Messer-Workshop der Hanauer Zeichenakademie in Rimbach
Von Hans-Peter Sauerwein
Rimbach
Seit sechs Jahren kommen sie regelmäßig ins Schlitzerland, die Auszubildenden der Staatlichen Zeichenakademie Hanau.
Die älteste deutsche Aus- und Weiterbildungsstätte für Gold- und Silberschmiedehandwerk vereint unter ihrem Dach viele Ausbildungsgänge in metallverarbeitenden Berufen. Es zieht sie nach Rimbach in die Schmiede der Fuldamühle. Aufgeteilt in kleine Arbeitsgruppen, lernen sie bei Jörg Kleine das Messerschmieden. Einige Vorkenntnisse haben sie, denn sie sind bereits Gold- und Silberschmiedin, die dritte hat Metallbildnerin gelernt. Alle drei jungen Damen haben sich noch für eine zweite Ausbildung als Graveurin entschieden. Vierter in der Gruppe ist Peter, der Lehrer für Wirtschaft, Politik und Deutsch. Die vier Personen dieser Gruppe opfern, genauso wie die anderen vier, eine Woche ihrer Ferien für diese Exkursion nach Rimbach. Niemand hatte abgesagt.
Sie haben selbst hohe Ansprüche an sich, bekräftigen die drei Frauen. Das sieht man bereits an den Entwürfen, die sie zu Beginn des Workshops gemeinsam mit Jörg Kleine erstellt haben. Wie die jetzt umgesetzt werden, lernen die vier in den nächsten beiden Tagen bei Jörg. Der Schlossermeister, der sich schon früh auf historische Metallhandwerkstechniken spezialisiert hat, weist sie in die Materialkunde ein. Je nach Messerart wird der Stahl ausgewählt. Die Esse ist vorgeheizt, die Schmiedekohle glüht. Jeder schiebt mit der Zange seinen Stahl ins Feuer. Heiß genug, raus damit, der Schmiedehammer kommt zum Einsatz. Hände und Schultern schmerzen, aber das macht nichts, denn die Messerform bildet sich heraus.
„Das ist total faszinierend, ein einfaches Werkzeug wie ein Messer mal selbst herzustellen. Da hat man plötzlich einen ganz anderen Bezug dazu“, erzählt Peter ganz beeindruckt. Auch Lisa, Alicia und Sabine sind „kaputt“ aber zufrieden. „Wir arbeiten ja sonst eher mit den kleinen Dingen. Gravieren mit Lupe, formen mit feinsten Werkzeugen, das ist was anderes als ein Schmiedehammer“, erzählen die drei. Für den ersten Tag ist Feierabend. Die ganze Gruppe ist bei Lessigs im Hofgut Rimbach untergebracht. Morgens und abends zehn Minuten Spaziergang bis zur Mühle und bei Anneliese deftige Hausmannskost, die schmeckt.
Am nächsten Morgen erläutert Jörg Kleine die nächsten Arbeitsschritte. Der Rohling wird mit Olivenöl gehärtet. Die Qual der Wahl haben die vier bei der Auswahl der Hölzer für die Griffschalen. Lisa entscheidet sich für Apfel, Peter für dunkel geräucherte Eiche, Alicia und Sabine nehmen Nussbaum-Holz. Die Hölzer werden grob an den Rohling angenietet, dann geht es ans Feilen, der Griff muss in Form gebracht werden. In den Köpfen schwebt das Motto „so hat man das auch vor 500 Jahren gemacht“. Jörg Kleine schaut zu, gibt Tipps, greift ein, gibt Hilfestellung. Jetzt werden die Griffe verklebt und an den Rohling genietet. Die Messer haben ihre Form gefunden, jetzt kommt die Feinarbeit. Die Griffe werden gewachst und poliert, ganz zum Schluss die Klinge geschärft.
Jetzt hat jeder „sein“ Messer in der Hand. Ein Augenblick, der Stolz macht und eine Klassenfahrt mit anfassbarem Ergebnis für die Hanauer. Jörg Kleine bietet solche Messer-Workshops an. Im September und November gibt es noch freie Plätze. Gruppen mit maximal fünf Personen können auch direkt mit ihm einen Termin vereinbaren.
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