetter die Anlage auf dem Sonnenhof im Lauterbacher Stadtteil Frischborn präsentierte. Über 40 Fachleute aus drei europäischen Ländern hatten sich an insgesamt drei Tagen im Vogelsberg über das Prograss-Projekt informiert. So wurden am Montag im „Wilden Mann“ in Bermuthshain die drei teilnehmenden Regionen vorgestellt und der gemeinsame Flyer einschließlich der Repräsentation abgestimmt. Ausgewählte Flächen in Herchenhain und Sichenhausen wurden in Augenschein genommen und auf dem Hoherodskopf erhielten die Teilnehmer Informationen über die Bewirtschaftung von Waldwiesen durch den Geschäftsführer des Naturparks „Hoher Vogelsberg“ Rudolf Frischmuth.
Abschluss am Montag war eine Führung durch das Schloss Eisenbach. Nach der offiziellen Inbetriebnahme am Dienstag fanden am Mittwoch noch weitere Gespräche in Bermuthshain statt. Erste Führungen an der Anlage in Frischborn sollen in etwa 14 Tagen stattfinden.
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