Mit dem Traktor von Grebenhain zum Stilfser Joch
gst
Grebenhain
Während andere tausende von Kilometern hinter sich bringen, damit ihr Urlaub beginnt, startet die „schönste Zeit des Jahres“ von Jörg Noss und Elli Henns sofort, wenn sie ihr Gefährt anlassen.
Denn die beiden Grebenhainer sind mit einem Traktor und dem angehängten Wohnwagen „on Tour“, und das Gefährt wird während des Urlaubs dann ihr Domizil. Schon mehrmals waren sie mit dem Gefährt unterwegs; in diesem Jahr stand das „Stilfser Joch“ in Italien als Ziel an. Dort findet ein Traktortreffen statt, wo dann alle Traktoren bis zum Scheitelpunkt des Jochs fahren.
Gestartet wurde von Grebenhain, in Obersotzbach kamen drei Gespanne hinzu und in Biebergemünd war dann die Truppe mit fünf Fahrzeugen komplett. Durch den Spessart führte die Route über Mespelbrunn, Bad Mergentheim und Künzelsau. Elli Henns, die einen unaufschiebbaren Termin hatte, konnte erst kurz hinter Künzelsau zu der Truppe stoßen. Die erste Nacht wurde in Gaildorf, gelegen hinter Schwäbisch Gemünd, auf einer frisch gemähten Wiese verbracht.
Die Gruppe weckte oft Neugierde und unterwegs fanden sich immer wieder Helfer und nette Menschen, die bereit waren, die Fahrt zu unterstützen. Zu Beginn gab es von der Polizei, die auf die Gespanne aufmerksam wurde, Verhaltensmaßregeln; sie wurden aufgefordert, immer eine Pause zu machen, damit sich hinter den langsamen Traktoren kein Stau bildete.
Das Ziel des zweiten Tages war Schwangau in der Nähe von Füssen. Dabei gab es noch einen Schlenker nach Marktoberdorf, da hier der Arbeitgeber des Mitfahrers Jürgen Böcher seinen Firmensitz hat. Es ist der Hauptsitz von Massey-Ferguson für Deutschland und man hatte diesen Umweg gerne auf sich genommen, denn alle Traktoren der Gruppe waren ausnahmslos vom Typ Massey-Ferguson. Als die Gruppe dort eintraf gab es eine tolle Begrüßung und wohl alle Mitarbeiter verließen ihre Büros und es wurde fleißig fotografiert.
In Schwangau, ganz in der Nähe von Neuschwanstein, standen die Traktoren und ihre Anhänger auch wieder im Mittelpunkt; hier bei den Japanern, die ja bekanntlicherweise Neuschwanstein zu tausenden besuchen. Es wurde nicht nur fleißig fotografiert, sondern es musste in englisch „Rede und Antwort“ gegeben werden. Hier hatte die Gruppe wieder Glück. Ein vorbeifahrender Radfahrer, der nach einer Rastmöglichkeit gefragt wurde, entpuppte sich als Besitzer eines Sägewerkes und dort konnte die Nacht verbracht werden. Der dritte Tag führte dann nach Österreich. Dabei wurde auf der Fahrt ein Hinweisschild übersehen, dass ein Tunnel nicht benutzt werden durfte, was die Polizei auf den Plan rief. Diese drückte aber ein Auge zu. Bei einem zweiten Tunnel, der umfahren werden sollte, wurde die Gruppe getrennt. Als später eine Tankstelle angefahren wurde, um sich zu erkundigen, „raste“ der Rest vorbei und nach einer „Aufholjagd“ waren die Teams dann wieder komplett vereint. So konnte der Reschenpass Richtung Italien überquert werden und auf dem Camping-Platz Prad, gelegen unterhalb des „Stilfserjochs“, war ein Teilziel schon erreicht.
Am vierten Tag wurde eine Testfahrt unternommen und am fünften Tag stand dann die Entscheidung an. Dabei geht es darum, dass mit Traktoren der Scheitelpunkt der höchsten Passstraße in Europa erreicht wird. Hierbei wird die Zeit gemessen und dann durch die Anzahl der teilnehmenden Traktoren geteilt. Wer am nächsten an dieser Zeit liegt, darf sich „Weltmeister“ nennen. Ingesamt 343 Traktoren waren dabei und die Durchschnittszeit lag bei einer Stunde und neun Minuten.
Neues Ziel schon festgelegt
Für Jörg Noss und Elli Henns reichte es leider nur für Platz 100. Ihre Zeit lag bei einer Stunde und vier Minuten. Klar, dass noch richtig gefeiert wurde, bevor am sechsten Tag wieder die Heimreise angetreten wurde. Diese führte über Meran, wo das Mittagessen eingenommen wurde, über Bozen und Brixen zur Seiser Alm. Auf dem Platz, wo das bekannte Spatzenfest alljährlich stattfindet, wurde die Nacht verbracht.
Der siebte Tag war mit technischen Problemen verbunden. Bei einem der Mitfahrer verstopfte immer wieder der Dieselfilter, so dass es mehrere unbeabsichtigte Stopps gab. Dies geschah, als der Brenner überfahren wurde. Innsbruck lag ebenso auf der Strecke wie der Walchensee, wo die Fahrer auf dem Campingplatz viel Aufmerksamkeit fanden und die Kinder es sich nicht nehmen ließen, auf dem Traktorsitz Platz zu nehmen. An diesem Tag ging auch Mitfahrer „Bruno“ verloren, doch auch er stieß wieder wohlbehalten zur Gruppe.
Am achten Tag wurde schon bei der Mutter von Elli Henns, die in Flörsbachtal lebt, der „Mattekuchen“ bestellt und am neunten Tag, wie geplant, gegen 18 Uhr trafen Jörg Noss und Elli Henns dort ein. Dort wurde die Nacht verbracht und am zehnten Tag, nach 53 Stunden Fahrt und rund 1650 Kilometern, waren beide wieder in Grebenhain. Kaum angekommen, haben sie wieder ein Ziel: Leipzig soll es werden, das sie mit Traktor und Wohnwagen als nächste Tour ansteuern wollen.
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