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10. August 2012



Mit Pferd und Mountain-Bike ins Schlitzerland

SB

Hutzdorf
Am Thema „Tourismus“ scheiden sich im Schlitzerland die Geister. Während die einen meinen, der Werbestand der Stadt auf verschiedenen Touristikmessen lockt sowieso niemanden nach Schlitz, das sei alles rausgeschmissenes Geld, fordern die anderen mehr Initiative und Engagement der Stadt auf diesem Sektor.

Zwei Sichtweisen von Schlitzerländern. Es gibt aber noch eine dritte – die des Touristen, der hier seinen Jahresurlaub verbringt.

Patric Diesch, 47 Jahre alt, und Ute Ramspot, 42, seit Jahren ein Paar, leben zusammen in Köln. Beide sind beruflich stark eingespannt und pflegen zum Ausgleich ihre Hobbys. Sie ist eine passionierte Reiterin, er fährt leidenschaftlich gerne Mountain-Bike. Eifel und Bergisches Land liegen vor der Haustür. Hier kennen sich die beiden aus.

„Vor fünf Jahren haben wir ein Ziel für unseren Jahresurlaub gesucht. Es sollte eine interessante Gegend sein, in der wir beide unseren Hobbys nachgehen können. So hat uns das Internet zum Reiterhof Köhl nach Schlitz-Hutzdorf geführt“, blickt Patric Diesch zurück. So hat das Paar erstmals etwas von Osthessen mitbekommen. „Wir haben bei Köhls für zwei Wochen gebucht und sind nach Hutzdorf gefahren. Nach knapp drei Stunden Autofahrt und waren in einer – für uns – komplett neuen Gegend. Die Realität hat all das gehalten, was die Internetseiten versprochen haben. Wir sind von Familie Köhl so herzlich aufgenommen worden, da haben wir uns sofort wohl gefühlt; das war Urlaub von der ersten Minute an“, ergänzt Ute Ramspot.  

200 Meter mit dem Pferd zum Waldrand, 100 Meter mit dem Bike zum nächsten Radweg, den Antoniusberg als Hausberg, eine gemütliche, schön eingerichtete Ferienwohnung, herzliche Vermieter, nette Nachbarn und die Großstadt Köln gaaaanz weit weg.

„Nach diesen positiven Erfahrungen vor fünf Jahren mussten wir einfach wiederkommen“, erzählen die beiden einmütig.
Heute sind sie zum sechsten Mal bei der Familie Köhl und es gefällt ihnen immer besser. Aus Vermietern und Gästen sind Freunde geworden, aus einer Urlaubsregion die „zweite Heimat“, auch mit den Nachbarn ist man „per Du“.

Langsam müsste es eigentlich langweilig werden, oder? „Ich habe hier als Reiterin keine Einschränkungen und darf mich überall frei bewegen. Außerdem nimmt jeder auf jeden Rücksicht: der Fahrradfahrer, der Autofahrer, der Traktorfahrer, der Jogger, der Waldarbeiter und der Reiter. Dann habe ich noch lange nicht alles gesehen“, Gründe für Ute Ramspot, immer wieder nach Hutzdorf zu kommen.

Patric Diesch sieht das genauso. „Milseburg-Radweg, Vulkan-Radweg, Kegelspiel-Radweg, R 1, R 7; hier kann ich mir Touren zusammenstellen wie ich will. Schotterstrecken, Asphalt, Waldwege, da kann ich ohne Ende kombinieren“. Auch wenn sich das nüchtern anhört, nach einem, der nur Kilometer und Höhenmeter mit seinem Bike fahren will – nein.  Der Diplom-Ingenieur der Verfahrenstechnik legt wert auf Landschaft, auf die Natur, die Aussicht und saugt die Eindrücke einer Radtour in sich auf, speichert sie ab, um sie in Köln abrufen zu können.

Lob, Lob, Lob fürs Schlitzerland. Schöner könnte es kein Tourismusprospekt beschreiben. Die beiden Kölner meinen das ehrlich, sprechen aus dem Herzen. Vielleicht kann man sich das als Schlitzerländer nicht vorstellen, wenn man jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit auf dem Kölner Ring im Stau steht.

Patric Diesch hat aber auch seinen sechzehnjährigen Sohn Jannik dabei. Für den ist im Schlitzerland zu wenig „action“.  „Ja, für Jugendliche fehlt was“, gesteht sein Vater ein. Aber mit sechzehn ist man auch keiner mehr, der von den Eltern „bespaßt“ werden muss. Laptop, Smartphone und Fernseher reichen da manchmal schon. Und wenn wenigstens die „Alten“ zufrieden sind, hat „Kind“ seine Ruhe.

Ein wichtiger Aspekt darf aber nicht unter den Tisch fallen. Viele sind schon bei Internet-Buchungen reingefallen. Da haben die schönen Bildchen im „World-Wide-Web“ in keinster Weise die Realität widergespiegelt. Bei Familie Köhl ist das anders.

Hier wird gehalten, was versprochen wird. Nicht umsonst ist der Reiterhof mit vier Sternen vom Deutschen Tourismusverband ausgezeichnet worden. „Das ist doch alles selbstverständlich“, stellt Egon Köhl „sein Licht etwas unter den Scheffel“. Und eben selbstverständlich ist nichts. Niemand kommt so oft, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Familie Köhl stellt sich auf jeden Stammgast ein. Da wissen sie, was die Gäste noch nicht gesehen haben, planen Touren, machen Vorschläge; Egon Köhl ist zufrieden, wenn der Gast zufrieden ist.  Die Gäste bestätigen das durch Wiederkommen und werden zu Freunden.


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